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Doppel-Bachelor in Argentinien trotz Krise

Viele Argentinier meinten bereits zu mir, sie kennen ihr eigenes Land eigentlich gar nicht ohne Krise. Momentan ist die wirtschaftliche und soziale Krise besonders stark. Und trotzdem habe ich mich für zwei Semester in Argentinien entschieden.

Für mich stand seit Anfang meines Studiums der Kulturwirtschaft in Passau fest: Ich werde mein viertes und fünftes Semester in Buenos Aires verbringen. Um genau zu sein, war das auch einer der Hauptgründe, wieso ich den Studiengang in Passau denen in Köln (Regionalstudien Lateinamerika) oder einem Studiengang in Münster (Carrera Alemana Latinoamericana) vorgezogen habe. Warum wusste ich das so genau schon vor dem Studium?

Zwischen Passau und Buenos Aires

Bekannt als besonders internationale Universität, bietet die Universität Passau verschiedene Doppel-Bachelor-oder auch Master – Programme an. Eines davon ist der Doppel-Bachelor mit der Universidad del Salvador (USAL) in Buenos Aires, Argentinien. Der Mix aus iberoromanischen Kulturraumstudien, Sprachen und Wirtschaft hat perfekt zu meinem Interesse an spanischsprachigen Ländern, Kulturen und interkulturelle Kommunikation gepasst. Die Möglichkeit des Doppel-Bachelors hat mich spontan dazu gebracht, in Passau zu studieren.

Dass sich Argentinien, zu der Zeit, zu der ich dort studieren möchte, in einer tiefen Krise befinden wird, welche einen politischen Umschwung mit sich bringt, konnte ich natürlich vor meinem Studium nicht wissen. In meinem letzten Blog habe ich bereits über die Auswirkung der Inflation berichtet und Videos z.B. über den Studentenprotest gegen Javier Mileis Sparpolitik und meine Eindrücke dazu hochgeladen.

Studieren während der Krise?

Obwohl vor meiner Abreise bereits klar war, dass die Wirtschaft und Gesellschaft Argentiniens einer Krise entgegensteuert und sich die Politik im Wandel befindet, hätte ich mich nie gegen den Austausch entschieden. Eher hatte ich Angst, dass dieser womöglich aufgrund der kritischen Situation nicht stattfindet.

Nach drei Monaten hier stelle ich jedoch eine ganz andere Realität fest. Das Leben in Buenos Aires hat für mich zwei Extreme: auf der einen Seite habe ich manchmal das Gefühl, ich lebe hier ein Leben in einer Art europäischen Bubble. Mit meinen drei deutschen Mitstudierenden aus Passau lebe ich in einer sehr sicheren und wunderschönen Gegend, in der wir auch ohne Probleme nachts alleine rumlaufen können. Unsere Universität ist privat, weshalb wir von den Problemen der öffentlichen Universität nicht direkt betroffen sind. Wir erleben eine Stadt voller Kultur, Aktivitäten, Museen und voller Lebensfreude. Die Menschen sind sehr stolz auf ihr Land und ihre Wurzeln. Oftmals macht sich für uns die starke Krise, in dem sich das Land befindet, gar nicht bemerkbar.

Es gibt jedoch auch andere Extreme: Die Auswirkung der Inflation auf Lebensmittel und andere Preise und die schlechte Bezahlung bei Nebenjobs. Fast alle argentinischen Kommilitonen arbeiten in Vollzeit neben der Universität, weshalb unsere Kurse auch teilweiße von 19-23 Uhr stattfinden. Viele Menschen leben auf der Straße und es wird wahnsinnig viel gestohlen, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Zentrum der Stadt ist umgeben von vielen Gebieten, in denen die Leute in kaputten Häusern wohnen müssen. Häufig gibt es dort kein fließendes Wasser oder Strom und das Geld reicht auch kaum für ausreichend Nahrung. mit wenig Platz, ohne fließend Wasser oder Strom auskommen müssen. Villas miserias werden diese Siedlungen genannt.

Würde ich mich wieder für Argentinien entscheiden?

Ganz klare Antwort: JA. Ich habe mich bewusst für ein Land entschieden, dass sehr weit weg von zu Hause und auch außerhalb von Europa liegt. Mir war es wichtig aus meiner Komfortzone und gewohnten Umgebung herauszukommen und ich habe hier in Buenos Aires bereits in sehr kurzer Zeit viel Neues dazu gelernt. Ich bin viel mehr auf mich alleine gestellt und muss Probleme selbstständig angehen.

Es ist eine andere Welt, etwas ganz Neues, auf das ich mir hier einlasse und dabei ist Geduld gefragt. Viele Dinge laufen ganz anders als gewohnt und gedacht, vor allem die Organisation und Planung ist ein starker Kontrast zur deutschen Ordnung. Ich merke, wie ich flexibler werde, mehr Geduld und auch Hoffnung für Dinge habe und mache einfach weiter, auch wenn etwas gerade ganz und gar nicht funktioniert. Die Argentinier haben in meinen Augen eine ganz andere, vielleicht auch unbeschwerte und weniger pessimistische Lebenseinstellung, wie ich es aus Deutschland kenne. Zudem lerne ich ein anderes Universitätssystem kennen und auch die Kultur und das Land sind unglaublich bereichernd. Ich habe noch viel Zeit, weitere Orte des Landes und die Schönheit der Natur und Menschen kennenzulernen, worauf ich mich sehr freue.

Das Auslandssemester hat für meine persönliche Entwicklung viele positive Dinge zu bieten, selbst wenn es auch einige Situationen gibt, in denen ich mich nicht unbedingt wohlfühle und mein Leben zu Hause vermisse. Wie in einem meiner Videos auf TikTok erwähnt habe: Auslandssemester ist eine Achterbahnfahrt. Und ich fahre unglaublich gerne Achterbahn, denn es gibt mir Adrenalin und macht mich glücklich!

Kommentare
  1. Clara del Valle

    9. Juni 2024

    Hallo, danke für deinen tollen Bericht, klingt sehr interessant.
    Kannst du ein Buch oder Bücher empfehlen, mit dem man sich auf das Land Argentinien vorbereiten kann? Ich meine jetzt nicht die üblichen Reiseführer der einschlägigen Reisebuchverlage. Danke und liebe Grüße.
    Clara

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