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Semester, Bachelorarbeit und Praktikum im Ausland?

Semester, Bachelorarbeit und Praktikum im Ausland?

Im Januar 2021 bin ich für ein Auslandssemester nach Island gegangen. Zunächst hatte ich geplant, für fünf Monate zu bleiben. Nun bin ich schon fast ein Jahr auf der Insel im Nordatlantik, habe außer dem Semester noch meine Bachelorarbeit hier geschrieben und absolviere gerade ein Praktikum. Heute soll es um meine unterschiedlichen Erfahrungen vom Auslandssemester, Praktikum im Ausland und der Bachelorarbeit im Ausland gehen.

Das Auslandssemester

Organisation

Mein Auslandssemester habe ich als Erasmus-Semester absolviert. Das heißt konkret, dass ich mich über meine Heimatuni (Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT), um einen Erasmus-Platz beworben habe. Ich hatte eine große Auswahl an Partnerunis, an denen ich ein Erasmus-Semester hätte absolvieren können – Island hat mir davon am meisten zugesagt. Das lag zum einen an der Kursauswahl der Reykjavik University (RU). Ich studiere Mechatronik und möchte mich auf Medizintechnik spezialisieren. Gerade in diesem Bereich bietet die RU einige Bachelorkurse an. Ein anderer Grund für mich nach Island zu gehen war: dass ich die nordischen Länder sehr mag.

Der Bewerbungsprozess für das Erasmus-Semester war recht geradlinig. Für mich war die Bewerbungsfrist der 15. Januar 2020 für das akademische Jahr 2020/21. Nachdem ich meinen Lebenslauf, mein Abiturzeugnis, ein Motivationsschreiben, einen aktuellen Notenauszug sowie ein vorläufiges Learning Agreement eingereicht hatte, bekam ich nach etwa einem Monat eine positive Rückmeldung. (Das Learning Agreement ist ein Dokument, in dem geregelt wird, welche Leistungen ich im Ausland belege und ob mir diese am KIT angerechnet werden.) Nach der Rückmeldung ging es weiter mit ein bisschen Bürokratie (das finale Learning Agreement muss von beiden Unis unterschrieben werden, Dokumente zur Versicherung, etc.). Da dafür genügend Zeit zur Verfügung stand (fast ein Jahr) empfand ich es nicht als Belastung.

Im Januar 2021 ging es dann endlich nach Island.

Blick auf die Reykjavik University.
Vom KIT kommend ist die Reykjavik University sehr klein. Während das KIT etwa 25.000 Studierende und einen großen Campus hat, hat an der RU nur etwa 4.000 Student:innen und ist nur ein Gebäude.

Meine Erfahrungen

Der größte Unterschied von der RU zum KIT sind wahrscheinlich die Kursgrößen. Während ich am KIT oft Vorlesungen mit über 200 Studierenden hatte, waren es an der RU oft nur etwa 20 bis dreißig Leute pro Vorlesung. Da alle Austauschstudierenden etwa zeitgleich ankamen, wurden schnell Kontakte geknüpft. Außerdem gab es viele Gruppenarbeiten an der Uni, wodurch ich zusätzlich Leute kennenlernte. Insgesamt hatte ich vor allem zu Austauschstudierenden Kontakt. Neben der Uni hatte ich recht viel Freizeit, sodass ich öfters am Wochenende mit Freunden Ausflüge in die isländische Natur machte.

Der Kontakt zu Dozent:innen ist in Island deutlich enger, als ich es vom KIT her kenne. Dadurch war es für mich auch recht einfach, meine Bachelorarbeit an der RU zu organisieren.

Bachelorarbeit im Ausland

Organisation

Ich hatte das Glück, dass einer meiner Dozenten während des Auslandssemesters einen Professor am KIT persönlich kannte. Nach einem kurzen Gespräch und wenigen E-Mails stand schon fest, dass ich meine Bachelorarbeit an der RU schreiben könne. Hätte ich diesen Kontakt nicht gehabt, wäre es für mich recht schwierig gewesen, meine Bachelorarbeit im Ausland zu schreiben. Das KIT hat keine spezifischen Austauschprogramme für Abschlussarbeiten im Ausland, die die Organisation erleichtern würden. Ich hätte mich auf ausgeschriebene Abschlussarbeiten bewerben müssen. Aus der Erfahrung von Freunden ist meistens die größte Hürde, wenn ihr schon einen Platz habt, einen Betreuer an der Heimatuniversität zu finden.

