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Brasilien – ist das nicht gefährlich?

Brasilien – ist das nicht gefährlich?

Bei Reisen nach Südamerika machen sich viele Sorgen um ihre persönliche Sicherheit, besonders in einer so großen Stadt wie São Paulo. Bevor ich nach Brasilien gefahren bin, ging es mir nicht anders. Doch wie ist die Situation wirklich und wie sollte ich mich am besten verhalten?

In diesem Blogeintrag werde ich euch beschreiben, wie ich mit der Sicherheitslage in Brasilien umgehe. Das ist jedoch mein persönlicher Umgang und sicherlich weder der einzige Weg noch eine Garantie.

Für mich ist es eine Herausforderung, diesen Beitrag zu schreiben

Ich wollte schon ganz am Anfang etwas über dieses Thema schreiben, denn es ist ein Thema, das alle Austauschstudierenden, aber auch ihre Familien oder einfach Reisende beschäftigt. Und mir wurde die Frage nach der Sicherheit daher auch schon oft gestellt. Leider stellt es mich aber auch jedes Mal vor ein Dilemma, denn Brasilien ist weniger sicher als Deutschland, das ist ein Fakt. Allerdings äußert sich das häufig auf eine andere Art, als viele denken. Wenn ich es dann versuche zu erklären, stehe ich vor dem Konflikt nicht etwas zu relativieren, das keine Normalität sein sollte und auf der anderen Seite möchte ich niemandem angst machen. Ich liebe mein Leben in Brasilien, sobald ich aber über dieses Thema rede, sehen viele nichts anderes mehr. Erinnert euch also daran, dass ich hier nur über einen Aspekt meines Alltags schreibe. Ich habe mir kleine Sicherheitschecks angewöhnt, die passieren aber instinktiv und wenn ich sie hier aufschreibe, dann, um euch im Idealfall bei einer möglichen Reise zu helfen. Ich analysiere Orte keinesfalls so aktiv, wie es hier vielleicht wirkt.

Wann ist Brasilien unsicher?

Wenn wir als ausländische Tourist*innen kommen, tun wir das meistens aus einer sehr privilegierten Position heraus – im Vergleich zu der lokalen Bevölkerung. Meistens schauen wir uns dann zunächst bekannte Orte an wie die Copacabana in Rio, die Avenida Paulista in São Paulo, oder das Pelourionho in Salvador. Das sind aber Orte, die häufig durch den Tourismus und die demografischen Faktoren sehr geschützt sind. Das bedeutet, dass als Tourist oder Touristin eure Sicherheit zunächst einmal viel höher ist, was Überfälle angeht – Handydiebstähle sind aber in genau diesen Gegenden keine Seltenheit. Brasilien ist ein Land der Extreme, und so existiert neben der Armut auch extremer Reichtum, das solltet ihr im Kopf behalten. Und auch wenn es nicht schön ist: Wohlhabende Viertel sind in der Regel sicherer. In São Paulo bedeutet das beispielsweise, dass die Viertel im Zentrum (nicht im historischen Teil!) sicherer sind als Orte in der Umgebung.

Generell haben unterschiedliche Städte auch unterschiedliche Rufe, deswegen informiert euch am besten also vorher, welche Stadtviertel in den Reiseführern stehen, oder fragt Bekannte oder die Leute im Hostel, was sie empfehlen und wovon sie abraten würden. In ländlichen Gegenden, auf Inseln und im Süden ist es auch meistens ruhiger als im Norden, Nordosten und den Hauptstädten.

Fühle ich mich sicher?

Als ich in São Paulo angekommen bin, habe ich mich zunächst nicht sicher gefühlt. Schon im Geografieunterricht in der neunten Klasse hatte ich von dieser Stadt und ihren Problemen gehört. Die ersten Wochen war ich daher sehr vorsichtig und habe erst einmal versucht, meine Umgebung kennenzulernen. Als ich mich aber ein wenig besser ausgekannt habe, wandelte sich mein Bild der Stadt. Mittlerweile fühle ich mich sicher, besonders in den Gegenden, die ich kenne. Ich wohne in Butantã in einem sehr ruhigen Teil des Viertels. Zu allen Zeiten sind hier Spaziergänger*innen mit ihren Hunden unterwegs und ich bin schnell auf dem Campus und damit in der grünen Oase Butantãs.

Der Eingang zum Campus der Universität Sao Paulo
Auf dem Uni-Campus fühle ich mich sehr wohl. Die Uni ist eine grüne Oase, die für alle offen ist. Trotzdem gibt es dort auch einen Sicherheitsdienst und Überwachung und so bleibt es auch ein sicherer Raum.

