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Brexit und Erasmus ist es vorbei mit Großbritannien?

Seit dem Brexit 2021 ist Großbritannien und damit auch Nordirland nicht mehr Teil der EU. Bedeutet das, dass es in Zukunft auch kein Erasmusland ist? Jein. In diesem Beitrag verschaffe ich dir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Fragen.

Es ist 2023 und ich bin aktuell in Nordirland als Erasmusstudentin (an einer wirklich wunderbaren Uni in Belfast). Manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich nicht eine der Letzten sein werde, die das Privileg hat, als Erasmusstudentin hier zu sein. Aber so wie es bisher aussieht, sieht es gar nicht so schlecht aus.

Was sich aus meiner Perspektive am meisten geändert hat, ist die Höhe des finanziellen Zuschusses. Wichtig für dich zu wissen ist, dass ich mich in diesem Beitrag ausschließlich auf das Erasmus+-Programm an den Universitäten beschränke. Schließlich gibt es dieses Förderprogramm auch für andere Bereiche an Schulen oder Ausbildungen. Der Einfachheit halber nenne ich es nur Erasmus, obwohl es offiziell Erasmusplus heißt.

Kann ich ein Erasmussemester machen in Großbritannien und Nordirland?

Grundsätzlich ja. Denn das Erasmusprogramm hängt nicht davon ab, ob das Land in der EU ist. Offiziell werden Länder für Erasmusprogramme in Programm- und Partnerland unterschieden. Das Vereinigte Königreich ist für die aktuelle Programmgeneration bis 2027 als Partnerland förderfähig.

Das bedeutet, dass Studierende in den teilnehmenden Ländern des Programms ein Auslandssemester machen können ohne Studiengebühren zu zahlen. Universitäten können immer noch innerhalb des Erasmus-Programms zusammenarbeiten und Plätze anbieten. Meine Universität hatte zum Zeitpunkt meiner Bewerbung maximal zwei Plätze für Studis, die in Belfast ein Auslandssemester machen konnten.

In welchen Ländern du ein Auslandssemester machen kannst, hängt ganz davon ab, welche Partneruniversitäten deine Universität beziehungsweise deine Fakultät hat. Um das rauszufinden, musst du dich durch die Homepage deiner Uni klicken.

Was hat sich durch den Brexit verändert?

Erst mal ist es an den Universitäten, inwiefern sie Austauschplätze anbieten und das unter sich geregelt haben trotz Brexit. Das heißt, dass vielleicht manche Universitäten ihre Partnerschaft nach Großbritannien und Nordirland beendet haben oder einschränken mussten.

Das Nächste ist, wie das mit dem Geld geregelt wird. Das Vereinigte Königreich ist seit dem Brexit kein Programmland mehr, sondern „nur“ ein Partnerland. Das bedeutet auch, dass das Budget, mit dem deine Heimatuni haushaltet, anders verteilt wird. Wie die Universität das regelt, kann ich an dieser Stelle nur als Studentin der LMU in München beantworten. Ich vermute aber, dass es anderen Universitäten ähnlich ergeht.

Nur ein Teil von dem Gesamtbudget, dass der Universität zur Verfügung steht, kann für Partnerländer verwendet werden. Die Konsequenz davon ist, dass die Finanzierung für das kommende akademische Jahr erst kurzfristig feststeht. Eventuell können auch nicht alle Kosten abgedeckt werden.

Für mich fielen zusätzliche Sonderförderungen weg wie zum Beispiel extra Zuschüsse für Erstakademiker*innen, Green Travel, Studierende mit Kind und für Studierende mit gesundheitlichen Einschränkungen. In der Regel informiert dich deine Uni über die Gelegenheit, sich für Sonderförderungen zu bewerben, wenn du schon einen Erasmusplatz hast. In meinem Fall gab es diese Sonderförderungen nicht für das Vereinigte Königreich.

Der größte Wermutstropfen für mich war, dass der Zuschuss geringer ist als für andere Länder. Mir wurde damals kommuniziert, dass sich der Zuschuss für das Vereinigte Königreich um die 450 Euro pro Monat richtet. Zum Vergleich wird mit anderen Partnerländern wie Norwegen mit 600 Euro oder Estland mit 490 Euro pro Monat gerechnet. Wie hoch die Summe am Ende ist, erfährst du final im Grant Agreement. Das ist der Vertrag, der abgeschlossen wird, um die Förderung zu erhalten. Den Zuschuss bekommst du grundsätzlich in zwei Raten ausgezahlt und nicht monatlich. Insgesamt bekomme ich maximal 1800 Euro Zuschuss, das sind vier Mal 450 Euro.