Für die Bachalorarbeit habe ich mich auf ein Erasmus-Stipendium für Praktika und Abschlussarbeiten beworben. Auch hier ist der Bewerbungsprozess recht geradlinig: Ihr solltet jedoch genügend Zeit einplanen, um alle Dokumente fertig zu bekommen. Ich wurde zum Beispiel einmal zwei Wochen von einer Person an die nächste verwiesen, da nicht klar war, wer das Learning Agreement unterschreiben muss. Die Unterlagen mussten bei mir einen Monat vor Förderungsbeginn vorliegen.

3D gedruckte Knochenmodelle.
Meine Bachelorarbeit habe ich am Institut für Biomedizinische Technik geschrieben. Auf dem Tisch liegen 3D gedruckte Knochenmodelle, die am Tag der offenen Tür an der Uni ausgestellt wurden.

Meine Erfahrungen

Da ich die Bachelorarbeit an der RU geschrieben habe, hatte ich ein internationales akademisches Umfeld. Im Labor war ich von Doktorant:innen und Praktikant:innen aus Frankreich, Irland, Italien und Island umgeben. Insgesamt war die Atmosphäre ähnlich wie während des Auslandssemesters. Ein Unterschied war jedoch, dass der Arbeitsalltag etwas geregelter war. Während des Semesters konnte ich mir mehr selber einteilen, wann ich wie viel gelernt habe (zum Beispiel auch mal viel am Wochenende für die Uni zu machen um eine entspanntere Woche zu haben). Im Labor glich der Alltage eher einem 9 to 5 Job, wenn auch mit sehr viel Freiheiten.

Praktikum im Ausland

Organisation

Auch meinen Praktikumsplatz konnte ich über Kontakte zu Dozenten organisieren. Vom KIT aus war es kein Problem, dass ich das Praktikum im Ausland absolviere. Lediglich die Tätigkeit während des Praktikums muss passen, damit ich es als Pflichtpraktikum anrechnen lassen kann. Da das Praktikum unbezahlt ist, habe ich mich auch hier zusätzlich für ein Erasmus-Stipendium für Praktika beworben.

Firmengebäude von Össur
Mein Praktikum absoviere ich bei der Firma Össur. Össur ist einer der Marktführenden Prothesenhersteller.

Meine Erfahrungen

Das Praktikum absolviere ich bei der Firma Össur, die Prothesen herstellen. Ich arbeite in einem recht jungen Team in der Forschung und Entwicklung des Unternehmens. Abends gehe ich manchmal mit Arbeitskollegen Fußball spielen oder sehr gerne auch Bouldern (Klettern). Die Gesamtatmosphäre ist auf jeden Fall anders als während der Bachelorarbeit und des Auslandssemesters. Ich habe mehr Kontakt zu Einheimischen, allerdings ist es für mich deutlich schwieriger, Freundschaften zu schließen. An der Uni waren alle in einem ähnlichen Lebensabschnitt. Bei Össur sind meine Kolleg:innen im Berufsleben und haben oft schon eigene Kinder, sodass die Freizeitgestaltung sehr unterschiedlich ist.

Im Vergleich

Alle drei Formen meines Aufenthalts in Island haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Während des Auslandssemesters habe ich am meisten vom Land gesehen. Wie schon erwähnt bin ich öfters mit Freunden übers Wochenende weggefahren. Da ich unterschiedliche Kurse an der Uni hatte, habe ich auch den breitesten Wissenszuwachs gehabt. Während des Praktikums und der Bachelorarbeit habe ich mich auf ein Projekt konzentriert, dafür ist dieses Wissen tiefgreifender.

Wer gerade im Ausland ist und mit dem Gedanken spielt, den Aufenthalt zu verlängern, dem empfehle ich auf jeden Fall direkt Professor:innen oder Betreue:innen zu fragen. Das hat bei mir sehr gut funktioniert und ich bin auf große Begeisterung gestoßen. Die Professor:innen/Betreuer:innen freuen sich schließlich auch, dass es euch in ihrem Land gefällt.

Mein Learning für die Zukunft

Mein Auslandsaufenthalt hat mich auf die Idee gebracht, auch meinen gesamten Master im Ausland zu verbringen. Vorher hatte ich nicht wirklich daran gedacht und hätte mir auch Sorgen wegen der Sprache gemacht. Jetzt macht es jedoch deutlich mehr Spa´ß auf Englisch zu lernen und zu möglicherweise weiterzustudieren. Noch habe ich mich nicht entschieden, wo ich meinen Master machen will, evtl. mache ich auch einen Erasmus Mundus, wie Stella.

Fazit

Insgesamt finde ich, dass sich jeder Auslandsaufenthalt während des Studiums lohnt. Für mich war das Auslandssemester das Sprungbrett für das Praktikum und die Bachelorarbeit im Ausland. Vor allem die Organisation einer Bachelorarbeit im Ausland wäre ohne das Auslandssemester deutlich komplizierter geworden.

 

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