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Ostern mal ganz anders – die Semana Santa in Andalusien

Ostern mal ganz anders – die Semana Santa in Andalusien


Endlich ist sie da: die freie Woche, auf die wir uns schon seit zwei Monaten freuen! Nach einer stressigen Unizeit freue ich mich nun umso mehr über die kleine Verschnaufpause. Doch diese Woche ist in Jerez de la Frontera viel mehr als nur eine Urlaubswoche: Es ist Semana Santa, eine der wohl wichtigsten spanischen Traditionen. Hier in Andalusien wird sie besonders ausgiebig gefeiert. Da ich mir vorgenommen habe, die andalusische Kultur hautnah zu erleben, konnte ich mir das Spektakel nicht entgehen lassen.

Während der Semana Santa befindet sich ganz Andalusien im Ausnahmezustand. Bereits bei der offiziellen Begrüßung der ERASMUS-Studierenden wurde uns das Event angepriesen und man riet uns, auf keinen Fall nach Haus zu reisen, um es nicht zu verpassen. Schon Wochen vorher bereiten sich die Einwohner:innen vor. Zuschauertribünen werden auf den Straßen platziert und die sogenannten Pasos (Festwagen, die prunkvoll geschmückt sind) werden vorbereitet. Man merkt also: den Spanier:innen liegt diese Tradition sehr am Herzen und das Osterfest scheint hier eine weitaus größere Bedeutung als in Deutschland zu haben.

So läuft die Semana Santa ab

Die Semana Santa ist in Spanien nicht nur ein Fest, sondern eine ganze Festwoche, denn sie wird die ganze Karwoche über gefeiert. Den Auftakt macht der sogenannte Domingo de Ramos (Palmsonntag), das Ende stellt der Domingo de Resurrección (Ostersonntag) dar. Es werden viele Konzerte, Theatervorführungen und kulturelle oder religiöse Veranstaltungen angeboten. Die meisten Städte haben ein ganzes Programm ausgearbeitet, das man auf der Homepage finden kann. Hier ist beispielsweise das von Jerez de la Frontera.

Das Herzstück der Feierlichkeiten sind jedoch die zahlreichen Prozessionen, die meistens nachmittags und nachts stattfinden. Dabei werden die detailreichen verzierten Pasos von 35 bis 50 starken Männern durch die ganze Stadt getragen und von Orchestern und Trommlern begleitet. Ein Hingucker sind auf jeden Fall die sogenannten Nazarenos (Kapuzenmänner), die das Stadtbild prägen. Sie tragen lange Gewänder und hohe, spitze Hauben. Zuerst war ich geschockt, da ihre Verkleidung Ähnlichkeit mit der des Ku-Klux-Klan hat. Mit diesem hat das Ganze aber wirklich nichts zu tun, denn sie gehören zu einer der vielen Bruderschaften, die es in Spanien gibt.

Viel mehr als nur Schokoladeneier und Osterhase – der Hintergrund der Feierlichkeiten

Doch was wird in der Semana Santa eigentlich gefeiert? Die Spanier:innen gedenken in dieser Woche den Leidensweg, den Tod und die Auferstehung von Jesus. In vielen Ländern scheint der eigentliche Sinn des Osterfests manchmal in den Hintergrund gerückt – in Spanien hingegen ist dieser noch sehr präsent. Deswegen herrscht bei den Prozessionen auch eine sehr bewegende Atmosphäre. Die Trommeln, die düsteren Kostüme und die vielen Blumen ergreifen das Publikum sofort. Um den Leidensweg Christi zu symbolisieren haben einige Teilnehmer:innen deswegen keine Schuhe während der Prozession an, trommeln sich die Hände wund und singen inbrünstigen Klagegesang.

Ihr merkt schon: Selbst wenn man also nicht religiös ist, sollte man die Semana Santa einmal miterlebt haben. Es ist wirklich einzigartig! Die Feierlichkeiten in Sevilla sind übrigens besonders berühmt.

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