27. Januar 2026
Viele stellen sich vor einem Auslandssemester die Frage, ob es auch wirklich das Richtige für sie ist. Ich habe mir diese Frage nie gestellt. Im Nachhinein verstehe ich aber, warum manche Zweifel hatten.
„Kein Erasmus ist keine Option“, habe ich so schon in meiner Erasmus Bewerbung geschrieben und auch genauso gemeint. Ein neues Land zu erleben, das gewohnte Umfeld bewusst zu verlassen und sich auf viele neue Möglichkeiten einzulassen, stand so weit oben auf meiner Prioritätenliste, dass ich bis jetzt nie wirklich über die Schattenseite von einem Auslandssemester nachgedacht habe.
Wieso ich unbedingt ins Auslandssemester wollte? – meine Highlights
Die Sache mit der Regelstudienzeit
Mit etwas Glück lassen sich die im Ausland belegten Kurse zu Hause anrechnen, mit etwas Pech aber nicht. Zwar konnte ich mir meine Kurse anrechnen lassen, dennoch werde ich ein Semester länger studieren. Der Gedanke daher nicht gemeinsam mit meinen Freundinnen den Bachelorabschluss zu machen und die Uni zu verlassen tut weh.
Aber mal ganz ehrlich: Wer setzt mich hier denn unter Druck? Ich bin 22 Jahre alt und hatte die Möglichkeit ein halbes Jahr im Ausland zu leben. Ich könnte vielleicht etwas früher in einen Beruf einsteigen, doch die Erfahrungen, die ich sowohl auf universitärem, kulturellem, sprachlichem, aber vor allem auf persönlichem Level gesammelt habe, sind unbezahlbar und würde ich nicht eintauschen wollen.
Zuhause geht das Leben weiter
Zu sehen, wie sich meine Freunde getroffen haben, gemeinsame WG-Abende verbrachten, feiern gingen oder einfach zusammen in der Vorlesung saßen, war schmerzhaft. Oft hatte ich das Gefühl, etwas zu verpassen. Neue Dynamiken entstehen und das ohne mich.
Aber mal ganz ehrlich: Würde man nicht auch etwas verpassen, wenn man nicht ins Ausland geht? Ich habe mich persönlich stark verändert. Neue Eindrücke eröffnen neue Möglichkeiten und Perspektiven. Und ja, meine Freundesgruppen haben sich verändert. Trotzdem bin ich mir sicher, dass meine engsten Freunde auch weiterhin bleiben und dass wir ab jetzt wieder neue gemeinsame Erinnerungen schaffen können.
Übergangsfreundschaften
Ich habe viele neue Freundschaften geschlossen, aber jetzt, wo mein Erasmus vorbei ist, wird mir deutlich bewusst, dass ich viele der Menschen, die ich kennengelernt habe, vermutlich nie wieder sehen werde. Auch das tut weh. Wir haben so viel gemeinsam erlebt und plötzlich sitzen alle in unterschiedlichen Flugzeugen nach Hause.
Aber mal ganz ehrlich: Ist es nicht mindestens genauso schön zu wissen, dass ich jetzt Freunde in Ländern wie Indien, Kasachstan und Italien habe? Dass ich dadurch umso mehr Gründe habe, diese Länder zu bereisen? Ist es nicht etwas Besonderes, Menschen kennengelernt zu haben, die es wert sind, vermisst zu werden? Und ich bin mir ganz sicher, wo ein Wille, da ein Weg!

Würde ich mich wieder so entscheiden?
Es wird immer Argumente auf der Kontra-Seite geben und das ist auch völlig okay. Vielleicht war es naiv, diese Seite vor meinem Erasmus auszublenden. Aber selbst wenn ich all das, was ich jetzt weiß, schon vorher gewusst hätte, würde ich mich wieder für ein Auslandssemester entscheiden. Die Erfahrungen, die ich in Litauen gesammelt habe, die Freundschaften, die entstanden sind, und die persönliche Entwicklung, die ich durchgemacht habe, würde ich niemals eintauschen wollen.
Also ja: Erasmus lohnt sich!






