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Road to Medellín: Wie mein Auslandssemester fast in Miami endete

Road to Medellín: Wie mein Auslandssemester fast in Miami endete

Schon der Flug nach Kolumbien entpuppte sich als ein großes Abenteuer. Wer hätte gedacht, dass die Schwierigkeiten schon in Deutschland beginnen? Sprengstofftests und zusätzliche Sicherheitskontrollen – Adrenalin pur auf meiner Odyssee nach Medellín.

Müdigkeit und Erkrankung – eine gefährliche Kombination

Der Abflug von Frankfurt war pünktlich, bis jetzt verlief alles nach Plan. Marcus und ich versuchten auf dem Flug nach London noch etwas Schlaf nachzuholen. Marcus absolviert das gleiche duale Studium wie ich und hat sich auch für ein Auslandssemester an der EAFIT University in Medellín entschieden. Trotz exzessivem Schlafmangel und einer sich anbahnenden Erkältung, war ich aufgeregt das Abenteuer Kolumbien zu beginnen. Die vergangenen Wochen hatte ich damit verbracht, meine Bachelorarbeit rechtzeitig vor Beginn des Auslandssemesters fertigzustellen. So waren Müdigkeit und Krankheitsempfinden auf dem Flug die natürliche Folge dieser stressigen Zeit. Damit ich die ersten Tage in Medellín nicht krank bin, nutzte ich im Flieger nach London noch schnell die mitgenommene Medizin, ein Halsspray gegen meine Halsschmerzen.

Der Einstieg naht – und dann piept die Tasche

In London angekommen, schafften wir es gerade noch rechtzeitig unseren Anschlussflug nach Miami zukriegen. Nach dem Check-in mussten wir an zwei Airline-Mitarbeitern vorbei, die eine Liste mit den Passagiernamen in der Hand hielten. Natürlich war ich es, der mit den Worten „You have been randomly selected for additional screening“ (SSSS) – per Zufall für zusätzliche Sicherheitstests ausgewählt wurde. Marcus ging voraus während ich auf die anstehende Überprüfung wartete. Die bestand darin, dass meine Koffer durchsucht und ich zu meinem Zielort und Reisegrund befragt wurde. Fast geschafft – so dachte ich zumindest. Es fehlte nur noch abschließend der Sprengstofftest und dann sollte ich endlich ins Flugzeug können. Bei meiner Laptoptasche piepte das Gerät plötzlich laut, weil eine verdächtige Substanz erkannt wurde. Alle Mitarbeiter in meiner Nähe drehten sich entsetzt zu mir um. Einer der Airline-Mitarbeiter fragte mich, ob ich Medizin mit mir führte. Da ich nie Medizin in meiner Laptoptasche mitnehme, verneinte ich: “No, I don’t think so“.  „ Ok, then we have to call a specialist“. Ein Spezialist für Sprengstoff sollte herkommen. Und das wegen mir! Langsam fing ich an zu schwitzen. Die Tatsache, dass ich mittlerweile alleine am Gate stand und alle anderen Passagiere schon im Flugzeug warteten, war nicht gerade ermutigend. Plötzlich fiel es mir ein – das Halsspray! Ich hatte es nach der Benutzung auf dem Flug nach London nicht zurück in den Plastikbeutel für Flüssigkeiten, sondern in das Seitenfach meiner Laptoptasche getan. Ich holte es heraus und zeigte es dem Airline-Mitarbeiter. Nach der Prüfung der Inhaltsstoffe war klar, dass das Medikament der Grund für den Alarm war. Nach erneuter intensiver Durchsuchung meiner Tasche durfte ich dann endlich ins Flugzeug. Los ging’s nach Miami!

Ausreise aus den USA – die ersten Probleme

Nach dem Sprengstofftest-Debakel hatte ich genug Aufregung hinter mir und wollte nur noch die Filme und das Flugzeug-Essen genießen (ja, wirklich, ich mag das Flugzeug-Essen). In Miami angekommen, ging es durch die Immigration in die Vereinigten Staaten, da es keinen wirklichen Transitbereich gibt. Aus diesem Grund braucht auch jeder Durchreisende eine ESTA-Genehmigung. Da ich aus meinem vorherigen Auslandssemester in Mexiko noch eine gültige ESTA hatte, dachte ich, dass alles reibungslos ablaufen würde. Durch die automatisierte Passkontrolle an den Automaten ging es schnell zu den Einreiseschaltern, wo ich nach wenigen Fragen akzeptiert wurde. Da normalerweise die Einreise in die USA den aufwendigsten Abschnitt der Reise darstellt, dachte ich, dass die übrigen 60 Minuten bis zum Ende des Boardings mehr als ausreichen würden.

Als nächstes stand also die Ausreise aus den USA an. Das bedeutet, ich musste nur noch an der Sicherheitskontrolle vorbei, um zum Abflug-Gate zu gelangen. Nach kurzer Wartezeit in der Schlange waren Marcus, der das gleiche Auslandssemester wie ich absolviert, und ich beim Sicherheitspersonal angekommen. Marcus kam, wie zuvor in London, als erster an die Reihe. Schon war das Ticket gescannt und die Mitarbeiterin wünschte ihm einen guten Flug. Als ich ihr mein Ticket reichte, war ihr Lächeln plötzlich wie weggewischt. Ein lautes Piepen ertönte und auf dem Bildschirm erschien mit großen Buchstaben SSSS. „We need to call a supervisor“, dieses mal musste also wirklich der Vorgesetzte gerufen werden. Dieser ließ sich Zeit. Ich, noch frohen Mutes, wartete ungefähr zehn Minuten neben dem Sicherheitsschalter. Da Marcus und ich ausgemacht hatten, dass wir uns am Gate treffen würden, war dieser mittlerweile an der Sicherheitskontrolle vorbei und auf dem Weg zum weiter entfernten Gate.

