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In der Ruhe liegt die Kraft – Studieren in Mexiko

Einige Zeit nach Semesterende reflektiere ich ein wenig über das Studieren in Mexiko. War es eigentlich wirklich so ganz anders als in Bochum? Was waren die Unterschiede zwischen Erasmus und dem Studium außerhalb von Europa? Worauf muss man sich also einstellen, wenn man in Mexiko studieren will?

Natürlich gibt es gewisse Unterschiede, die sofort auf der Hand liegen. Die Sprache zum Beispiel. Klingt banal, ist aber ein wichtiger Faktor. Je schneller man sich von der Ambition verabschiedet, jedes Wort im Seminar verstehen zu wollen, desto weniger lässt man sich aus der Ruhe bringen. Im Nachgang meines Erasmusjahres in Spanien hatte ich es etwas bedauert, in den Seminaren sehr passiv gewesen zu sein. Deshalb zwang ich mich in Mexiko gleich von Woche eins an, meinen Senf dazu zu geben. Selbst, wenn es erstmal wie unsinniges Gestammel wirkte. Ich war überrascht, wie oft meine Beiträge dann doch die Diskussion lenken und bereichern konnten. Dabei half auf jeden Fall, dass sich meine Profs und Kommilitionen sehr interessiert für meine Perspektive auf die Dinge zeigten.

Tafel mit Mindmap
Da hilft nur sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit

Mexiko ist nicht Erasmus!

Wenn man nach einem geeigneten Ort für sein Auslandsstudium sucht, sollte man sich im Klaren sein, was einen an „Infrastruktur“ erwartet. Oder eben nicht erwartet: In Mexiko gibt es kein Erasmus-Student-Network (ESN), das jede Woche günstige Reisen und Partys anbietet. Hier ist eher „do it yourself“ angesagt. Es gab keine Willkommenswoche oder Einführungsveranstaltungen, überhaupt war ich anscheinend der einzige Austauschstudent auf dem Campus. Der freundliche Händedruck der Koordinatorin musste als Zeremoniell also reichen, danach ging das Semester los. Auch wenn ich auch so gut gestartet bin und es viele hilfsbereite Menschen gab, wurde mir der Unterschied zu Erasmus an dieser Stelle dann doch deutlich.

Reg dich nicht auf, denn es ändert nichts

Auch wenn ich diesen weisen Satz selbst nicht immer beherzigen konnte: man sollte die Dinge gelassen nehmen. Es kann passieren, dass man sich selbst morgens ziemlich beeilt und den Kaffee überhastet reinkippt, nur um dann an der Uni eine Stunde nach Seminarbeginn immer noch auf den Dozenten zu warten. Während mich das zu Beginn noch zur Weißglut trieb, passte ich nach einiger Zeit meine Ankunftszeit einfach auch etwas den Gewohnheiten an. So war das Frühstück auch gleich viel entspannter. Was ich bis heute nicht verstehe: Konferenzen mit teilweise internationalen Gästen (die also sicherlich etwas länger feststanden) wurden uns oft erst einen Tag vorher als obligatorischer Termin angekündigt. Fairerweise sei aber gesagt, dass sich auch niemand beschwerte, wenn ich da wegen bereits gemachter privater Pläne mal fehlte.

Konferenz
Zwar interessant aber sehr kurzfristig angekündigt: Konferenzen unserer Fakultät

Ungeliebte Seminare lieben lernen

Über die Vorbereitung meines Studiums in Mexiko habe ich bereits hier geschrieben. Bis zu meiner Ankunft war ich noch im Glauben, ich hätte bei meinen Kursen eine Wahl. Vor Ort wurde ich dann aber eines besseren belehrt. Ich sollte also ein Modul zu NAFTA, dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen belegen. Häh? Bisher wusste ich nur, dass das für die beteiligten Länder dann doch irgendwie alles doof gelaufen war mit NAFTA. Aber gut, man redet ja immer davon, seinen Horiont zu erweitern, hier war also die Gelegenheit. So unzugänglich war das Thema dann doch nicht und ein bisschen amerikanische Außenpolitik war auch dabei. Dabei war es total interessant die mexikanischen Einschätzungen kennenzulernen. Inhaltlich nützlich waren die einzelnen Seminare für mein Studium in Bochum eher nicht, aber es geht ja auch um das große Ganze. An Learning Agreement im Vorfeld war jedenfalls nicht zu denken, die Anrechnung wird also noch mal spannend.

Mal eben eine Masterarbeit erfinden

In Mexiko ist es üblich, dass die Studenten von Tag 1 des Masters an ihrer Masterarbeit schreiben. Über meine Abschlussarbeit hatte ich mir bis dato eher wenig Gedanken gemacht. Da es aber einen Kurs gab, der sich nur mit dem Weiterkommen in der Masterarbeit beschäftigte, wurde von mir erwartet auch an irgendwas zu arbeiten. Also saugte ich mir schnell ein Thema aus den Fingern und schrieb eine Mini-Masterarbeit über die Stellung Indiens in internationalen Organisationen. Das Ganze hat mir nicht unbedingt geschadet, aber sowas vorher zu wissen, wäre auch nicht schlecht gewesen…

Kein Shot mit halb Europa aber ein paar wirklich gute Freunde

Bei meinem Erasmus-Jahr habe ich gefühlt mit hunderten anderen Austauschstudenten angestoßen und viele neue Freunde gefunden. Einheimische habe ich dabei aber wenige kennengelernt. In meinem Studiengang in Mexiko waren nur 12 Leute, und die meisten davon sind wirklich sehr gute Freunde geworden. Sie unterstützten mich, wenn ich wichtige Infos überhört hatte und gaben sich wirklich Mühe, mich zu integrieren. Ob die Einladung zu einer Bierverkostung, die Abschiedsparty im Hause der Oma oder unzählige Mittagessen nach den Seminaren, ich war immer Teil der „Relaciones Internacionales“-Crew, wofür ich sehr dankbar bin. So war im Endeffekt auch kein formales Rahmenprogramm nötig, um mich gut zurecht zu finden.

Ich mit 2 mexikanischen Freunden
Gute Freunde sind die beste Hilfe

Tolle akademische Erfahrung mit Hindernissen

Es lief akademisch und organisatorisch nicht alles glatt. Das hatte ich aber ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Und trotzdem hat mich das Semester in Mexiko auch akademisch weitergebracht. Ich kann nun auch in Spanisch relativ wissenschaftlich arbeiten und habe inhaltich so einiges über den nordamerikanischen Kontinent mitgenommen (ja, Mexiko gehört zu Nordamerika). Ich lege also jedem ans Herz, über ein Studium in diesem tollen Land nachzudenken. Infos dazu gibt es schließlich direkt hier bei mir oder bei Correspondent-Kollegin Laura, die in Puebla studiert hat. 🙂

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