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Verletzt im Ausland – Was jetzt?

Verletzt im Ausland – Was jetzt?


Im Auslandssemester stehen neben den Vorlesungen vor allem die schönen Dinge des Lebens auf dem Plan, mal einen neuen Sport ausprobieren, viel Reisen und neue Leute kennenlernen. Ein Unfall oder wie in meinem Fall eine Knieverletzung kann vielen Plänen aber einen Strich durch die Rechnung machen. Wie die Zeit im Ausland trotzdem unvergesslich wird (im positiven Sinn) und wie im Ernstfall das beste daraus gemacht werden kann, erzähle ich euch jetzt.

Zweiter Vorlesungstag: Über das Sportangebot meiner Gastuni, dem Tec de Monterrey, besuche ich einen Fußballkurs, auf den ich mich schon besonders gefreut habe. In den letzten Minuten des Abschlussspiels bleibe ich bei einem Richtungswechsel jedoch im Rasen hängen und falle seitlich auf mein Knie. Was harmlos wirkte, sollte sich später als ein verletzter Meniskus herausstellen.

Ein Fußballplatz
Auf dem Campus in Querétaro gibt es zahlreiche Sportanlagen auf denen verschiedene Kurse angeboten werden.

Erstmal abwarten?

Nach einer Verletzung beim Sport oder im Alltag sollte ohne Scheu ein Arzt aufgesucht werden. Die Barriere, dies zu tun, ist in einem Land aber zugegeben sehr groß und auch ich wollte einen Arztbesuch möglichst vermeiden. Als ich nach zwei Tagen jedoch merkte, dass mit meinem Knie ernsthaft etwas falsch ist, besuchte ich den Campusarzt des TEC. Manche Unis haben kleine Praxen auf dem Campus, weshalb ich empfehlen kann, sich nach einer Verletzung auf dem Campus erst mal dort zu melden. Mir wurden dort zwei Medikamente verschrieben, die ich mir kaufen sollte und ich bekam einen Termin bei einer Physiotherapeutin der Uni, um mein Knie mal genauer abzuchecken. Bis dahin wurde auch nicht ein Mal nach meiner Versicherung gefragt.

Eine Arztpraxis
Im Gebäude der Sporthalle befindet sich eine kleine Praxis.

Wenn es nicht besser wird, ab zum Arzt bzw. Spezialisten

In der Campuspraxis wurde mir gesagt, dass mein Knie nur angeschwollen ist und keine schwere Verletzung vorliegt. Nach einigen Wochen Schonung hatte ich kaum Beschwerden mehr und war wieder auf Wanderungen und Ausflügen am Start. Dadurch ging es jedoch wieder schnell bergab mit dem Knie und ich beschloss über meine Auslandsversicherung einen Termin in einem Krankenhaus zu vereinbaren, von wo aus ich zu einem Kniespezialisten überwiesen wurde.

Brauche ich eine OP?

Die Diagnose vom Kniespezialisten: Mein Meniskus ist wahrscheinlich gerissen und eine OP ist nicht ausgeschlossen. Nach zweieinhalb Wochen und einem MRT gab es jedoch die Entwarnung – der Meniskus ist verletzt, kann jedoch von allein heilen. Ich sollet bis zum nächsten Termin in sechs Wochen (also bis zum Ende des Semesters) Übungen zur Stärkung des Knies machen, Medikamente nehmen und weiterhin auf Sport verzichten.

Trotz der Einschränkungen war ich froh, nun Klarheit zu haben und eine OP vermeiden zu können. Die hätte ich ggf. sogar hier durchführen lassen, da ich hier im Gegensatz zu Deutschland privat versichert bin und das Krankenhaus einen echt guten Eindruck gemacht hat. Diese Entscheidung muss jedoch jeder für sich selbst erörtern, vor allem für kleinere Eingriffe oder Notfälle könnt ihr euch aber denke ich in Ruhe hier behandeln lassen.

Weiter durchs Auslandssemester humpeln

Durch die Ungewissheit, was denn jetzt mit meinem Knie los ist, waren meine Freizeitaktivitäten besonders in den ersten Monaten etwas eingeschränkt und ich habe mir natürlich Sorgen gemacht. Ich konnte normal laufen, aber das war es schon, beim Treppensteigen habe ich die Schwellung im Knie immer gespürt. Daran das Auslandssemester abzubrechen, hatte ich zunächst jedoch nicht gedacht, da die Verletzung bis zum Besuch beim Kniespezialisten als harmlos eingestuft wurde.

Da ich momentan auch keinen besonderen Eingriff brauche, sondern mich einfach schonen muss, gibt es zumindest körperlich keinen Grund, das Semester abzubrechen. Zudem habe ich das Glück, hier wirklich nette Freund:innen kennengelernt zu haben, die bei Reisen und Ausflügen immer viel Rücksicht auf mein Handicap genommen haben.

Ein Mann bei einer Wanderung
Dank Physiotherapie und Kniebandage kann ich mittlerweile wieder schmerzfrei das Land erkunden.

