11. Dezember 2025
Meine Mission hier in Litauen war es nie, die besten Noten zu haben. Ich wollte verstehen, was Erasmus für mich ausmacht: viele Kulturen, die aufeinander treffen und Menschen die unterschiedlicher kaum sein könnten. Nach nun 3,5 Monaten Erasmus kann ich sagen: „Mission erfüllt!“
Bereits am ersten Tag lernte ich meine indische Mitbewohnerin kennen. Und damit waren wir zwei verschiedene Kulturen auf engem Raum zusammen. Sie hat mir gezeigt, was es heißt Hindu zu sein, indisch zu kochen und Europa als eine fremde Kultur wahrzunehmen.
Im Laufe meines Erasmus habe ich dann Personen aus ganz vielen Ländern kennengelernt, dabei sind teilweise total enge Freundschaften entstanden und manchmal auch nur ein spannendes Gespräch.

Welche Bedeutung hat die Frage: „Wo kommst du her?“ -– in Deutschland eine sehr große! Schnell kann diese Frage rassistisch gewertet werden, da angenommen wird, dass die Person eben nicht aus Deutschland ist. Hier im Erasmus sind wir alle Ausländer*innen, die aus unterschiedlichen Ländern kommen, sodass nach dem Namen direkt gefragt wird: „And where are you from?“
Für mich persönliche ist dieses kulturelle Chaos das spannendste, sowie sensibelste und herausforderndste Thema hier. Ich bin super neugierig und möchte am liebsten alles Wissen. Von Unterschieden im Schulsystem zu Gemeinsamkeiten in Manieren oder die liebsten traditionellen Bräuche. Und gleichzeitig bin ich natürlich auch geprägt von meiner Umgebung und meiner Sozialisation. Ich trage Werte in mir, die 22 Jahre Zeit hatten sich zu entwickeln und da ist manchmal etwas von der anderen Seite der Welt ganz neu und ungewohnt für mich. Es ist manchmal eine Herausforderung sich auf etwas einzulassen und zu verstehen, was eben ganz anders ist. Und manchmal wünsche ich mir zuhause zu sein und ohne viel erklären zu müssen verstanden zu werden.
Facts around the world
Dinge, die ich von meinen Freuden gelernt habe
In Südindien wird der Beginn der Menstruation traditionell mit dem Ritual Ritu Kala Samskaram gefeiert, dass den Übergang eines Mädchens ins junge Erwachsenenalter markiert. Über 14 Tage hinweg erhält sie Geschenke und nimmt an Zeremonien teil, die Fruchtbarkeit und gesellschaftliche Reife symbolisieren.
Beim Kennenlernen in Kasachstan wird häufig nach dem „ru“ gefragt, in den man hineingeboren wird. Außerdem können Kasach*innen mindestens ihre letzten sieben männlichen Vorfahren aufzählen, um mögliche Verwandtschaftsgrade zu erkennen.
Die stereotypisch bekannten Handgesten aus Italien sind tatsächlich fester Bestandteil der Alltagskommunikation. Allein mit diesen Gesten können ganze Gespräche geführt werden.
Ich habe noch nie den asiatischen Kontinent betreten und jetzt in so vielen asiatischen Ländern Freunde und einen Ort zum Besuchen. Meine Freundesgruppe hier besteht hauptsächlich aus asiatischen Vollzeitstudierenden. Die Freundesgruppe ist untereinander schon eingespielt und weiß, mit den ganzen Unterschieden der Personen umzugehen und sich auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren. Es hat sich jedoch auch ein Humorlevel entwickelt, mit dem ich immer noch nicht ganz weiß, wie ich damit umgehen soll. Es werden häufig Witze über Nationen und Unterschiede gemacht. Auch geht es darum, welcher Instagram Filter zu welcher Hautfarbe besser passt, welche Akzente wie klingen und zu welcher Nation unser Aussehen noch passen könnte. Und das alles sind Themen, mit denen ich so noch nie konfrontiert wurde.

Aber ich bleibe dabei: Es ist zwar die größte Herausforderung für mich, aber auch das größte Geschenk!