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Wieso ich in Veracruz in der Lokalzeitung gelandet bin – eine Woche voller Feierlichkeiten

Wieso ich in Veracruz in der Lokalzeitung gelandet bin – eine Woche voller Feierlichkeiten

Zu Besuch bei der Familie meiner Mitbewohnerin Adriana geht die Reise nun von Puebla weiter in den Bundesstaat Veracruz. Eine lange Autofahrt, der Nationalfeiertag Mexikos und eine große standesamtliche Hochzeit warten auf mich.

Nach einer guten Woche in Puebla geht es weiter in die Stadt Veracruz, in den gleichnamigen Bundesstaat am Golf von Mexiko. Da wir hier einige Tage verbringen werden, heißt es zunächst wieder Koffer packen und ich frage mich, wie wir alle fünf Koffer, Rucksäcke, Taschen und den Proviant, der für die Autofahrt nicht fehlen darf, in das Auto bringen werden. Am Ende haben wir jedoch alles untergebracht und es geht gut bepackt circa dreieinhalb Stunden Richtung Golfküste.

Auf der Fahrt stimmen wir uns schon auf den bevorstehenden Nationalfeiertag ein. In Mexiko ist es typisch, dass auf den Straßen Verkäufer*innen den Autofahrer*innen verschiedene Sachen zum Verkauf anbieten. Sobald die Ampel rot leuchtet, laufen sie am Auto vorbei und man kann die verschiedensten Dinge kaufen. Heute sieht man vor allem viele mexikanische Flaggen und Plüschfiguren zum Aufhängen im Auto. Außerdem dürfen auf der Fahrt die typischen Lieder von dem berühmten Sänger Luis Miguel nicht fehlen. So geht die Zeit auch schneller rum als gedacht und wir nähern uns dem Ziel. Bevor wir bei „abuela Lupe“, der Oma Guadalupe ankommen, machen wir einen kurzen Stopp in „La Antigua Veracruz“. Hier begann die spanische Eroberung der Azteken durch den Konquistador Hernán Cortés. Am 21. April 1519 kam der spanische Konquistador in Veracruz an und vernichtete innerhalb von nur zwei Jahren das Aztekenreich.

Die erste spanische Siedlung in Mexiko, die Cortés gründete, war „Villa Rica de la Vera Cruz“, heute „La Antigua Veracruz“. Es ist ein kleines Dorf mit viel Geschichte.

An einem Ceiba-Baum, der auch heute noch hier steht, soll der Konquistador Cortés der Legende nach seine Boote festgemacht haben. Die „Ermita del Rosario“, die wahrscheinlich aus dem Jahr 1523 stammt, gilt außerdem als die älteste Kirche auf den beiden amerikanischen Kontinenten. In der „Casa de Cortés“, dem Haus von Cortés soll sich der Konquistador während seiner Zeit hier aufgehalten haben.

Der 16. September – der Nationalfeiertag Mexikos

Am 15. September wird gegen 23 Uhr der Nationalfeiertag mit dem sogenannten „Grito“ eingeleitet. Dem Präsidenten wird die mexikanische Flagge vom Militär übergeben und er ruft vom Balkon des Marktplatzes in Mexiko-Stadt aus: „¡Viva México! ¡Viva la independencia!“. Außerdem zählt er die „Heroes de la independencia“ wie Miguel Hidalgo auf. Danach lässt er die Glocken läuten, wie es damals Hidalgo tat, als er die Mexikaner zur Revolution aufrief. Zum Abschluss gibt es normalerweise ein Feuerwerk.

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation im Lande sind jedoch die meisten Stadtzentren gesperrt, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Wir verbringen den Abend deshalb innerhalb der Familie und lassen ihn in einer Bar – coronakonform – ausklingen. ¡Viva México! 

Der 16. September gehört zu den wichtigsten Feiertagen Mexikos. Den Nationalfeiertag an sich verbringen wir mit der Familie an einem sehr schönen Strand in Veracruz. Hier wäre ich am liebsten noch länger geblieben, da das Klima in Veracruz sehr schwül ist. Das Highlight sind definitiv die Hängematten im Meer. Generell ist das Meer in der begrenzten Zone bis zur Boje eher flach, deshalb lässt es sich in den Hängematten sehr gut aushalten.

Ein Spaziergang am Hafen von Veracruz darf am nächsten Tag auch nicht fehlen.

Typisches Essen am Nationalfeiertag und in Veracruz

Auch in Veracruz gibt es einige Spezialitäten, die man bei einem Besuch unbedingt probieren sollte.

Pozole ist ein Gericht, das oft um den Nationalfeiertag gegessen wird. Es ist ein typischer mexikanischer Eintopf und die Hauptzutat ist ein spezieller, dicker Mais namens „Cacahuacintle“. Die Maiskörner müssen einige Stunden vorher gekocht werden, bis schließlich Schweine- oder Hühnerfleisch hinzugegeben wird. Die Zubereitung ist sehr zeitaufwendig. Serviert wird der Eintopf mit vielen Zutaten, die von Familie zu Familie variieren. Bei uns gab es dazu zum Beispiel: Salat, Avocado, Radieschen, Zwiebeln, Oregano und ganz wichtig: Limette. Dazu werden Tostadas, frittierte Tortillas, serviert. Außerdem unterscheidet man zwischen weißer und roter Pozole. Weiße Pozole ist ungewürzt und für die rote Pozole wird eine rote Chilisoße hinzugefügt.

