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Ankommen in Costa Rica in 5 Schritten

Ankommen in Costa Rica in 5 Schritten

Begleitet mich durch meine erste Woche in der Millionenstadt in den Bergen Costa Ricas. Ich lerne, was man beim Herumlaufen unbedingt vermeiden sollte, wo man am besten frisches Obst und Gemüse kauft und was es beim SIM-Karten-Kauf für Tücken gibt.

Vor dem Vergnügen (mein Auslandssemester in Costa Rica) kommt meist erst mal der unangenehmere Teil – bei mir in Form eines 12-stündigen Interkontinentalfluges. Yeah! Am Dienstag, den 24.08.2021 ging es für mich los, von Bonn in NRW startete ich nach San Jose, der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes. Um 8 Uhr morgens gings mit dem Auto los in Richtung Frankfurt, von dort aus sollte um 13.40 mein Flieger starten. Der Plan: 12 Stunden später, um 17.50 Uhr auf dem Juan Santamaria Airport landen – inklusive acht Stunden Zeitverschiebung. Spätestens hier bin ich als Rechenunbegabte schon ausgestiegen. Hauptsache, angekommen! Details klären wir später, jetzt zum spannenden Teil der Sache: Wie überlebe ich die ersten Tage in der fremden Stadt?

Carla steht mit einem grünen Handgepäcksrucksack vor der großen Anzeigetafel des Frankfurter Flughafens.
Ohne das übliche Tourifoto konnte ich nicht in den Flieger steigen!

Schritt 1: Eine Unterkunft – mein neues Zuhause?

Abends in der Stadt angekommen, bestand meine innere Uhr darauf, dass jetzt so langsam Schlafenszeit sei, obwohl es in San Jose grade 19:00 Uhr war. Acht Stunden Zeitverschiebung sind eben kein Pappenstiel. Von mir selbst aus bestand ich aber darauf, noch meine Sachen auszupacken und in den Schrank zu räumen. Danach fiel ich völlig erledigt ins Bett und freute mich darauf, tags drauf meine neuen Mitbewohner*innen kennenzulernen.

Mein Zimmer ist nämlich weder in einem Studentenwohnheim, noch in einer WG und auch nicht in einer Gastfamilie – sondern in einem sogenannten Coliving Space.

Trotzdem ist ein Rückzugsort, an dem ich mich entspannen kann, unglaublich wichtig für mich. Habe ich den nicht, werde ich gestresst und etwas unleidlich. Daher ist es mir umso wichtiger, mir meine 10 m² möglichst wohnlich einzurichten. Ich möchte mich hier so wohl wie möglich fühlen, auch wenn es nur ein Zuhause auf Zeit ist.

 

Schritt 2: Essensbeschaffung, Level 1

Maslow hatte recht mit seiner Bedürfnispyramide, und wer mich kennt, weiß es sowieso: Ohne (regelmäßiges) Essen geht bei mir gar nichts. Daher war meine zweite Priorität, nachdem mein Schlafplatz und mein Dach überm Kopf gesichert war, natürlich mir etwas Essbares zu besorgen. Im Flugzeug wurde mit den Portionen etwas geknausert und Höhenluft macht hungrig oder so? Einer meiner neuen Mitbewohner, Daniel aus Brasilien, gab mir Tipps, welche Supermärkte in der Nähe des Hauses preisleistungsmäßig zu empfehlen sind. Normalerweise achte ich aufs Geld, aber in diesem Moment hat mein Bauch gesiegt. Der allernächste (und leider teuerste) Supermarkt war mein Ziel. Doch selbst dort waren Bananen richtig günstig und zusammen mit ein bisschen Müsli (das aufgrund des Preises sicherlich Blattgold ganz oben auf der Zutatenliste hatte) und halbwegs bezahlbarer Sojamilch ergab das ein ordentliches Frühstück. Sicherlich nicht das authentischste, aber das kommt noch – keine Sorge!

In den Tagen danach habe ich meine innere Liste an empfehlenswerten Supermärkten ständig erweitert – vor allem sogenannte Sodas stiegen extrem in meiner Gunst. Sodas sind kleine, typisch costa-ricanische Imbisse, die häufig einen ähnlichen Charme wie ein amerikanisches Diner versprühen, nur dass das Essen, was serviert ist, wirklich unglaublich frisch, lecker und günstig ist. Einen riesigen Teller Casado (Reis, Bohnen, Fisch, Gemüse und Salsa) gibt es umgerechnet für 3 bis 5 Euro. Besser gehts nicht!

Ein Teller mit Reis, Bohnen, Fisch und Gemüse.
Casado nennt sich dieses typische Gericht, dass es je nach Geschmack auch mit Huhn, Rind oder anderem gibt.

