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Der Tag vor dem Abflug: kann ich überhaupt fliegen?

Der Tag vor dem Abflug: kann ich überhaupt fliegen?

Es ist soweit, nach exakt acht Wochen – etwas unfreiwilligem – Heimatbesuch, geht es für mich zurück nach Portugal. Doch bis 13 Stunden vor dem Abflug ist es noch nicht klar, ob ich überhaupt fliegen kann.

Grüne Palmenwedel wehen sanft im Wind vor einem wolkenfreien, blauen Himmel.
Spoiler–Alarm: Mittlerweile bin ich gut in Portugal angekommen. Aber noch wenige Stunden vor dem Abflug war es nicht klar, ob ich tatsächlich fliegen werde.

Rückblick über die letzten 48 Stunden vor meinem Flug

Donnerstag, 8:50 Uhr

In zwei Tagen wird mich der Flieger von Deutschland zurück nach Portugal bringen. Aufgrund der aktuellen Umstände verlangt die Fluggesellschaft einen negativen Corona–Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Zudem wird das Testergebnis auch für die Einreise nach Portugal verlangt. 

Deshalb bin ich am Donnerstag – nach studentischer Zeitrechnung – in aller Herrgottsfrühe an der kostenlosen Corona-Teststation bei mir im Landkreis. Den Termin hatte ich bereits Anfang der Woche ausgemacht und der Ablauf ist sehr unkompliziert: Einmal mit dem Helfer alle Daten-Angaben gegenchecken, dann Mund auf, die Ärztin steckt das Teststäbchen in meinen Rachen und schon ist alles vorbei. Dachte ich zumindest …

Donnerstag, 10:00 Uhr

Wieder zu Hause fülle ich schon einmal die Passenger-Locator-Card aus. Die ist verpflichtend für die Einreise nach Portugal und findet ihr auf Portugal Clean & Safe. Das Dokument wird sowohl am Abflughafen von der Fluggesellschaft kontrolliert als auch von den portugiesischen Behörden bei der Ankunft.

Donnerstag, 18:30 Uhr

Ich packe schon einmal meinen Koffer. Eine kleine Herausforderung, da ich nur Handgepäck gebucht habe. Eigentlich kein Problem, weil meine ganzen Klamotten noch in meinem Schrank in Lissabon sind. Aber da mein Flug nach Faro an die Algarve geht, weil ich hier die Osterferien verbringen möchte, zum Bachelorarbeit schreiben und surfen, brauche ich doch ein paar Klamotten. Zu Hause habe ich aber tatsächlich nur dicke Pullis und lange Hosen. Nicht mal einen Ersatzbikini hab ich noch in Deutschland. Hier kommen die besten Mitbewohner der Welt ins Spiel. Mar und João kommen beide aus Portimão, einer der größeren Städte an der Algarve und bringen mir meinen Bikini und Neoprenanzug aus Lissabon mit. Die beiden verbringen nämlich auch die Osterferien an der Algarve. Also Kleider-Problem mehr oder weniger gelöst, weil mehr als Bikini, Neopren, Sportleggins und einen dicken Pulli für Abends, werde ich voraussichtlich die nächsten Wochen nicht anziehen.

Freitag, 10:45 Uhr

Mein Testergebnis ist noch nicht da, aber das beunruhigt mich noch nicht. Ich bin auf dem Weg in die Münchner Innenstadt, um meinen Freund Gianni zur Arbeit zu fahren und um mich anschließend mit meinen ehemaligen Mitbewohnerinnen zu treffen, die mittlerweile beide in München wohnen. Ein letzter Spaziergang, bevor ich für vier Monate in den Süden verschwinde. Als ich Gianni bei seiner Arbeit abgesetzt habe, ruft mich mein Papa an: „Wir haben eventuell ein Problem“, meint er. Deshalb lege ich einen Zwischenstopp bei ihm im Büro ein.

Freitag, 11:30 Uhr

Bei meinem Papa im Büro angekommen, klärt er mich über das eventuelle Problem auf. Es stellt sich heraus, dass wir nicht nur eventuell ein Problem, sondern tatsächlich ein Problem haben: Ein negativer Corona–Test auf der Corona–Warnapp reicht nicht, denn hier stehen bei dem Testergebnis nicht die persönlichen Daten dabei. Das negative Ergebnis mit meinem Namen, Geburtsdatum etc. steht nur auf dem Dokument, dass das Landratsamt mir zusendet und zwar per Post. Heute ist Freitag, mein Flug geht morgen und abgesehen davon, dass mein Testergebnis noch nicht da ist, würde die Post auch erst nächste Woche (also nach meinem Abflug) ankommen.

