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Wohnheim, Goshiwon oder doch lieber WG?

Wohnheim, Goshiwon oder doch lieber WG?

Du hast die Zusage für deinen Studienplatz in Seoul in der Tasche? Congrats! Dann gilt es als nächstes, ein neues Zuhause in der Ferne zu finden. Wie du das am besten anstellst und welche unterschiedlichen Möglichkeiten dich in Seoul erwarten, erfährst du in diesem Beitrag.

Ausblick von der Dachterrasse der Wohnung der Correspondentin in Seoul
Unsere Terrasse über den Dächern von Seoul – ich freue mich schon auf nicht endende Sommernächte hier oben.

Die vier gängigsten Unterkünfte während des Auslandssemesters in Seoul sind folgende:

  • Dormitory im Studentenwohnheim deiner Uni
  • Zimmer in einem privaten Studentenwohnheim
  • Goshiwon
  • WG-Zimmer

Was die richtige Unterkunft für dich ist, hängt ganz davon ab, worauf du Wert legst. Ist es dir wichtig, möglichst wenig Miete zu zahlen? Priorisierst du eher eine gute Lage? Oder wünscht du dir eine möglichst authentische Experience und möchtest daher mit Locals zusammenleben?

Kleiner Spoiler: Meiner Erfahrung nach lässt sich sogar all das vereinen…aber dazu später mehr.

Option 1: Studentenwohnheim deiner Uni

Wenn dir eine geringe Miete am wichtigsten ist, dann ist das Dormitory im Studentenwohnheim deiner Uni vermutlich die beste Wahl für dich. Meine Uni in Seoul, die Kookmin University (KMU), hat drei verschiedene Wohnheime in der Stadt – eines On- sowie zwei Off-Campus. Die Miete ist mit ca. 700 Euro für das gesamte Semester ein ziemlich guter Deal. Außerdem ist mit dieser Unterkunft der geringste Aufwand verbunden, da du den Platz im Wohnheim in der Regel direkt von deiner Uni vermittelt bekommst.

Mir persönlich war jedoch direkt klar, dass solch ein Dorm für mich nicht infrage kommt. Warum? Kurz gefasst: viel zu strenge Regeln, zu wenig Privatsphäre und die ungünstige Lage.

Strenge Regeln

Viele Studentenwohnheime in Seoul verfügen über eine Ausgangssperre, im Falle der KMU liegt diese bei ein Uhr morgens. Das finde ich persönlich etwas fragwürdig – schließlich bin ich nicht mehr 15 Jahre alt und möchte auch im Ausland weiterhin vollkommen unabhängig und spontan sein. Wenn das bedeutet, auch mal die Nacht zum Tag zu machen und erst um sechs Uhr morgens aus dem Club nach Hause zu stiefeln, dann möchte ich dafür nicht bestraft werden beziehungsweise nicht noch eine Stunde vor der Tür warten müssen, bevor ich wieder reinkomme. So wie es aussieht stehen die Chancen jedoch gut, dass die Ausgangssperren in Zukunft abgeschafft werden, wenn die Studenten dafür stimmen.

Doch die Ausgangssperre ist nicht die einzige Reglementierung. Zudem werden unangekündigte Zimmerkontrollen gemacht, bei denen geprüft wird, ob man aufgeräumt sowie keinen Besuch und Alkohol auf dem Zimmer hat. All das ist im Dorm nicht erlaubt. Für mich ein absolutes No-Go! Zudem erhält man für alle Verstöße Strafpunkte und sobald man eine bestimmte Anzahl erreicht hat, droht der Rauswurf.

Wenig Privatsphäre

Ein weiteres Argument, das für mich persönlich gegen das Dorm gesprochen hat, war die Vorstellung, auf engstem Raum mit drei anderen international Students zusammenzuwohnen. Ich bin zwar ein absoluter Fan vom gemeinsamen Zusammenleben mit anderen, allerdings brauche ich meinen eigenen Rückzugsort. Schon die Vorstellung, nicht einfach mal die Tür schließen zu können und nur für mich zu sein, hat mich gestresst.

Ungünstige Lage

Zuletzt hat mich auch die Lage der Wohnheime nicht überzeugt. Mir persönlich ist es wichtig, dass ich aus meinem Zuhause „direkt ins Leben stolpern kann“ – sprich in unmittelbarer Nähe Cafés, Bars, Läden, Restaurants etc. vorfinde. Gerade in einer so riesigen Stadt wie Seoul ist die Lage der Unterkunft meiner Meinung nach ganz schön entscheidend dafür, was für eine Erfahrung man macht. Ich bin sehr unternehmungslustig, von daher wäre es für mich der pure Horror, so weit draußen zu wohnen, dass ich immer 30 bis 45 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren muss, um in einem lebhaften Viertel zu sein.