Schritt 3: Kommunikation und Zivilisation

Nachdem nun die Grundbedürfnisse Essen und Unterkunft befriedigt waren, hieß es: Kommunikation sicherstellen, was im Jahr 2021 mobiles Internet bedeutet. An sich ist das in Costa Rica sehr gut und günstig zu bekommen. Es gibt im Land drei große Anbieter, die sich meiner Recherche nach nur marginal unterscheiden. So läuft das Ganze ab:

Vorsicht: Vor dem SIM-Kartenwechsel sollte man seine Messenger-Daten sichern, wenn man z. B. WhatsApp-Chats behalten möchte, empfiehlt es sich, seine Kontakte auf dem Handy zu sichern. Standardmäßig sind sie häufig auf der alten SIM-Karte gespeichert.

Natürlich funktionierte das nicht alles so reibungslos. Die nette Mitarbeiterin hatte mir die falsche Handynummer aufgeschrieben, das erklärte, weshalb ich sie nicht per SMS bestätigen konnte. Aber auch als das geklärt war, konnte ich den halben Tag immer noch nichts senden oder empfangen. Nach einigem geduldigen Aus-und-wieder-An-Schalten ging es dann aber, und ich fühlte mich wieder der Zivilisation zugehörig. Endlich wieder Internet, überall!

Schritt 4: Umgebung erkunden

Nachdem nun auch Google Maps wieder einwandfrei nutzbar war, fühlte ich mich für ausgiebige Erkundungstouren ausreichend ausgestattet. Während ich in den ersten beiden Tagen vor allem die unmittelbare Umgebung kennengelernt habe, inklusive teurem Supermarkt und gesichtsloser Mall, wollte ich jetzt gerne meine Ortskenntnis erweitern. Normalerweise ist man in San Jose viel mit dem Auto, Uber oder Bus unterwegs. Um eine Stadt kennenzulernen, laufe ich aber immer sehr gerne herum, weil man dabei einfach näher an allem dran ist. Bei zwei Ausflügen in die umliegenden Viertel und quer durch die Stadt habe ich sehr schnell folgende Lektionen gelernt:

  1.  Nicht mit dem Handy vor der Nase rumlaufen. Erstens natürlich, weil man ja das schöne Viertel sehen will, indem man grade ist, aber vor allem, weil man aus Sicherheitsgründen immer den Fußweg oder die Straße vor sich im Auge behalten sollte: Zwischen Straßenbelag und Bordstein sind häufig Rinnen der Größe eines kleinen Bachlaufes eingelassen, und große Löcher lauern in regelmäßigen Abständen, da Gullydeckel hier aufgrund des Metallwerts gerne mal geklaut werden.
  2. Es gibt (fast) keine Fußgängerüberwege. Die Devise ist: Verkehr beobachten, beten, loslaufen. Dadurch, dass es nicht viele Fußgänger gibt, ist die entsprechende Infrastruktur in den Wohnvierteln quasi nicht vorhanden, und man muss sich irgendwie zwischen den beiden Grünphasen an der Kreuzung durchmogeln.
  3. Überall ist es so grün! Bäume, Blühpflanzen, Kakteen, alles ist hier in der Stadt zu finden. Wichtig: Nicht anfassen, denn die Chance, dass eine Spinne das Grünzeug genauso schön findet wie du, ist sehr hoch. Also nur fotografieren und bestaunen!

Neben dem reinen Herumschlendern steht natürlich auch noch kulturelles Programm auf dem Plan. Das Museo Nacional de Costa Rica bietet eine schöne Tour durch die Geschichte des mittelamerikanischen Landes. Von präkolumbianischen Zeiten über die gewaltvolle Einnahme des Landes durch die Kolonialmächte, die Befreiung davon und die Unabhängigkeit bis zu den politischen Geschehnissen des letzten Jahrhunderts bekommt man einen guten Überblick vermittelt. In einem ehemaligen Militärgebäude gelegen, lernt man zum Beispiel, dass die indigenen Stämme reichen Handel miteinander betrieben und auch von indianischen Andenkulturen beeinflusst wurden oder das es in Costa Rica seit dem Ende des Bürgerkriegs 1948/49 kein Militär mehr gibt. Die Paraden zum Tag der Unabhängigkeit am 14. August werden zum Beispiel von Schulkindern gestaltet.

Besonders lobenswert ist die konsequente Richtigstellung des eurozentristischen Narrativs einer „friedlichen Entdeckung“ Amerikas durch Kolumbus und Co. Auch immer wieder im Fokus der Ausstellung:  Gebührend werden indigene Perspektiven und wichtige Frauen in der Geschichte vorgestellt.

Das alles ist eingebettet in wunderschöne Gartenanlagen, einmal in Form eines verglasten Schmetterlings-Atriums und einmal auf der Dachterrasse des Gebäudes. Von hier aus hast du einen schönen Blick auf die Stadt.

