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Ein (fast) ganz normaler Tag an der Reykjavik University

Ein (fast) ganz normaler Tag an der Reykjavik University

Es wäre ein ganz normaler Tag mitten im Semester gewesen, wären da nicht ein paar Erdbeben und ein Besuch am Inlandsflughafen. Dadurch wurde der Tag zu einem kleinen Abenteuer.

Noch bevor es eigentlich losging

Es war kurz nach zehn Uhr. Ich wollte mich eigentlich auf ein Treffen mit meinem Professor vorbereiten, dass um 11 Uhr stattfinden sollte. Es sollte darum gehen, ob ich bei ihm meine Bachelorarbeit schreiben kann. Plötzlich klapperte es überall und ich sah, wie meine Brotdose sich auf dem Tisch bewegte. Mein erster Gedanke war: der Wind sei ganz schön stark geworden. Ich merkte aber sofort, dass es nicht der Wind gewesen sein kann und verstand, dass es ein kleines Erdbeben war. Ich stellte mich in den Türrahmen zum Flur des Wohnheims (bei starken Erdbeben sollte man sich in den Türrahmen stellen, da diese meist am stabilsten sind).  Aus den anderen Zimmern kamen meine MitbewohnerInnen. Manche haben noch geschlafen. Einer erzählte mir, dass es letzten Herbst ein ähnlich starkes Beben gab, dass aber deutlich länger gedauert hatte. Wir schauten auf der offiziellen Webseite des Wetterdienstes, auf der auch Erdbeben registriert werden, nach. Das Epizentrum war weniger als 100 Kilometer von Reykjavik entfernt und die Stärke war 5,7. Nach kurzer Zeit gingen alle wieder in ihre Zimmer. Zehn Minuten später bebte es wieder ähnlich stark. Diesmal beschlossen die Mexikanerinnen, die im Wohnheim wohnen und Erdbeben von zu Hause kennen, lieber nach draußen zu gehen. Ich packte auch meine Sachen, da ich sowieso bald in die Uni musste. Draußen spürten wir nochmal ein paar Nachbeben. Insgesamt hatte das Beben aber glücklicherweise keinen größeren Schaden angerichtet.

An der Uni

Ich ging also zur Uni, um mich mit meinem Professor zu treffen. Da wir nur 15 Studenten im Kurs sind, kennt er mich mit Namen. Ich spreche ihn auch mit Vornamen an, wie jeden hier in Island. Nachnamen benutzt man hier fast nicht. Es kann durchaus vorkommen, dass man Personen jahrelang kennt, aber nicht ihren Nachnamen weiß. In seinem Büro lag ein zersplittertes Glas von einem Bilderrahmen auf dem Boden. Das Bild ist beim Erdbeben heruntergefallen.

Wir besprachen, an welchen Projekten ich im Sommer arbeiten könnte. Er gab mir ein Paar wissenschaftliche Publikationen von seinem Institut mit, damit ich für meine Heimatuni meine mögliche Tätigkeit genauer beschreiben kann.

Danach ging ich zu den Lernplätzen der Uni. Es gab noch zwei schwächere Nachbeben. Ich staunte, wie gleichgültig die anderen Studierenden damit umgehen. Ich fragte andere Studierende, wie die Reaktion auf das erste Beben war. Einige hatten sich wohl überlegt sich unter Tischen zu verstecken (gängige Vorsichtsmaßnahme bei Erdbeben). Dem ersten Beben wurde aber ähnlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Lernplatz mit Ausblick aufs Meer
In der Uni hat man bei fast jedem Lernplatz Ausblick aufs Meer.

Warum ich an diesem Tag am Flughafen war

Nach dem Mittagessen ging es für mich von der Uni zum Inlandsflughafen. Dieser ist direkt neben der Uni, ich musste nur fünf Minuten laufen. Dort traf ich mich mit drei anderen Studierenden aus meiner Projektgruppe für den Kurs „DesignX“. Das Ziel dieses Kurses ist, gemeinsam mit einem Unternehmen ein Produkt zu entwickeln. Wir arbeiten mit Isavia , dem Flughafenbetreiber des Inlandsflughafens zusammen. Unser Ziel ist es, ein ferngesteuertes Auto umzubauen, damit dieses autonom auf dem Flughafengelände fährt und Vögel vertreibt. Vögel, die mit startenden oder landenden Flugzeugen kollidieren, können großen Schaden anrichten und für die Flugzeuge gefährlich werden.

Um einen Überblick über den Flughafen zu bekommen, wurden wir vom Verantwortlichen für die Vogelabwehr über den Flughafen gefahren. Er zeigte uns Lautsprecher und andere Einrichtungen, die durch Lärm Vögel vertreiben sollen. Die Vögel gewöhnen sich allerdings daran. Nur vor dem Auto, mit dem wir fuhren, haben sie Angst. Aus diesem Auto muss gelegentlich auf die Vögel geschossen werden, um sie zu vertreiben (auch mit scharfer Monition). Anschließend sprachen wir noch über die genauen Ziele des Projekts. Da wir zeitlich begrenzt sind, ist das Ziel, einen Prototyp zu bauen, den spätere Gruppen benutzen und verbessern können.

In dem Kurs arbeiten wir in Vierergruppen zusammen. Der Besuch am Flughafen half uns sehr unser Konzept zu verbessern. Aktuell sind wir noch in der Planungsphase aber in wenigen Wochen geht es mit dem praktischen Teil los.

 

 

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