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Was kommt, was geht und was bleibt

Was kommt, was geht und was bleibt

Drei Monate sind vergangen, seitdem ich wieder zurück in Deutschland bin: zurück in demselben Alltag, zurück bei denselben Menschen. Es fühlt sich an, als wäre ich gar nicht weg gewesen, als wäre meine Japanreise nur ein lebhafter Traum, der nun mit der Zeit vergeht. Doch was diesen Traum von anderen unterscheidet, sind Momente meiner Ewigkeit.

Eine weiße Blüte hinter blauem Himmel
Die weiße Blüte eines japanischen Pflaumenbaums (Ume).

ichi|go|ichi|e     一|期|一|会

Die Redewendung 一期一会 („eine Zeit, ein Treffen“) stammt aus der japanischen Teezeremonie und erinnert die Teilnehmer daran, dass jede Zeremonie einmalig ist, auch wenn der Ablauf gleich bleibt. Denselben Moment wird es nie ein zweites Mal geben. Schließlich ändert sich die Zeit fortdauernd.

Wie schnell die Zeit vergeht, lässt sich durch unsere Wahrnehmung beeinflussen. Während in Deutschland meine Tage monoton verlaufen mit Essen, Examensvorbereitung und schlafen, fühlt sich die Woche im Nachhinein so an, als wäre sie besonders schnell vergangen. Einzelne Tage lassen sich nur schwer voneinander unterscheiden. Es ist ja auch nichts passiert, woran man sich erinnern könnte. Deshalb erscheint die Zeitspanne im Rückblick kürzer.

In Japan hatte ich dagegen ein ganz neues Zeitgefühl. Ich war umgeben von unbekannten Düften, Gerichten und Landschaften. Jeden Tag wollte ich was Neues entdecken: eine neue Nachbarstraße erkunden, eine neue Süßigkeit ausprobieren. Schließlich können wir uns am besten an die vielen ersten Male erinnern: z. B. an mein erstes Gespräch auf Japanisch oder meinen ersten Nachtspaziergang nach Hause. Es sind solche Momente, die dem Fluss der Zeit entgehen. Es sind Momente, die für immer sind, aber nie wieder kommen.

Mutter und Kind werfen Sterne in einen türkisen Fluss.
Frühlingswanderung

Shiawase|wa|koko|ni|aru     幸せ||ここ||

Wenn ich mich an meinen ersten Morgen in Japan erinnere, dann sehe ich nicht nur die Bilder dieses Augenblickes: als ich auf dieser Bank saß, den Gärtner*Innen bei ihrer morgendlichen Sportroutine zusah und mein Onigiri-Reiskuchen aß. Vielmehr erinnere ich mich an das derzeitige Gefühl, was mich in diesem Moment erfüllt hat: die Aufregung vor dem Beginn meines neuen Abenteuers, dem Auslandsstudium.

Je ferner die Vergangenheit rückt, desto verschwommener werden diese Bilder. Dennoch bleibt mir das Gefühl, besonders in Momenten des Glücklichseins. Deshalb denke ich, dass unabhängig davon, wo und wann wir sind, Glück immer da ist幸せここ.

Blick durch das Fenster in ein Teehaus.
Matcha Teehaus

Ie|wa|kanjiru|mono     ||感じる|もの

Ich betrachte das Zuhause nicht als einen Ort, an dem ich aufgewachsen bin oder die längste Zeit meines Lebens verbracht habe. Zuhause wird für mich weder mittels Zeit noch Ort definiert. Vielmehr ist mein Verständnis von Zuhause von Gefühlen geleitet: von dem Gefühl der Zugehörigkeit, wenn ich im Hier und Jetzt bin, und von dem Gefühl der Nostalgie.

Bereits wenige Zeit nach meiner Heimreise hatte ich den Wunsch, nach Japan zurückzukehren. Ich war überrascht. Schließlich hatte ich mich darauf gefreut, wieder zuhause zu sein. Wie kann ich nun Nagoya vermissen, nachdem ich dort nur wenige Monate verbracht habe? Der Grund ist vielleicht, weil ich mich auch in Nagoya zuhause gefühlt habe und deshalb dort zuhause bin. Denn Zuhause ist ein Gefühl家は感るもの.

Ich balanicere auf einem Fuß und bin kurz davor, zu fallen.
Bis bald!

Mata|atode|ne     また|後で|ね

Nun heißt es, mich von diesem Blog zu verabschieden. Vielen Dank an diejenigen, die mich auf meiner Japanreise begleitet haben. Hoffentlich konnte ich euch Momente aus meinem Studium und Alltagsleben geben, die euch selbst zu eurem Japanabenteuer inspirieren. Bis bald – また後でね.

 

Kommentare
  1. Tina

    17. Juni 2020

    👏👏👏 – Mega schöner Beitrag! Und denk immer daran: Neue Süßigkeiten kann man auch zuhause immer probieren 🙂

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