studieren weltweit

Philosophie, Bitcoin & KI Rückblick auf mein Wiener Semester

Mein Auslandssemester in Wien war ein Spagat zwischen akademischem Erfolg und persönlicher, sowie beruflicher Herausforderungen – Mein Erasmus-Rückblick.

Mission geglückt – zumindest halb

Aus akademischer Sicht war mein Aufenthalt in Wien ein voller Erfolg: Die Seminare haben mich gefordert, inspiriert und mich in den Themen Philosophie, Bitcoin und KI entscheidend weitergebracht. Online hingegen lief es nicht so, wie ich es geplant hatte. Mein Output auf Studieren Weltweit und in meinen Social-Media-Kanälen blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Der Grund: Mir fehlte ein klarer, wöchentlicher Fahrplan. Stattdessen improvisierte ich Woche für Woche neuen Content zu Bitcoin Education und KI. Neben Vollzeitstudium und Freelancing blieb dafür schlicht zu wenig Energie und Zeit. Immerhin weiß ich jetzt, wie ich es das nächste Mal besser machen werde: Zuerst eine schlanke Content-Strategie festlegen, dann veröffentlichen – und erst danach verbessern. Machen und dabei lernen, statt alles perfektionieren zu wollen, bevor überhaupt etwas online geht.

Alltag in Wien: Zwischen Kaffeehäusern und Studentenheim

Wien selbst war – wie schon mehrfach auf Instagram zu sehen – ein Traum. Viele Vormittage verbrachte ich in den Kaffeehäusern und Bibliotheken der Stadt, umgeben von der Architektur der Gründerzeit.


Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass das Studentenheim-Leben nicht mehr zu mir passt. Mit 28 Jahren sind meine Ansprüche an Wohnraum einfach andere geworden. Beim ersten Erasmus-Aufenthalt in Paris war das Wohnheim-Abenteuer noch aufregend; diesmal empfand ich das Teilen von Bad und Küche eher als Einschränkung. Die 10 m² meines Zimmers waren dabei gar nicht das Problem. Aber ständig 20 Meter zur Gemeinschaftsküche laufen zu müssen, weil Salz oder Besteck fehlten, war unglaublich nervig. Die fantastische Aussicht vom Zimmer konnte das nur teilweise ausgleichen.

Aussicht aus meinem Zimmer über den 20ten Bezirk bei Sonnenuntergang mit Reflektionen in den Hochhäusern.
Zimmeraussicht auf den 20ten Bezirk

Studienerfahrung an der Universität Wien

Akademisch hat Wien auf jeden Fall geliefert: Meine drei Kurse waren thematisch abwechslungsreich, die Gruppen divers und inklusiv. Das Geschlechterverhältnis war nahezu ausgeglichen, und in jedem Kurs gab es ein bis zwei Personen außerhalb des binären Spektrums. Im Vergleich zu München war das hier deutlich sichtbarer – vielleicht, weil die Philosophie-Bubble in Wien insgesamt offener ist.

Die Unterrichtszeiten erinnerten dagegen stark an München. Typisch Philosophie: Der früheste Kurs begann um 10 Uhr, oft sogar erst um 13 Uhr. Das war ideal für einen entspannten Start in den Tag, an dem ich sowohl vorher als auch danach noch einiges erledigen konnte. Inhaltlich habe ich besonders in den Bereichen Logik, KI und Wirtschaftspolitik viel mitgenommen.

Szene des Kommunikationsraum der Fakultät für Philosophie mit Arbeistplätzen, einer Tafel und viel Licht das durch große Fenster scheint
Meine Pausen verbrachte ich oft im Kommunikationsraum der Fakultät

Organisatorische Unterschiede: Wien vs. München

Besonders aufgefallen ist mir das Studien-Management: An der Uni Wien läuft alles über Moodle – sogar Seminarankündigungen. Zwar bekam ich manchmal auch E-Mails an meine Uni-Adresse, doch da ich vergessen hatte, eine Weiterleitung auf meine private Mail einzurichten, habe ich dadurch ein paar Dinge schlicht verpasst. Mein Studienfortschritt und die Prüfungsleistungen wurden live in einem Dashboard aktualisiert, während ich an der LMU München noch PDFs herunterladen muss.

Auch die Kurswahl funktioniert in Wien anders: Dort hatte ich 100 Punkte zu vergeben. Ich konnte live sehen, wie stark einzelne Seminare nachgefragt waren, und entschied dynamisch: Dem fast vollen Kurs gab ich 60 Punkte, dem zur Hälfte gefüllten nur 14 – und es klappte reibungslos. In München ist es tendenziell so, dass man in jeden Kurs reinkommt, da die Auswahl signifikant größer ist und ich meist keine Prioritäten vergeben muss. Falls es doch einmal so war, habe ich in München eine Liste erstellt. Das Punktesystem in Wien empfand ich als modern, und es gab mir das Gefühl von mehr Kontrolle und Freiheit darüber, wie meine Wahl die endgültige Zuordnung beeinflusste.

Damit die Erasmus-Fristen eingehalten werden konnten, musste ich meine Hausarbeiten frühzeitig bewerten lassen. Dadurch hatte ich – ähnlich wie zu Semesterbeginn – einen recht intensiven Abgabe-Marathon: drei Hausarbeiten in wenigen Wochen. Eng getaktet, aber lohnenswert. Denn so wurde die zweite Hälfte meiner Erasmus-Förderung früher ausgezahlt, und ich konnte mich über etwas längere Semesterferien freuen.