Meine persönliche Empfehlungen:

When in Rome, do as the Romans do: Ich vertraue darauf, dass die Locals die Gegend besser einschätzen können und schaue mir beispielsweise an, ob sie ihre Handys benutzen und wenn niemand auf der Straße ist, bin ich vorsichtiger.

Werde ich angeschaut? Wenn ich angeschaut werde, kann das natürlich sein, weil ich anders aussehe, laufe oder spreche – also erst einmal mache ich mir da keine Sorgen! Aber teilweise sehe ich es auch als Zeichen, mein Handy wegzustecken.

Mein Tipp: Lernt eure Umgebung kennen. Für São Paulo empfehle ich euch besonders vorsichtig im historischen Zentrum zu sein. Vor allem an den Stationen Luz, Praça da Sé und República solltet ihr vorsichtig sein, da hier häufig Überfälle passieren, oder Handys geklaut werden. Auf der anderen Seite empfehle ich euch die Viertel Pinheiros, Vila Madalena, Butantã, Paulista, Faria Lima, Água Branca, den Inirapuera Park, Itaim Bibi, Faria Lima und weitere der Viertel im Zentrum

Kann ich zu jeder Uhrzeit rausgehen?

Auch das ist eine Frage, die ich nicht so leicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann, denn das hängt stark von dem Ort ab, an dem ihr seid. Wie gesagt ist der ländliche Raum in Brasilien sicherer und hier kann es tatsächlich relativ problemlos sein, auch noch nachts unterwegs zu sein. Bestimmte Viertel in São Paulo wie Pinheiros, oder Vila Madalena haben ein belebtes Nachtleben, daher ist es auch hier sicherer. Ich empfehle aber, in den Städten nachts nicht lange zu Fuß unterwegs zu sein, wenn ihr die Gegend nicht kennt. Ich kenne mich mittlerweile schon besser aus und weiß, dass der Bus auch noch spät abends voll sein wird und so fühle ich mich sicher, immer noch mit dem Bus nach Hause zu fahren. Die Haltestelle bei meinem Haus ist nachts jedoch ziemlich leer, deswegen rufe ich mir für den Hinweg für einen Teil der Strecke lieber ein Uber um nicht lange allein an der Station zu warten. Der Rückweg ist dann etwas entspannter, da ich nur wenige Meter bis in mein Haus laufen muss. Generell sind Uber in Brasilien viel billiger und wenn das dazu beiträgt, dass ihr euch sicherer fühlt, lohnt es sich immer eines zu rufen!

Ich möchte in eine Favela – ist das sicher?

Wenn ihr eine Favela besuchen möchtet: Hinterfragt am besten erst einmal eure Motive – was wollt ihr sehen und warum und wie könnten sich die Menschen vor Ort damit fühlen? Ich empfehle euch, nicht alleine und nicht ohne euch vorher zu informieren, in eine Favela zu gehen. Vor allem nicht in Rio und vor allem auch nicht mit dem Auto, denn ihr könnt schnell für die Polizei gehalten werden. Wenn ihr aber jemanden kennt, dem ihr vertraut und diese Person euch einlädt, könnt ihr das annehmen!

Eine Favela in Sao Paulo
Auch wenn ich in diesem Beitrag warne, dass es in einer Favela gefährlich sein kann, sind Favelas nicht nur das. Sie werden auch „Comunidades“, also Gemeinschaften genannt. Häufig kennen sich hier alle untereinander, helfen einander, feiern gemeinsam und formen eine Solidaritätsgemeinschaft.

Wie sicher kann ich sein?

Brasilien ist nicht so sicher wie Deutschland, das ist ein präsentes Thema und etwas, das einen im Vergleich zu Deutschland einschränkt. Ich finde es wichtig, dass sich Menschen, die nach Brasilien kommen, dessen bewusst sind, denn sonst unterschätzen sie teilweise Situationen. Das habe ich dieses Jahr schon mehrmals mit anderen, aber auch selbst erlebt, als mir mein Handy fast gestohlen wurde.
Es bedeutet, dass wir als Ausländer*innen unsere Gewohnheiten ändern und anpassen müssen und am Anfang fühlt sich das an, als würdet ihr deswegen an einem sehr gefährlichen Ort sein. Bei mir und auch bei meinen Freund*innen war es aber so, dass schon nach einiger Zeit diese neuen Gewohnheiten nicht mehr so sehr auffallen und wir haben schnell Orte gefunden, an denen wir uns sicher fühlen. Denn Brasilien ist nicht per se immer und überall gefährlich, und wenn ihr das Land ein wenig besser kennenlernt, lernt ihr auch immer besser die Situationen einzuschätzen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag einen kleinen Überblick geben und dass es euch nicht allzusehr abgeschreckt hat. Wenn ihr noch Fragen oder Kommentare habt, schreibt mir gerne.

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