Freitag, 11:50 Uhr

Wir haben so eben mit dem Landratsamt telefoniert. Die schlechte Nachricht: Das Ergebnis liegt noch nicht vor und um 12 Uhr ist bei denen Feierabend angesagt. Die gute Nachricht: Es gibt aber anscheinend Engel auf Erden und die Frau vom Landratsamt, mit der ich telefoniert habe, ist einer. Denn obwohl sie in 15 Minuten eigentlich Schluss macht, verspricht sie mir, bis 18 Uhr erreichbar zu bleiben. Wenn das Ergebnis bis 18 Uhr da ist, kann sie es mir zu faxen. Ich soll einfach mal im zuständigen Labor anrufen und nachfragen.

Freitag, 12:05 Uhr

Die schlechte Nachricht: Das Testlabor in Augsburg kann meinen Corona–Test nicht einsehen, da sie dafür meine Patientennummer benötigen. Die gute Nachricht: Diese Patientennummer liegt bei der Corona–Teststation. Wenn ich die dort abhole, können sie meinen Test im System suchen und schauen, wie weit die Bearbeitung ist.

Freitag, 12:45 Uhr

Obwohl alles gerade nicht so rosig aussieht mit meinem Flug am Samstag, treffe ich mich noch mit meinen Mädels. Bis jetzt bin ich noch recht zuversichtlich, dass das morgen noch alles klappen wird.

Freitag, 15:00 Uhr

Zurück bei meinem Papa im Büro. Zusammen fahren wir zurück zu der Corona–Teststation, bei der ich mich habe testen lassen.

Freitag, 15:30 Uhr

Die schlechte Nachricht: Die Teststation hat die Patientennummer nicht mehr, denn diese wird zusammen mit der Laborprobe ins Labor gebracht. Bedeutet, die Teststation besitzt keine Daten von mir.

Die gute Nachricht: Am Flughafen München gibt es ebenfalls eine kostenlose Corona–Teststation und diese benötigt in der Regel nur vier bis acht Stunden, um das Ergebnis zu ermitteln. Um 21 Uhr werden dort die letzten Proben ins Labor gebracht.

Freitag, 15:50 Uhr

Ich rufe noch mal in Augsburg an und teile denen mit, dass meine Patientennummer bei der Corona–Teststation nicht mehr vorliegt und das Landratsamt bereits geschlossen hat und ich dort deshalb nicht nachfragen kann. Die Frau am Telefon ist so nett und fragt mich nach meinem Geburtsdatum und meiner Wohnanschrift, so kann sie meinen Corona–Test doch einsehen. Ihr wird jedoch nur angezeigt, dass er bereits eingetroffen ist, gestern Abend um 20:23 Uhr und noch in Bearbeitung ist. So langsam sehe ich mich morgen nicht mehr im Flieger sitzen.

Die schlechte Nachricht: Da ich als Test–Grund auch Jedermann–Test angegeben habe, wird mein Test auch nachrangig behandelt. Dass ich für mein Studium verreisen möchte, spielt hierbei keine Rolle. Das Testergebnis wird wahrscheinlich erst heute Abend, 48 Stunden nach dem Eintreffen der Probe, also um 20:23 Uhr fertig sein. Solange wird aber die Frau am Landratsamt nicht auf mich warten können.
Die gute Nachricht: Ich kann selbst das Ergebnis in Augsburg heute Abend abholen.

Freitag, 17:45 Uhr 

Mein Testergebnis ist immer noch nicht da. Aber die Frau am Landratsamt sagt mir, dass sie am nächsten Tag um 9 Uhr wieder anfängt und wenn das Testergebnis bis dahin da ist, kann sie es mir direkt schicken. Das könnte eigentlich eine gute Nachricht sein, aber die Fluggesellschaft benötigt das Dokument spätestens zwölf Stunden vor dem Abflug. Also bei mir heute Abend um 22:55 Uhr.
 

Freitag, 18:30 Uhr

Es scheint kein Weg daran vorbeizuführen, das Ergebnis im Labor selbst abzuholen. Eine meiner engsten Freundinnen wohnt Gott sei Dank in Augsburg und Janina verspricht mir, dass sie das Ergebnis für mich abholen kann, sobald es fertig ist und mir es als Scan zu schicken wird. Dafür schreibe ich ihr eine Vollmacht und kopiere meinen Personalausweis. Nun heißt es abwarten und Daumen drücken.
 

Freitag, 19:00 Uhr

Meine Vorlesung Edição Multimedia beginnt und obwohl ich ganz anderes im Kopf habe, müssen meine Arbeitsgruppe und ich die heutige Aufgabe bearbeiten.

Freitag, 19:50 Uhr 

Ich sitze gerade vor meiner Online-Vorlesung, als ich angerufen werde: das Labor in Augsburg. Mein Testergebnis ist da und kann abgeholt werden. Das erste Aufatmen. Ich gebe sofort Janina Bescheid und sie fährt direkt los, um mein Ergebnis abzuholen.
 