Finanzen & Förderungen

Stichwort Finanzen: Ich hatte unterschätzt, dass 50 % der Förderung erst nach Abschluss und nach Einreichen aller Noten überwiesen werden. Auch wenn die Mehrausgaben meines ersten Monats (Mietkaution, Haushaltsdinge, Einrichtungsgegenstände, Restaurantbesuche) durch die erste Hälfte der Erasmus-Förderung und die 200 € vom DAAD gut aufgefangen werden konnten, hätte ich das Geld nun gegen Ende für meinen Seelenfrieden gut gebrauchen können. In Summe bin ich aber echt dankbar für die finanzielle Unterstützung meines Erasmus-Aufenthalts, da ca. 800 € netto mit meiner Freiberuflichkeit zu verdienen bedeuten würde, dass ich mindestens 1920 € Umsatz machen müsste, was ca. einer Woche intensiver Arbeit entspricht. Das würde dann aber wiederum bedeuten viel weniger Zeit für das Studium zu haben. Das konnte ich mir nicht leisten. Daher: Auch wenn die Förderungen nicht mehr ein ganzes Studentenleben finanzieren, ist es zumindest so, dass die Kosten für Wohnung und Essen in meinem Fall schon mal grob gedeckt waren und mir zeitliche Kapazitäten zum Studieren geschaffen haben.

Freundschaften

Im Unterschied zu München oder meinem ersten Erasmus habe ich in Wien keine neuen Freundschaften im engeren Sinne geschlossen. Mit einigen Leuten verstand ich mich so gut, dass wir uns regelmäßig auf einen Kaffee oder zum Mittagessen trafen. Mit anderen machte es Spaß, Gruppenreferate vorzubereiten – doch darüber hinaus entwickelte sich wenig. Da ich wegen der „fehlenden“ Sprachbarriere keinen Sprachkurs vor Semesterbeginn besuchte, hatte ich auch kaum Kontakt zu anderen Erasmus-Studierenden. In Paris hingegen entstanden damals die Hälfte meiner Freundschaften genau dort.

All das war für mich aber nicht wirklich tragisch. Ich war nicht nach Wien gekommen, um viele neue Freundschaften zu schließen, sondern vor allem, um bestehende zu vertiefen. Und genau das konnte ich auch.

Die größte Überraschung war, dass mein in Berlin lebender Patenonkel zufällig zeitgleich am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) forschte. Wir trafen uns regelmäßig zum Mittagessen oder Kaffee, gingen gemeinsam in Museen und führten lange Gespräche über Kunst, Kultur und Wissenschaft. Da er nicht nur Physiker, sondern auch Philosoph ist, konnte ich ihn auch zu studienbezogenen Fragen um Rat bitten. Besonders bedeutsam war das für mich, weil mir vier Jahre nach dem unerwarteten Tod meines Vaters eine nahestehende Vaterfigur in dieser Auslandserfahrung unglaublich gut tat. Ich hatte jemanden, mit dem ich meine Hürden und Erfolge regelmäßig teilen konnte. Durch die Besuche bei ihm durfte ich auch zweimal auf das Dach des Instituts, ein seltener Anblick über Wien:

Lektionen fürs Leben & die Zukunft

War Wien, wie ich es erwartet habe? Ja und nein.

Ich weiß nun, dass ich hier ein zweites Zuhause habe. Das ist schön und bedeutet mir viel.

Gleichzeitig war es anstrengender als ich dachte: Ich hatte zu viele parallele Projekte, die mich überfordert haben. Dabei habe ich gelernt, wo meine Grenzen liegen. Vor allem in den Phasen, in denen ich mich auf ein einziges Projekt konzentrieren konnte, habe ich gemerkt, wie gut meine Arbeit und auch mein Alltag ohne Stress funktionieren. Trotz der Belastung bin ich stolz, alles geschafft zu haben, was ich mir vorgenommen hatte.

Der wichtigste berufliche Aha-Moment: Eine rein akademische Laufbahn wäre nichts für mich. 90 bis 95 Prozent der Zeit allein lesend und schreibend zu verbringen – das ist zu viel. Ich liebe es, mich intellektuell, philosophisch und akademisch weiterzubilden, und auch dem Schreibstil kann ich mehr abgewinnen als viele andere. Aber ich suche einen Weg, bei dem 30 bis 40 Prozent meiner Arbeit am Laptop stattfinden und 30 bis 50 Prozent im echten Austausch mit Menschen. In der Forschung, vor allem in der Philosophie, wird genau dieser Austausch jedoch immer seltener. Gespräche sind für mich der stärkste Lernmotor. Natürlich kann man sie sich im Uni-Kontext proaktiv suchen, aber die Strukturen sind nicht darauf ausgelegt, sie in dem Ausmaß zu ermöglichen, wie ich es mir wünsche. Wahrscheinlicher ist, dass ich vor mich hin grüble, lese und schreibe – ein Weg, der letztlich im akademischen Elfenbeinturm enden kann. Das ist für mich ein Risiko, das ich nicht eingehen möchte.

Wie ich nach Hause gehe.

Mit Klarheit, Fokus und dem Gefühl eines zweiten Zuhauses kehre ich nach München zurück. Dort beginnt mein letztes Master-Semester, und ich kann es kaum erwarten, das Studium endlich abzuschließen. Gleichzeitig verspüre ich aber auch eine gewisse Schwermut beim Abschied von Wien. Nach rund sechs Monaten habe ich das Gefühl, mich gerade erst richtig eingelebt zu haben, und erst jetzt würde die eigentliche Entdeckung der Stadt beginnen. Besonders meine Freunde hier werde ich vermissen. Erleichtert bin ich allerdings, endlich meinem 40 Grad heißen „Kochtopf“ namens Studentenwohnheim entkommen zu sein. München wird wohl so sein wie immer – abgesehen von ein paar neuen Café-Filialen und höheren Mietpreisen hat sich dort kaum etwas verändert.

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