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Abenteuer Erasmus mit plötzlichem Ende

Abenteuer Erasmus mit plötzlichem Ende

Eigentlich wollte ich es vermeiden, über das Thema Corona zu berichten. Man liest, sieht und hört schließlich seit Monaten überall davon – nun wurde aber auch ich entscheidend davon beeinflusst und musste meine Heimreise schneller als geplant antreten.

Ich sitze im Flugzeug und schaue aus dem Fenster. So schnell kann das gehen in dieser verrückten Zeit. Dabei war mein erster Plan doch ein ganz anderer: Auf dem Rückweg nach Deutschland wollte ich über die Türkei fliegen, um dort meine Freunde vom letzten Erasmus-Semester wiederzusehen. Ein wenig zu optimistisch, das wurde mir mit der Zeit immer bewusster. „Na ja, dann geht es eben Anfang Dezember nach Berlin, um dort meinen besten Freund zu besuchen“. Mit den steigenden Infektionszahlen in Deutschland wurde aber auch dieser Plan immer unwahrscheinlicher und nachdem mein erster Flug gestrichen wurde, konnte ich diese Idee ebenfalls vergessen. „Alles klar, dann genieße ich die Zeit hier noch etwas länger und fliege Anfang Dezember sofort in meine Heimat“. Zwei Wochen später sollte aber dieser Flug ebenfalls gestrichen werden. Dazu wurden nur noch sehr wenige Flüge vor Weihnachten von Zypern nach Deutschland angeboten. Das Risiko, dass ich an Heiligabend nicht bei meiner Familie sein könnte, war einfach zu hoch. Ich habe mich deswegen für die sichere Variante entschieden und befinde mich nun bereits Mitte November auf der Rückreise.

Corona auf Zypern

Mit steigenden Infektionszahlen wurden verschiedene Regeln auf Zypern verschärft. Erste deutliche Auswirkungen zeigten sich mit der Pflicht, eine Maske in der Öffentlichkeit zu tragen, in Kombination mit einer Ausgangssperre zwischen 23 Uhr und fünf Uhr. Zu der Zeit meiner Abreise befand sich Limassol sogar fast in einem kompletten Lockdown. Restaurants durften ihre Gerichte nur noch per Lieferservice anbieten, Bars und Fitnessstudios mussten komplett schließen, Spielplätze waren abgesperrt und dazu wurde die Ausgangssperre erweitert für den Zeitraum von 20 Uhr bis fünf Uhr früh. Auch das Reisen von Limassol aus war nur noch möglich, wenn wir einen wichtigen Grund dazu hatten. Dadurch bestand meine einzige Reise danach nur noch aus der Fahrt von Limassol zum Flughafen Larnaca.

Abgesperrte Spielplätze zeigen erste deutliche Auswirkungen der Pandemie auf Zypern
Abgesperrte Spielplätze entlang der Promenade zeigen deutliche Auswirkungen der Pandemie.

Kleine Insel: ein bedrückendes Gefühl

Ich muss ehrlich sagen, dass ich genau vor diesem Gefühl von Anfang an meiner Reise Respekt hatte. Das Gefühl, sich bei steigenden Infektionszahlen auf einem kleinen Fleck Erde mitten im östlichen Mittelmeer zu befinden. Bei dem Gedanken an einen Corona-Ausbruch hatte ich das Empfinden, dass ich dann gefangen auf einer Insel wäre. Als zu Spitzenzeiten 300 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet wurden, was für das Land mit knapp 1,1 Millionen Einwohnern enorm viele Fälle sind, spürte ich das Unwohlsein der Menschen. Plötzlich hat jeder eine Maske getragen und die Abstände so gut es geht eingehalten. Die Gassen von Limassol waren wie ausgestorben. Es zeichnete sich ein ganz anderes Bild ab, als das, was ich zum Beginn meiner Reise im August hatte. Auch die Regierung hat sofort in wenigen Tagen mit neuen, strengen Regeln reagiert.

Keine Gäste sind in Bars oder Restaurants zu sehen
Leere Gassen und Bars zeichnen ein untypisches Bild von Limassol.

Das Positive sehen

Letztendlich hat es aber trotzdem kaum noch Sinn gemacht, länger zu bleiben, auch wenn ich gerne mehr Zeit mit neuen Freunden auf Zypern verbracht hätte. Ich bin jetzt einfach dankbar dafür, dass ich viele Orte auf der Insel sehen konnte und die Zeit genutzt habe, in der die Infektionszahlen nicht so hoch und die Regeln noch nicht zu streng waren.

Die letzte gemeinsame Fahrt zum Flughafen mit neuen Freunden.
Auf zum Flughafen mit neuen Freunden aus dem Libanon, Griechenland und Tschechien – aber nur ich verlasse die Insel frühzeitig.

Ankommen in Deutschland

Für ein Fazit möchte ich gerne vorher noch einmal in Ruhe die Zeit reflektieren und werde zu diesem Thema noch einen anderen Beitrag verfassen. Jetzt heißt es erst mal ankommen und schauen, was in Deutschland auf mich wartet.

Bis dahin,

Jan

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