„Et kütt wie et kütt“

Dieses Kölsche Sprichwort gilt auch im Auslandssemester. Ihr könnt euch jetzt schon sicher sein, dass euer Auslandssemester viele Überraschungen mit sich bringen wird, die meisten hoffentlich positiv. Von den anderen Austauschstudierenden hier sind schon einige im Krankenhaus gewesen: Einer ist durch eine Glastür gerannt und hatte Schnittwunden in der Hand, einer hatte sich mit Hepatitis A angesteckt (denkt daran, euch impfen zu lassen) und natürlich hatten viele Corona. Letztendlich sind aber alle hiergeblieben und waren nach kurzer Zeit wieder fit. Außerdem muss bedacht werden, dass das Risiko, sich zu verletzen/anzustecken in Deutschland grundsätzlich genauso groß ist.

Ich kann euch empfehlen bei neuen Sportarten oder wenn ihr gerade nicht so fit seid, alles etwas langsamer und entspannter anzugehen. Falls ihr euch verletzen solltet, ist die besondere Herausforderung das neue Umfeld, weshalb es umso wichtiger ist beim International Office um Hilfe zu bitten, sich bei Bedarf bei der Seelsorge der Uni zu melden und vor allem so früh zum Arzt zu gehen wie möglich, auch wenn die Hemmschwelle groß ist.

Letztendlich hilft es auch, sich mit anderen Studierenden auszutauschen, denn auch wenn es den Leuten nicht anzusehen ist, haben viele auch im Ausland mit persönlichen Herausforderungen zu tun.

Ein Boost für mein Spanisch

Auch wenn ich wegen meines Knies einige Dinge verpasst habe, hatte die Verletzung auch ihre positiven Seiten. Durch die Gespräche mit der Versicherung habe ich mein Spanisch deutlich verbessert und mir selbst bewiesen, dass ich mich in vielen Situationen verständigen kann. Mein medizinisches Vokabular im Bereich des Knies hat einen unerwarteten Schub erhalten und ich habe durch die Schonung des Knies mehr Zeit meiner Gitarre widmen können.

Jetzt freue auf eine baldige Regeneration meines Knies und darauf, wieder Sport machen zu können. Ich wünsche euch ein verletzungsfreies Auslandssemester – und selbst wenn etwas passieren sollte, bittet im neuen Umfeld um Hilfe und traut euch das Gesundheitssystem eures Gastlandes kennenzulernen. 🙂

Bei Fragen könnt ihr euch wie immer gerne über Instagram oder hier in den Kommentaren melden.

LG Roman

Kommentare
  1. Britney

    10. Juni 2022

    Hey, Roman!
    Ich muss mir auch die Versicherung zulegen, kannst du mir sagen, ob man die Premium-Variante braucht oder die normale? Und hast du dir zusätzlich irgendeine Versicherung besorgt, weil irgendwas nicht abgedeckt war? Ich finde leider nur ein PDF auf Spanisch, wo ich mich durchbeißen muss, um alles zu verstehen…

    Hast du sonst noch Infos zum Ablauf mit der Versicherung?

    1. Roman

      11. Juni 2022

      Hallo Britney,
      Ich habe die billigere Variante genommen, die sich „Premium“ nennt und für mich auf jeden Fall gereicht hat. Die teurere nennt sich „Centauri“ und unterscheidet sich in der Höhe der maximal geleisteten Versicherungssumme. „Premium“ deckt aber auch bereits recht hohe Summen ab. Die Seite auf der man die Sura-Versicherung abschließt wirkt etwas unseriös, lass dich davon aber nicht abschrecken. Letztendlich ist Sura nur ein Vermittler bzw. eine Art Zwischeninstanz, letztendlich wirst du über die Allianz Versicherung versichert sein und im Krankheitsfall auch mit denen in Kontakt sein. Ich habe für Terminvereinbarungen etc. auch immer mit Personal der Allianz Versicherung geredet (auf Spanisch, aber das International Office vom Tec hilft dir zur Not dabei).
      Eine weitere Versicherung habe ich nicht abgeschlossen und ich bin mit der Pflichtversicherung letztendlich auch recht zufrieden, würde die „Premium“ Variante nochmal wählen. Ich empfehle dir außerdem den Zeitraum der Versicherung so zu wählen, dass du evtl. bei Ankunft vor Semesterbeginn bzw. für Reisen nach dem Semesterende noch versichert bist.
      Wenn du weitere Details zur Sura Versicherung brauchst kannst du denen auch eine Mail auf Englisch schreiben und nach Details fragen, die E-Mail Adresse ist unten auf deren Website.
      Bei weiteren Fragen kannst du dich auch gern nochmal bei mir melden.
      Viele Grüße und ein schönes Auslandssemester 🙂
      Roman

    2. Britney

      12. Juni 2022

      Hey, Roman!
      Die Antwort kam ja superschnell und ausführlich, vielen Dank dir und noch viel Spaß weiterhin! Wunder dich nicht wenn noch weitere Fragen kommen 🙂

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