Freitag, 20:25 Uhr

Janina ruft mich an: Sie hat mein Ergebnis und sobald sie wieder zu Hause ist, schickt sie mir das gescannte Dokument.


Freitag, 20:45 Uhr

Ich hab mein negatives Testergebnis gerade bekommen und lade es zusammen mit meiner ausgefüllten Passenger-Locator-Card direkt bei der Fluggesellschaft für die Dokumentenprüfung hoch. Und drucke beide Dokumente zusammen mit meiner Bestätigung der Universidade Católica Portuguesa aus. Es ist also alles noch mal gut gegangen.

Samstag, 8:15 Uhr

Abfahrt zum Flughafen, meine Mama ist so lieb und fährt mich. Ich checke im Auto noch mal meine E-Mails nebenbei, plötzlich trudelt eine Nachricht von der Fluggesellschaft ein: Meine Dokumente sind unvollständig. Das kann ja jetzt nur ein schlechter Scherz sein.

Samstag, 9:00 Uhr

Aufgrund des wenigen Verkehrs sind wir schnell am Flughafen. Es ist gespenstisch wenig los in den großen Hallen. Da ich nur Handgepäck habe und bereits online eingecheckt habe, kann ich direkt durch die Sicherheitskontrollen. Fast zwei Stunden zu früh sitze ich am Gate, genügend Zeit, um mich mit meinen anscheinend unvollständigen Dokumenten zu beschäftigen.

Samstag, 9:30 Uhr

Die gute Nachricht: Die Fluggesellschaft kontrolliert noch mal Vorort alle Dokumente. Dass meine Dokumente bei der Online–Prüfung angeblich unvollständig waren, ist jetzt also egal. Anscheinend ist diese Überprüfung also nicht zwingend notwendig, denn am Flughafen wird noch mal kontrolliert.

Samstag, 11:30 Uhr 

Mit einer halben Stunde Verspätung hebt der Flieger ab und zwar mit mir drin. Jetzt kann ich endlich durchatmen.

Sonntag, 9:00 Uhr

Ich wache im sonnigen Portugal bei 19 Grad auf. Am Himmel ist keine einzige Wolke zu sehen und es weht ein sanfter Wind vorbei und mit ihm alle Sorgen und Probleme von den letzten Tagen. Ich bin angekommen und das Wetter ist ein Traum.

Das solltet ihr beachten, wenn ihr nach Portugal fliegt:

Ich glaube, einen nervenaufreibenderen Tag vor dem Abflug hatte ich noch nie in meinem Leben. Damit niemandem derselbe Stress am Tag vor der Abreise passiert, liste ich hier die Dinge auf, die ihr benötigt und die ihr beachten solltet:
  • Negativer Corona–Test
    • Dieser darf maximal 72 Stunden alt bei der Einreise. (Also ich hätte den Test bereits am Mittwoch um 14 Uhr machen können und auch sollen).
    • Beachtet, dass die Auswertung des Ergebnisses im Schnitt 48 Stunden benötigt, ab dem Zeitpunkt, in dem die Probe im Labor eingegangen ist (in meinem Fall war das erst spät abends, obwohl ich den Test bereits in der Früh gemacht habe).
    • Das Dokument bekommt ihr vom Landratsamt, dass es euch bei Nachfrage zusendet.
  • Passenger–Locator–Card
    • Wird sowohl von der Fluggesellschaft als auch noch mal von der Behörde in Portugal kontrolliert.
Kommentare
  1. birdy

    9. Juni 2021

    Hi ich plane eine Reise nach Portugal, was hat es mit dieser Passenger–Locator–Card auf sich? Ist das das Test Ergebnis oder etwas anderes?
    Und kannst du mir evtl sagen ob auch in Portugal in Test Stationen ein Rachenabstrich gemacht wird (statt der durch die Nase)?
    Würdest mir sehr helfen 🧚🏻‍♀️

    1. Anja

      10. Juni 2021

      Hey, also die Passenger Locator Card ist quasi das Formular zur Einreise nach Portugal und hat erstmal nichts mit dem Test zu tun. Über den Link im Beitrag kommst du auf die Seite und musst dort deine Daten angeben, und dann das Dokument digital oder ausgedruckt bei dir haben (wird am Flughafen kontrolliert).
      Getestet wird in den Testzentren oder in den Apotheken. Ich glaube aber das hier vor allem durch die Nase getestet wird, also zumindest aus eigener Erfahrung und dem was ich von Freunden und Bekannten gehört habe.
      Hoffe ich konnte dir erstmal weiterhelfen 🙂 Wenn du sonst noch Frage hast, melde dich gerne jeder Zeit. Liebe Grüße

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