Was muss ich sonst noch beachten?

Die Visabedingungen haben sich auch für Studierende geändert. Wer mehr als sechs Monate im Vereinigten Königreich studiert, braucht ein Visum und einen zusätzlichen Versicherungsschutz in Großbritannien und Nordirland. Das ist mit höheren Kosten verbunden. Unter sechs Monaten hast du mit dem offiziellen Nachweis eines „Student Visa Letters“ deiner Gastuniversität einen berechtigten Aufenthalt. Das nennt sich „Student Visitor Permit“, dazu brauchst du nichts beantragen. Ich bin damit problemlos eingereist. Allerdings war ich durch die Einreise über Dublin an keiner Grenzkontrolle, da Nordirland keine Inlandsgrenzkontrollen besitzt. Wer während der sechs Monate arbeiten will, muss wiederum ein anderes Visa beantragen, das mit Kosten verbunden ist. Die Regierung hat allerdings eine Seite, auf der du dich relativ gut informieren kannst, welches Visum oder Permit für dich geeignet ist.

Ein weiterer möglicher Aufwand könnte sein, dass entweder für das Visum oder die Universität ein Sprachnachweis in Form eines TOEFL oder IELTS notwendig ist. Das war bei mir nicht der Fall. Meiner Gastuniversität hat der Nachweis eines bestandenen Englischkurses an meiner Heimatuni gereicht.

Wie sieht die Zukunft aus?

Das weiß leider keine*r. Schade ist, dass es immer ein bisschen ungewiss bleibt. Das macht es natürlich schwierig, Jahre voraus ein Erasmussemester in Großbritannien oder Nordirland zu planen. Dennoch will ich dir Mut machen, diese Länder nicht aufzugeben, wenn du hier gerne innerhalb des Erasmus-Programms studieren möchtest.

Es wird ein paar Mails und Recherche brauchen, aber die Erfahrung lohnt sich, wenn du das willst. Ich bin im Nachhinein froh, dass ich genau an dieser Universität in Belfast studieren konnte. Es war einer meiner Gründe überhaupt ein Erasmussemester zu machen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Falls du vor hast, in Belfast an der Queen’s University zu studieren, dann bekommst du auf meinem Blog schon einen ersten Eindruck davon 😉 Und falls du weitere Fragen hast, dann schreibe sie gerne in die Kommentare.

Cheers,
Lane

Kommentare
  1. Lady M

    6. September 2023

    Hallo Cynthia-Lane,

    ich bastle gerade an meinem Motivationsschreiben für den ERASMUS Antrag für ein Jahr Studium in dem Vereinigten Königreich. Hast Du mir Tipps welche Inhalte / Formulierungen / Argumente nützlich sind, um die Entscheider für die Unterstützung zu überzeugen?

    Liebe Grüße

    1. Cynthia-Lane

      2. Oktober 2023

      Hey wie cool, dass Du Dich bewirbst! Grundsätzlich muss im Motivationsschreiben deutlich werden warum Du genau da hin willst. Mir wurde damals nahe gelegt, dass ein akademischer Vorteil besser zieht als „nur“ der allgemeine Wunsch die Kultur kennenzulernen. Letzteres will ja in der Regel fast jede*r mit einem Auslandseinsatz. Du könntest z.B. deutlich machen warum Dich die Kurse/der Studiengang im Ausland Deinem Studienverlauf weiter helfen, wozu Du das Auslandsstudium für Deinen akademischen Werdegang nutzen willst (Masterarbeit? Kontakte knüpfen? Schwerpunkt legen?), was hat die Uni im Ausland, was Deine Heimatuni nicht hat?
      Ich habe damals auf Dozent:innen und ihr Fachwissen hingewiesen, die es an meiner Heimatuni so nicht hat. Ich wusste aber auch, dass ich an diese eine Universität unbedingt hinwollte, weil die Region für mein Studieninteresse interessant war.

      Wenn es Dir um den kulturellen Austausch geht, würde ich das auch an etwas Konkretem festmachen. Am besten ist natürlich, wenn Du das wieder mit Deinem Studium/Leben als Studentin in Verbindung bringen kannst. Vielleicht hat das Land eine bestimmte Relevanz für Dein Studieninteresse? Oder Du hast schon eine Verbindung zu UK und möchtest das für Deine Karriere/Deine Persönlichkeitsentwicklung/etc. vertiefen?
      Ich hoffe ich konnte Dir damit weiterhelfen! Viel Erfolg bei Deiner Bewerbung 🙂

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