Flughafen Miami Transit Menschen
Transit am Flughafen Miami

Das Boarding-Ticket als Vorwand für Sicherheitschecks

Nach seiner Ankunft fragte ich den Vorgesetzten, ob es ein Problem gebe. Es müsse nur ein neues Ticket gedruckt werden, meinte dieser. Da Marcus mit dem gleichen Ticket schon am Schalter vorbei zur Sicherheitskontrolle durfte, wusste ich, dass dies ein Vorwand für zusätzliche Überprüfungen war. Nach kurzem Laufweg wurde ich zu einem anderen Schalter geführt, wo eine Airline-Mitarbeiterin mir erneut Fragen über den Grund meiner Reise stellte. Als zusätzlichen Nachweis zeigte ich ihr den ausgedruckten Acceptance Letter der Partneruniversität. Während dieser Befragung wurde ich von zwei weiteren Airline-Mitarbeitern und einem Sicherheitsbeamten mit grimmiger Miene beobachtet. Das neue Boarding-Ticket, der angebliche Grund für die Verzögerung, schien vergessen. Plötzlich schaute einer der Mitarbeiter von seinem Computer hoch und sagte, dass ich auf jeden Fall zur Einreise ein Visum bräuchte, da mein Rückflug erst nach mehr als 90 Tagen zurückgeht. Da ich auf der Rückreise ebenfalls mit American Airlines zurückfliegen würde, war die Buchung wahrscheinlich im System einsehbar.

Die Webseite des Auswärtigen Amtes, sowie die Partneruniversität in Kolumbien, sagen jedoch, dass die Einreise deutscher Staatsbürger für 90 Tage ohne Visum möglich sei und für weitere 90 Tage verlängert werden könne. Zusätzlich sei es auch möglich, nachträglich ein Visum zu beantragen. Nach längerer Diskussion rief ich Marcus an, um zu schauen wie es ihm ergangen war. Da er keine Schwierigkeiten hatte, mit seinem Ticket durch die Kontrolle zu kommen, wurde ich langsam misstrauisch, ob es einen objektiven Grund für meine Probleme gab und ob ich heute überhaupt noch durch die Kontrolle gelassen würde. Als ich den Mitarbeitern schilderte, dass Marcus bereits am Gate war, waren diese felsenfest davon überzeugt, dass er am Gate die gleichen Schwierigkeiten haben würde. Nun schweiften wir endgültig in philosophische Diskussionen ab. Ich hätte nicht annehmen dürfen, dass mein Aufenthalt nach 90 Tagen verlängert würde, da es ja nur theoretisch möglich sei. Dass manche Passagiere einfach komplett ohne Rückflug fliegen, spielte natürlich keine Rolle. Der mit Abstand beste Vorschlag: Ich sollte meinen Rückflug umbuchen, damit ich vor den 90 Tagen zurückfliege, dann könnten sie mich durchlassen. Zusätzliche Kosten: 300 Dollar. Und der Mehraufwand: Natürlich würde ich meinen Rückflug in Kolumbien wieder umändern.

Endspurt – wird das Flugzeug nach Medellín ohne mich abheben?

Von den 60 Minuten bis zum Ende des Boardings waren nur noch 20 Minuten übrig. Marcus war schon am Gate und hatte keine Probleme. Die Mitarbeiter am Gate versicherten ihm, dass er ohne Schwierigkeiten einsteigen dürfte. Als er diesen von meinen Problemen erzählte, konnten sie die Argumentation gegen meine Einreise nach Medellín nicht nachvollziehen. Marcus konnte dem Mitarbeiter am Gate erklären, dass wir beide mit den gleichen Unterlagen einreisen und somit alles funktionieren sollte. Anschließend telefonierte das Personal am Gate mit der zuständigen Mitarbeiterin bei mir an der Sicherheitskontrolle und überraschenderweise war nach kurzem Telefonat plötzlich alles geklärt. Die Airline-Mitarbeiterin drückte mir mein Ticket in die Hand und ich durfte endlich in Richtung Flugzeug starten. Dass ich in 15 Minuten den Sicherheitsscheck mit Endlos-Schlange und den 15 Minuten Fußweg zum Gate überwinden musste, war natürlich nicht deren Problem. Glücklicherweise eskortierte mich der Sicherheitsbeamte an der Schlange vorbei, direkt bis vor die Sicherheitskontrolle. Nun musste ich also nur noch die 15 Minuten Gehweg bis zum Gate in den verbliebenen 10 Minuten mit Handgepäck und Laptop-Tasche schaffen. Ich brauchte zum Glück auch nicht mehr auf die Info-Tafel schauen, da sich das Gate mittlerweile in mein Gedächtnis eingebrannt hatte. Zum Glück hat mein Handgepäck Rollen, sodass ich es vor mir herschieben konnte, während ich zum Gate joggte. Als ich nach meiner Laufeinheit endlich da war, stellte sich heraus, dass das Flugzeug nicht abheben konnte, da zwei Flugbegleiter noch nicht erschienen waren. Wir mussten also noch auf den Ersatz warten. Ich nutzte die Zeit, um mich nochmal frisch zu machen. Letztendlich hat sich die Abflugzeit dann noch um eine Stunde verschoben. Ich war einfach glücklich, doch noch nach Kolumbien reisen zu dürfen.

Saludos,
Vik

PS: Ich bin auf meine nächste Reise in die USA gespannt. 😉

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