Noch mehr Stadtgrün gab es bei meinem zweiten Ausflug: Der Parque Sabana, ein großer Erholungspark, in dem auch das große Sportstadion steht und der grade am Wochenende gerne frequentiert wird. Der Weg dahin dauert zu Fuß eine Stunde, und mit den oben erwähnten Regeln im Kopf überlebte ich das Ganze auch halbwegs, nur die Hitze und Sonne setzte mir ziemlich zu. Im Park selbst gibt es einen wirklich wunderschönen See, auf dem im Moment sogar die Wasserpflanzen blühen, und viele Menschen waren unterwegs, sportlich und zur Erholung.

Der Rückweg gestaltete sich insofern als schwierig, da ich eigentlich vorhatte, mit dem Bus zurückzufahren. Das öffentliche Verkehrsmittelnetz ist hier allerdings durchaus launisch. Nach zwanzig vergeblichen Wartens fasste ich mir ein Herz und sprach eine Frau am, die neben mir gewartet hatte. Mit meinem Anfängerspanisch fragte ich: „Perdon, estoy en el lugar correcto para el autobus a San Pedro Mall?“ (Verzeihung, bin ich hier richtig für den Bus zur San Pedro Mall?). Überraschung: Die Frau hatte das gleiche Ziel wie ich. Sie hatte sich aber schon ein Uber gerufen und bot mir an, das Uber zu teilen. Besser ging es ja gar nicht! Busfahren habe ich dadurch natürlich immer noch nicht „geübt“, aber das kommt sicher noch!

Schritt 5: Freunde finden (und Essen, Level 2)

Durch meine Wohnsituation habe ich automatisch viele unterschiedliche Leute um mich herum, die alle aus ganz unterschiedlichen Gründen in San Jose sind: Zum Studieren, zum Arbeiten, manche besuchen Freunde. So kommt man natürlich immer gut ins Gespräch und mit zwei, drei Leuten habe ich auch schon wirklich tiefere Unterhaltungen führen können. Durch die Kontakte der anderen an der UCR (Universidad Costa Rica, die größten Uni des Landes), hatte ich schnell viele Verbindungen. Auch eine kleinere Hausparty und ein Barbeque gab es schon!

Dennoch fällt es mir noch schwer, mich an die neue Situation zu gewöhnen. Alleine zu reisen, damit habe ich kein Problem, das habe ich schließlich schon mal für ein paar Monate in Kambodscha gemacht. Hier aber geht es ja darum, sich für längere Zeit an einem Ort einzuleben, und noch merke ich stark, wie sehr mir gewohnte Routinen und mein Freundeskreis aus der Heimat fehlen. Neue soziale Situationen, in denen ich noch niemanden so wirklich kenne, sind immer eine ziemliche Herausforderung für mich. Ich neige dazu, mich an einer Person, die ich in der kurzen Zeit am besten kennengelernt habe, festzuhalten. Dazu kommt, dass ich generell viel Zeit für mich brauche, um Geschehnisse zu verarbeiten und von einem langen Tag runterzukommen. Daher gab es in den ersten Tagen schon ein paar Momente, wo ich mich sehr fehl am Platz, unwohl oder einfach nur unsicher gefühlt habe.

Trotz all dieser Schwierigkeiten habe ich das Ziel, hier neue Leute kennenzulernen und mit ihnen coole Dinge zu unternehmen. Ich versuche also aktiv, soweit ich es kann, mich aus meiner Komfortzone heraus zu bewegen, denn dafür ist so ein Auslandssemester ja auch da!

Ein erstes richtig schönes Erlebnis war zum Beispiel der Besuch des farmers market in der Nähe mit zwei Mädels aus dem Haus. Gemeinsam mit Anni aus Deutschland und Lina aus Norwegen erkundete ich die viel bessere Möglichkeit, frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Der teure Supermarkt hat dagegen keine Chance! Frisches, leckeres Grünzeug aller Art wurde auf einem großen öffentlichen Platz angeboten. Überraschung: Es stehen sogar Einkaufswagen zur Verfügung. Nach gut zwei Stunden hatte jede von uns fast mehr im Rucksack und in den Taschen, als sie tragen konnte, und als wir unsere Ausbeute in der Küche betrachtet haben, wussten wir nicht so richtig, wie das alles in den Kühlschrank passen sollte. Die gesunde Ernährung für die nächste Woche ist auf jeden Fall gesichert, und wir werden dem Markt von jetzt an wohl jeden Sonntag einen Besuch abstatten.

Alles in allem war das eine Woche prall gefüllt mit neuen Eindrücken, Anfangsschwierigkeiten, aber auch Erfolgen – so darf es gerne weitergehen! Folgt mir auch gerne auf Instagram, dort nehme ich euch mit meinen Storys mit in den Alltag!

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