Dafür nehme ich auch gerne einen weiteren Weg zum Campus in Kauf. Das kann natürlich im Fall deiner Uni in Seoul anders sein, wenn das Wohnheim beziehungsweise der Campus besser gelegen ist.

Option 2: Privates Studentenwohnheim

Neben den Studentenwohnheimen der Unis gibt es in Seoul zahlreiche private Wohnheime, wie z.B. StayForU, Stay Felix oder 42 share.

Im Vergleich zur Option 1 ist hier der Vorteil, dass es sich meist nicht um Vierer-Dorms handelt, sondern vor allem um Doppel- und Einzelzimmer. Oftmals verfügen diese Wohnheime über einen gemeinsamen Koch- und Wohnbereich –  hier kannst du auch ganz easy andere Studenten kennenlernen, selbst wenn du in einem Einzelzimmer wohnst.

Dafür liegen die Kosten deutlich höher als im Studentenwohnheim der Unis – meist beläuft sich die Miete auf ca. 450 bis 650 Euro pro Monat. Außerdem verlangen die meisten Anbieter eine Kaution, die bei etwa 350 bis 450 Euro liegt. Dafür sind allerdings in den meisten Fällen auch besondere Services integriert, wie beispielsweise eine wöchentliche Reinigung oder kostenloses Frühstück.

Option 3: Goshiwon

Goshi..was?! Goshiwon bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „Lern- oder Studierzimmer“, was übrigens schon auf die extreme Disziplin der koreanischen Studenten schließen lässt.

Bei Goshiwons handelt es sich um sehr kleine (meist ca. acht qm), dafür allerdings auch ziemlich günstige Einzelzimmer in einem Haus mit weiteren Goshiwons. Die Zimmer sind meist nur so groß, dass gerade ein Einzelbett und ein Schreibtisch hineinpassen. Der Rest der Einrichtung ist sehr smart und platzsparend verbaut. Zum Teil hat man hier sein eigenes kleines Bad, zum Teil liegt dies auf dem Flur des Hauses und man teilt es sich mit den anderen Bewohnern. Dieses Video hilft, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es in einem Goshiwon aussieht.

Auch wenn man hier auf engstem Raum lebt, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis meiner Meinung nach ziemlich gut, denn oftmals befinden sich die Goshiwons in sehr guten Lagen – wo man ansonsten deutlich mehr für ein Einzelzimmer in einem Wohnheim oder in einer WG zahlt. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, hier koreanische Studenten kennenzulernen, sehr hoch. Der Anteil an westlichen Studenten in solchen Unterkünften soll verhältnismäßig gering sein.
Ein weiterer Vorteil sind die flexiblen Mietzeiträume – so kann man sich ein Goshiwon auch nur für ein paar Tage mieten. Das kann zum Beispiel hilfreich sein, wenn du schon in Seoul vor Ort sein möchtest, um WG-Zimmer zu besichtigen.

Mit etwas Glück findet man Goshiwons bereits ab ca. 250 Euro Miete pro Monat beziehungsweise 8 Euro pro Tag.

Fündig werden kannst du über verschiedene Websites, wie Goshipages oder Goshitel.

Option 4: WG-Zimmer

Möglicherweise kannst du es dir schon denken, dass dies die Unterkunft meiner Wahl ist. Ich hoffe, ich habe bisher nicht zu voreingenommen über die anderen drei Optionen berichtet – vergiss‘ bitte nicht, dass es sich um meine subjektive Wahrnehmung handelt.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, in einer WG zu leben, waren für mich vor allem folgende Argumente: die hohe Unabhängigkeit, die Möglichkeit des Zusammenlebens mit Locals, die traumhafte Lage und die niedrige Miete (zwar nicht so niedrig wie für ein Goshiwon oder Dormitory, jedoch im Vergleich zu deutschen Verhältnissen immer noch ein richtig guter Deal).

Unabhängig sein

Für mich ist ein WG-Zimmer die „erwachsenste“ Option, in Seoul unterzukommen. Grund hierfür ist schlichtweg, dass man komplett unabhängig lebt. Genauso, wie man es auch aus einer deutschen WG kennt. Niemand wird für dich putzen oder einkaufen gehen, dafür kannst du hier aber auch tun und lassen, was du möchtest und du hast die optimale Kombination aus Interaktion und Privatsphäre.

