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5 deutsche Selbstverständlichkeiten, die mir in Nepal fehlen

5 deutsche Selbstverständlichkeiten, die mir in Nepal fehlen

Nepal ist in vielen Bereichen anders aufgestellt als meine Heimat. Auf diese fünf deutschen Selbstverständlichkeiten muss ich in den nächsten Monaten verzichten.

1. Schneller öffentlicher Nah- und Fernverkehr

Normalerweise dauert es ungefähr eine halbe Stunde, um mit dem Auto oder Bus von meinem Zuhause in Bhaktapur zu meinem Arbeitsplatz zu kommen. Da es in Kathmandu aber kein gut ausgebautes Bus- oder gar ein U-Bahnnetz gibt und die Straßen noch dazu brechend voll sind, brauche ich besonders auf dem Rückweg oft erheblich länger: Mein Rekord liegt bei drei Stunden für einen Weg. Aktuell nutze ich für die Hälfte der Strecke einen Bus der Lokals und für den restlichen Weg den Schulbus. Die Reise im Schulbus ist nicht ideal, da meine Haltestelle fast die letzte auf der Route ist. Eine direkte Busverbindung gibt es aber leider nicht. Vier Monate jeden Tag so viel Zeit im Bus zu verbringen wäre ein ziemlicher Albtraum – deswegen suche ich verzweifelt nach einer besseren Alternative. Vielleicht sollte ich mir ein Motorrad zulegen: Die können sich durch die stehenden Autos und Busse schlängeln und kommen deutlich schneller voran. Eines ist sicher: Ich werde mich nie wieder über leicht verspätete deutsche Busse oder die regelmäßigen Wartezeiten bei Reisen mit der deutschen Bahn beschweren.

U-Bahn oder Zug?Fehlanzeige
U-Bahn? Zug? Fehlanzeige!

2. Eine warme Dusche

Nach einem langen Tag ausgiebig und heiß zu duschen tut unheimlich gut. Auf diesen Luxus werde ich hier verzichten müssen: Mit kaltem Wasser kann ich normal duschen, aber warmes Wasser gibt es nur in einem – ähm – Duscheimer. Da das Wasser mit Gas beheizt wird und die entstehende Flamme dem Raum Sauerstoff entziehen würde, ist es jedoch gefährlich hier warm zu duschen. Warm duschen funktioniert hier wie folgt:

1. Im Flur das Gas aufdrehen.

2. Heißes Wasser in einem Eimer sammeln und mit kaltem ergänzen, bis eine angenehme Temperatur entsteht.

3. Gas wieder abdrehen, um gefährliche Unfälle zu vermeiden.

4. Mithilfe eines kleineren Behälters Wasser aus dem Eimer schöpfen und Haare und Körper waschen.

Abenteuerlich, oder? Eigentlich ist das Ganze gar kein Problem. Ich habe mich schon nach wenigen Tagen an meinen Duscheimer gewöhnt und kann mich auch so vernünftig waschen. Trotzdem werde ich es genießen, mindestens eine Viertelstunde unter einer heißen Dusche zu stehen, wenn ich wieder in Deutschland bin!

3. Toilettenpapier

Ja, ihr habt richtig gelesen. Toilettenpapier ist nicht in allen Haushalten und öffentlichen Toiletten Teil der Grundausstattung. Stattdessen gibt es in vielen Toiletten eine Art Wasserschlauch, der wohl zum Reinigen dienen soll. Wenn man um Toilettenpapier bittet, reagieren Nepali meist freundlich und besorgen Servietten oder ähnliches. Ich habe mir aber inzwischen einen Vorrat an Taschentüchern zugelegt – sozusagen mein privates Toilettenpapier – um das ständige Nachfragen zu vermeiden.

4. Die Waschmaschine

Bisher habe ich mein ganzes Leben lang eine Waschmaschine im Haus gehabt – Zuhause bei meinen Eltern, in meiner WG, und selbst in verschiedenen neuseeländischen Hostels. In Nepal lebe ich zum ersten Mal ohne diesen Helfer und bin noch unsicher, wie ich damit umgehen soll. Mein Gastgeber wäscht seine Wäsche von Hand und so scheinen es auch einige der anderen Praktikanten zu machen. Allerdings habe ich gehört, dass hin und wieder eine Frau vorbeikommt, die das gegen Bezahlung übernimmt. Ich habe mir vorgenommen, mich bei meinen Socken und meiner Unterwäsche einmal an der Handwäsche zu probieren. Für meine restliche Kleidung hoffe ich aber ehrlich gesagt auf die Unterstützung der besagten Dame. Vielleicht stelle ich aber auch fest, dass die Handwäsche gar nicht so anstrengend und zeitaufwendig ist wie ich denke – das bleibt abzuwarten.

Kleidung an der Leine
Nach der Handwäsche wird die Kleidung auf der Dachterrasse zum Trocknen aufgehangen

5. Schnelles Internet

„Home is, where the WiFi is“, scherzen wir in Deutschland. Diese Redewendung hat in Nepal nur begrenzte Gültigkeit. Ich habe in meinem Zuhause WiFi, allerdings ist das ziemlich langsam und fällt auch gerne mal aus. Bilder für meinen Blog hochzuladen ist oft schwer und dauert eine halbe Ewigkeit. Glücklicherweise sind Data Pakete für das Handy ziemlich günstig (etwa 5 Euro für 10 GB). Daher bin ich dazu übergegangen, meine Blogbeiträge mit Hilfe eines mobilen Hotspots zu veröffentlichen – funktioniert auch! Lange YouTube-Videos oder Netflix schauen ist aber nicht drin: Beim Streamen sind nämlich selbst 10 GB schnell verbraucht…

Kein Internetzugriff...
Kein Internet
Kommentare
  1. Hanne

    8. Oktober 2019

    Sorry, habe „Carla“ statt Lara geschrieben….

  2. Hanne

    8. Oktober 2019

    Hallo Carla, Du hast Glück, dass Du nicht – wie wir – vor 35 Jahren in Nepal gelandet bist, da war es noch „steinzeitlicher“… 🙂 Als wir zuletzt vor 5 Jahren dort waren, haben wir zum Transport die kleinen Minibusse genommen, klappt ganz gut (nur wenn man zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein muss, ist es schwierig). Toilettenpapier war schon damals eine Seltenheit, dürfte aber heute doch in jedem Supermarkt (gab es damals nicht, nur einen einzigen „Fresh-Store“ in Kthm. – und dort stank es erbärmlich nach vergammeltem Fleisch…) zu bekommen sein. Und was das Waschen betrifft: Die Nepalesinnen machen die Wäsche – und meist auch noch das Bügeln dazu – ganz prima für ein paar Rupien; lass‘ Dich in der Hinsicht dort verwöhnen… Gruß Hanne (Mutter von Linde)

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