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Meine Mission: Kosmopolitik in Chile (er)leben

Meine Mission: Kosmopolitik in Chile (er)leben

Viele von euch fragen sich sicher: Was ist Kosmopolitik bzw. Kosmopolitismus? Eigentlich ist es ganz einfach, denn es ist eine philosophisch-politische Weltanschauung, die die Welt als Heimat betrachtet. Laut dem Politikwissenschaftler Achille Mbeme bezieht sich die Neuinterpretation der Kosmopolitik vor allem auf die Globalisierung und der daraus folgenden Idee einer gemeinsamen Welt, einer gemeinsamen Humanität, einer Geschichte und einer Zukunft, die uns offen steht, wenn wir sie teilen (Mbembe, 2016). Diese Art des Denkens und Handeln möchte ich am anderen Ende der Welt erleben.

Ich studiere im Master of Science „Politics & Technology“ an der Technischen Universität in München. Dieser Studiengang wirft bei den meisten, denen ich davon erzähle, Fragen auf: Wie passen Politik und Technologie überhaupt zusammen? Meistens erkläre ich dann: Stellt euch die Zukunft wie einen Weg vor und mit der Technologie beschreiten wir diesen Weg und die Politik gibt dabei die Richtung vor und kann mit verschiedenen Aktionen die Geschwindigkeit beschleunigen oder verlangsamen. Mein berufliches Ziel ist es, in einem internationalen Unternehmen im Bereich der politischen Kommunikation zu arbeiten, dabei sind natürlich interkulturelle Kompetenzen und Auslandserfahrungen fast schon ein Muss!

Politikfakten des Auswärtigen Amts über Chile:

  • Chile ist eine Präsidialdemokratie.
  • Der Präsident, zugleich Regierungschef, wird für 4 Jahre gewählt
  • Unmittelbare Wiederwahl ist unzulässig.
  • Der Präsident bestimmt die Richtlinien der Politik und ernennt und erlässt Kabinettsmitglieder. Er kann innerhalb eines festgelegten Rahmens Dekrete mit Gesetzeskraft erlassen.
  • Der Staatsaufbau ist zentralistisch, was bedeutet, dass wenige staatliche Stellen die politische Macht inne haben.
  • Chile ist in 16 Regionen untergliedert, diese wiederum in 54 Provinzen und 346 Gemeinden.
  • Chile ist ein demokratischer Rechtsstaat, der sich uneingeschränkt der Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet fühlt.

Meine Mission: Was will ich erleben?

Aus politikwissenschaftlicher Sicht will ich auch die sehr aktive Zivilgesellschaft erleben und meine chilenischen Freunde auf friedliche Demos und Proteste begleiten. Diese ist größtenteils aus dem Widerstand der letzten Militärdiktatur (1973 bis 1990) entsprungen (Quelle: npla.de). Ausgelöst durch die sozialen Unruhen seit Oktober 2019 durchläuft Chile gegenwärtig einen Verfassungsreformprozess (Quelle: npla.de). Valparaíso ist gezeichnet von diesen sozialen Unruhen. Beispielsweise wurde dort ein Supermark angezündet und dessen Überreste sind immer noch zu sehen, da aus finanziellen Gründen diese noch nicht entfernt wurden.

Politik in Chile hautnah erleben: Bevorstehende Abstimmung über die neue Verfassung

Am 4. September stimmte die chilenische Bevölkerung über eine neue Verfassung ab. In den Straßen sind mir bereits viele Plakate zu „Apruebo“ (Zustimmung zur Verfassung) und „Rechazo“ (Ablehnung) aufgefallen. Den Verfassungsvorschlag hatte am 4. Juli ein 154-köpfiges Verfassungskonvent dem Präsident Gabriel Boric übergeben (Quelle: npla.de).

Der größte Kritikpunkt an der aktuellen Verfassung ist die eingeschränkte Rolle des Staates. Sie wurde während der Diktatur unter Augusto Pinochet verabschiedet und bei den Protesten 2019 als Grund für die sozialen Ungleichheiten genannt. Im neuen Verfassungsentwurf werden die Rechte von Kindern, älteren Menschen, Menschen mit Behinderung, Frauen, der LGBTIQ Community und der indigenen Gemeinschaft gestärkt. Außerdem sollen die Rechte von Hausangestellten und Gewerkschaften gestärkt werden. Die öffentliche Bildungs-, Gesundheits- und Sozialversicherungssysteme sollen gefestigt werden und der Schutz der Umwelt und insbesondere des Wassers spielt eine große Rolle (Quelle: npla.de).

Da Umfragen ein knappes Ergebnis vorher gesagt haben, wurden Unruhen erwartet, denn die chilenische Bevölkerung ist für ihre aktive Zivilgesellschaft bekannt. Der Congreso Nacional de Chile befindet sich in Chile, deswegen war ich schon gespannt wie das Ergebnis der Wahl und die Stimmung in Valparaíso wird. Amnesty International sprach sich für „Apruebo“ aus, da in der aktuellen Verfassung bestimmte Rechte wie das Recht auf Wohnung, Wasser und Nahrung nicht oder nur unzureichend berücksichtigt werden (Quelle: npla.de). Aus politischer Sicht war diese Wahl für mich also ein Highlight und ich freute mich, diese wichtige und richtungsweisende Entscheidung für das Land vor Ort miterleben zu können.

Am Tag der Wahl verfolgten wir im Haus die Auszählung der Stimmen und das Ergebnis live im Fernsehen. Das Ergebnis war für uns überraschend, da nicht mit so einer großen Mehrheit für „Rechazo“ gerechnet wurde (62 %). Die Stimmung im Land ist aber nun ruhig und es wird an einem neuen Entwurf gearbeitet, der weitere Verlauf für diese historische Entscheidung bleibt also spannend.

Herausforderung bei meiner Mission

Für mich wird es definitiv eine Herausforderung, die Technologie in Chile zu erleben, da ich kein Praktikum in einem Unternehmen mache. Meine Kurse in der Uni haben nicht alle einen Bezug zu Technologie, aber mein Seminar „Economia Ambiental“ (deutsch: Umweltwirtschaft) beinhaltet im Semesterlehrplan viele neue Umwelttechnologien, die in Chile bereits angewendet werden oder in der Zukunft noch genutzt werden sollen. In Chile gibt es eine gut geförderte Start-up-Szene, was sowohl aus politischer als auch aus technologischer Perspektive interessant ist. Im Seminar werden wir uns einige der dort entwickelten Umwelttechnologien anschauen und analysieren. Ich freue mich also sehr, im Laufe des Semesters mehr darüber zu lernen! Außerdem werde ich versuchen. durch den Austausch mit chilenischen Kommiliton:innen mehr zu erfahren.

In einem folgenden Blogpost im Laufe des Semesters werde ich berichten, ob und wie ich diese Herausforderung meistern konnte. Folgt mir gerne für mehr Einblicke in mein Auslandssemester auf meinen Social-Media-Kanälen auf Instagram & TikTok!

(Mbembe, 2016): Achille Mbembe: Ausgang aus der langen Nacht. Versuch über ein entkolonisiertes Afrika, Berlin 2016, S. 119.

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