Sehr typisch für Veracruz sind auch die „Gorditas de Dulce“, ein süßes Gebäck mit Anis und die sogenannten „Hojaldras“, auch ein Gebäck jedoch mit einer Schinken-Käse-Füllung. Sehr lecker sind auch die „Empanadas“, eine gefüllte Teigmasse, die frittiert und mit Käse überbacken serviert wird.

Eine mexikanische standesamtliche Hochzeitsfeier


Zum Abschluss darf ich am Samstag die Familie auf eine standesamtliche Hochzeit hier in Veracruz begleiten. Von Deutschland bin ich gewohnt, dass die standesamtliche Hochzeit eher im kleinen Familienkreis stattfindet. Umso mehr überrascht es mich, dass die „boda civil“, die standesamtliche Hochzeit, schon so groß zelebriert wird. Sie findet in einem Hotel am Marktplatz in Veracruz statt. Alles ist sehr schön geschmückt und die Gäste trudeln nach und nach, gegen 17 Uhr ein. Während das Brautpaar noch Bilder macht, bekommen wir schonmal Getränke angeboten. Wir begrüßen und die anderen Familienmitglieder und ich stelle mich kurz vor. Insgesamt sind schätzungsweise zwischen 100 und 200 Gäst*innen eingeladen. Man könnte fast meinen, es wäre schon die große Hochzeitsfeier, aber die findet erst im Oktober statt.

Solange die Zeremonie noch nicht beginnt, erkunden wir das Hotel und stellen fest, dass es auch einen Raum mit Live-Musik geben wird. Mittlerweile werden auch schon Snacks angeboten bis schließlich die Familie der Braut und des Bräutigams die Terrasse betritt. Die Gäst*innen beginnen zu klatschen. Nun kommt auch das Brautpaar mit dem jeweiligen Elternteil und die standesamtliche Hochzeit kann beginnen. Der Trauredner spricht die ersten Worte und das Brautpaar gibt sich das Eheversprechen. Schließlich unterschreibt sowohl das Ehepaar als auch ungefähr zehn Familienmitglieder und Freunde den Ehevertrag, um die Eheschließung zu bezeugen.

Das kenne ich von Deutschland auch nicht, denn soweit ich weiß, unterschreiben nur die Trauzeug*innen und das Ehepaar den Vertrag.

Nach einer Weile sind jedoch alle Unterschriften getätigt, das Brautpaar darf sich küssen und der offizielle Akt ist somit vollzogen. Die Hochzeit wird außerdem von Journalisten der Lokalzeitung und Foto- und Videographen begleitet. Wir beglückwünschen das Brautpaar und starten in die Hochzeitsfeier. Es gibt Live-Musik und ein kleines Büffet mit verschiedenen Spezialitäten, wie den „Hojaldras“, ein Gebäck mit Schinken- und Käsefüllung. Die Tanzfläche füllt sich und wir lassen den schönen Abend zu Liedern von Luis Miguel ausklingen.

Die standesamtliche Hochzeit findet wohl nicht immer so groß statt, sondern es kommt immer auf das Brautpaar an. Allgemein kommen lateinamerikanische Hochzeiten jedoch immer mit relativ vielen Leuten vor, was vor allem an der Größe der Familien liegt. 

¡Que vivan los novios!

Rückreise nach Monterrey

Am Sonntag kehre ich nach zwei Wochen mit einem Koffer voller schöner Momente und Erinnerungen nach Monterrey zurück. Der Flug von Veracruz nach Monterrey dauert circa eineinhalb Stunden.

Zu Hause angekommen wartet wieder der Alltag auf mich und ich freue mich auf die nächsten Wochen in Monterrey. Dadurch, dass die Corona-Ampelstufe mittlerweile auf Gelb steht, sind einige Sehenswürdigkeiten wieder geöffnet und können besichtigt werden!

Am Montag zeigt mir meine Mitbewohnerin Adri auf einmal ganz stolz ein Bild von uns von der Hochzeit, strahlt mich an und meint: Franzi, wir sind in der Lokalzeitung von Veracruz zu sehen!! Etwas fassungslos sehe ich sie an und frage nach dem Grund. Dadurch, dass einige Journalisten auf der Hochzeit anwesend waren und auch Bilder von den Gäst*innen geschossen haben, ist tatsächlich auch ein Bild auch von uns in zwei verschiedenen Zeitungen gelandet. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet, vor allem nachdem es ja nach wie vor „nur“ die standesamtliche Hochzeit war. Es ist jedoch in einigen Familien in Lateinamerika so üblich, Bilder von der Hochzeit in der Lokalzeitung zu veröffentlichen.

In diesem Sinne: ¡Hasta pronto!

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