Mit Locals zusammenleben

Dabei ist natürlich entscheidend, mit wem du zusammenlebst. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich meine beiden Mitbewohner schon jetzt ins Herz geschlossen habe und wir gut harmonieren. Ich wohne mit einem koreanischen Sport-Studenten und einer Südafrikanerin, die bereits seit zwei Jahren als Lehrerin in Seoul arbeitet, zusammen.

Bis dato habe ich es keinen Moment bereut, nicht mit anderen international Students zusammenzuwohnen. Vielmehr ist es durch und durch eine Bereicherung. Über meine Mitbewohner habe ich bereits viele andere Locals kennengelernt, erfahre täglich mehr über die koreanische Kultur und bekomme hilfreiche Insights für das Leben hier in Seoul – das wäre in einem Studentenwohnheim wahrscheinlich nicht unbedingt der Fall, da ich hier vermutlich den Großteil meiner Zeit mit anderen Internationals verbringen würde. Das kann natürlich auch Spaß bringen und hat den Vorteil, dass man mit Menschen zusammenlebt, die sich in genau der gleichen Situation wie man selbst befindet, ist mit Sicherheit jedoch eine ganz andere Erfahrung.

Traumhafte Lage

Unsere WG liegt sehr zentral zwischen Itaewon, Haebangchon und Hannamdong. Entsprechend sind viele coole Cafés, Bars, Restaurants und Clubs nur einen Katzensprung entfernt. Convenience Stores und Supermärkte gibt es ebenfalls in nächster Umgebung. Auch was Sport und die Naherholung angeht, ist die Lage der reinste Jackpot: In den Namsan Park brauche ich zu Fuß nur fünf Minuten – hier gibt es sehr schöne Joggingstrecken und die wohl beste Aussicht über das nächtliche Seoul. Und auch, um den Rest der Stadt zu erkunden, ist die Lage optimal.

Kommen wir zu den Fakten

Ich zahle für mein Zimmer mit ca. 12 qm monatlich umgerechnet 350 Euro Miete plus ca. 35 Euro Nebenkosten. Letztere variieren von Monat zu Monat leicht und werden vermutlich Richtung Sommer noch weniger, da wir dann weniger heizen müssen.

Was die Kaution angeht, habe ich einen Glücksgriff gelandet, da mein Mitbewohner lediglich die letzte Monatsmiete im voraus gezahlt haben wollte. Normalerweise sind Kautionen um die 500 Euro für ein WG-Zimmer hier in Seoul gängig.

Doch wie findet man überhaupt ein WG-Zimmer in Seoul?

Ich bin über die Facebook-Gruppe „Housing in Seoul“ fündig geworden – hier werden täglich zahlreiche neue Angebote gepostet und du kannst mit nur einem Klick Kontakt zu den Vermietern aufnehmen. Netter Nebeneffekt: Über das Facebook-Profil kannst du dir außerdem schon einen ersten Eindruck machen, wie dein potenzieller neuer Mitbewohner wohl so drauf ist. In meinem Fall war es so, dass wir erst miteinander geschrieben und dann einen Termin zum Facetimen ausgemacht haben. Natürlich ist es etwas komisch, sich gegenseitig und auch die Wohnung nicht „live“ zu sehen – jedoch war es mir wichtiger, das Zimmer schon sicher zu haben bevor ich in Seoul ankomme.  Zwei Tage nachdem wir gefacetimed haben, hatte ich dann die Zusage für das Zimmer und wir haben den Mietvertrag aufgesetzt. Das war übrigens vier Wochen vor meiner Anreise – für deutsche Verhältnisse ein relativ kurzer Vorlauf, jedoch in Seoul total normal, wenn nicht sogar ganz schön vorausschauend. Der Wohnungsmarkt ist hier recht spontan, oftmals werden auch Zimmer angeboten, die ab sofort frei sind. Wenn du das Ganze also lieber etwas spontaner angehen möchtest, ist das auch möglich.

Abgesehen von der Facebook-Gruppe, eignet sich auch das Portal Craigslist für die Zimmersuche. Ich finde es persönlich allerdings etwas unübersichtlich und die Kontaktaufnahme zu den Vermietern lange nicht so komfortabel wie über Facebook.

Ich hoffe der Beitrag hilft dir bei deiner Suche nach einer Unterkunft in Seoul. Falls du noch Fragen hast, nutze gerne die Kommentarfunktion. Ansonsten kannst Du mich auch jederzeit via Instagram oder Twitter kontaktieren.

Hier noch einmal alle hilfreichen Links für dich zusammengefasst:

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