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Alles für einen Truthahn – wo man in Sevilla spart und wo nicht

Alles für einen Truthahn – wo man in Sevilla spart und wo nicht

Das Leben in Spanien ist grundsätzlich etwas preiswerter als Deutschland und das Leben in Andalusien ist grundsätzlich etwas preiswerter als im Rest Spaniens. Sevilla tanzt da ein wenig aus der Reihe. Kurzum: die Preise unterscheiden sich hier nicht großartig von denen in Deutschland – manches ist trotzdem etwas anders. Über Äffchen, Dollarnoten und Wasserpistolen.

Vor meinem Erasmusaufenthalt sitze ich bei meiner besten Freundin auf der Couch. Ich suche entspannt nach einem WG-Zimmer in Sevilla – mit einem Pfefferminztee in der Hand und dem Smartphone in der anderen. Sie sucht gerade – und „gerade“ meint hier „seit Monaten der Verzweiflung“ – eine bezahlbare Wohnung in Köln. Ab und zu halte ich ihr mein Smartphone unter die Nase und ärgere sie mit den Quadratmeterpreisen, die ich auf Seiten wie Milanuncios oder Idealista finde – das hilft nicht wirklich. 6 Euro, 4 Euro, 2 Euro – in der viertgrößten Stadt Spaniens wohnt es sich preiswert, wenn man keine hohen Ansprüche hat – und ich habe praktisch keine. Ich suche ein Bett zum Schlafen und Mitbewohner, mit denen ich gut klarkomme; die Wohnung sollte am besten in der Nähe meiner Fakultät sein, aber da käme ohnehin am ehesten der Stadtteil Macarena in Frage und der gehört zu den preiswerteren der Stadt.

Hier sind wir also. In Macarena – 80 Quadratmeter pures Glück. Ein kleines Zimmer (10 Quadratmeter) und zwei Mitbewohner (je 1,9 Quadratmeter Haut). Gibt es alles für 233,33 Euro im Monat.

Der erste Wocheneinkauf mit der WG

Ich muss an der Kasse schlucken. 120 Euro stehen auf dem Zettel. Unser Einkaufswagen ist zugegebenermaßen ziemlich voll. Dabei fällt ins Gewicht, dass in Spanien für gewöhnlich mittags und abends warm gegessen wird. Und mein Mitbewohner Jesús ist eingefleischter und eingefischter Hobbykoch, der mich ganz böse anschaut, als ich mich mit Cornflakes dem Einkaufswagen nähere.

„Aber da ist ein Äffchen auf der Schachtel!“
„Das Zeug esse ich nicht!“ (er hat in Wahrheit nicht „Zeug“ gesagt.)

Ich packe das Äffchen trotzdem in den Einkaufswagen. Am Ende teilen wir den Gesamtbetrag durch drei. So kommen wir – ganz grob geschätzt – auf durchschnittlich 30 bis 40 Euro pro Woche und Person.

In der Mensa meiner Fakultät

Jesús kocht wirklich fantastisch und ausgewogen, aber wenn ich alle drei Wochen schon mal in der Uni bin, esse ich auch gleich dort. Der Typ an der Ausgabe fragt mich nach meinem ersten Teller. Ich zeige mit dem Finger drauf, denn mein kulinarisches Vokabular ist noch ausbaufähig. Dann fragt er nach dem zweiten Teller. Ich bin etwas überrumpelt und finde später das alles hier auf meinem Tablett:

Wasser, Calamaris mit Pommes und Risotto auf einem Tablett.

… für preiswerte 4,85 Euro.

Wissenswertes in Sachen Geld

$$$

Am Wochenende gehen meine Mitbewohner und ich Tapas essen. Die typischen spanischen Häppchen kosten in Sevilla um die drei Euro. Reichlich Auswahl haben wir auf der Alameda de Hércules („Allee des Herkules“) – einen kurzen Text dazu gibt es auf meiner Seite unter dem Reiter #Lieblingsorte.

Zwei römische Säulen am Anfang der Allee mit Bäumen rechts und links.
Die römischen Säulen auf der Alameda mit Herkules und Caesar obenauf.

Und diese Säulen haben im Grunde auch mit Geld zu tun. Einer Theorie nach hat das Dollarzeichen ($) seinen Ursprung in den Säulen des Herkules. Man findet sie nämlich nicht nur auf der Alameda, sondern etwa auch im spanischen Wappen. Und Kaiser Karl V (Carlos I in Spanien) prägte im 16. Jahrhundert seine Münzen damit, womit es sich als Gewichtszeichen für Gold durchsetze. Der senkrechte Strich (oder eben zwei) symbolisiert dabei die Säule/n, das „S“ ein Spruchband.

Spanische Euromünzen

Heute wird in Spanien mit Euro bezahlt. Auf den Münzen sieht man übrigens Folgendes:

Büste von Juan Carlos I auf der Rückseite einer 1-Euro-Münze.
1 und 2 Euro: Porträt des spanischen Königs Juan Carlos I.
Miguel de Cervantes auf der Rückseite einer spanischen 50-Cent-Münze.
50, 20, 10 Cent: Der Schriftsteller Miguel de Cervantes, bekannt durch sein Werk „Don Quijote de la Mancha“ – übrigens das zweitmeistgelesene Buch der Welt. Welches auf Platz 1 liegt, beantworte ich am Ende dieses Artikels.
Kathedrale auf der Rückseite einer spanischen 5-Cent-Münze.
5, 2 und 1 Cent: Die Kathedrale von Santiago de Compostela im nordspanischen Galicien – Ziel des Jakobswegs.

„Das kostet einen Truthahn!“

Die Redewendung geht auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Vor der Einführung des Euro wurde in Spanien mit Peseten bezahlt (1 Euro ≙ ca. 166 Peseten). Die 5-Peseten-Münze wurde Pavo („Truthahn“) genannt, denn für die konnte man am Markt einen ebensolchen kaufen. Noch heute ist die Redewendung geläufig. Wenn in Spanien etwas einen Truthahn kostet, dann ist es preiswert.

Mobilität

Raus aus der Kneipe, ab nach Hause. Wegen des Gesundheitsalarmzustands schließen gastronomische Betriebe um 22 Uhr und es fahren nur noch wenige Busse. Schade, denn ich habe so eine schicke Karte, die ich in Tabakläden oder Kiosken aufladen kann, und mit der ich dann nur 70 Cent pro Fahrt bezahle. Aber nicht weiter schlimm, denn in spanischen Großstädten sind Fahrdienste wie Uber und Cabify sehr gut ausgebaut. Damit fährt es sich preiswerter als mit dem Taxi.

„Zum Chinesen gehen“

Am nächsten Morgen wird unser neues Ceranfeld geliefert. Das alte hatte schon bei unserem Einzug einen Riss und unsere Vermieterin hat sich schnell darum gekümmert (auf eigene Kosten). Das Problem: das neue Ceranfeld ist zu groß und passt nicht ins Loch in der Arbeitsplatte.

Meine Mitbewohner – einer bei der Arbeit, der andere im digitalen Seminar – schicken mich zum Chino („Chinesen“). Ich halte noch immer das Ceranfeld in den Händen und frage mich, wie uns gerade Hühnchen-süß-sauer weiterhelfen soll, aber der Mitbewohner erklärt: „Der Chino ist eine Art Ein-Euro-Laden, in dem es ALLES gibt und sicherlich auch eine Feile, um das vermaledeite Loch zu vergrößern.“ (Er hat in Wahrheit nicht „vermaledeite“ gesagt.)

Und da stehe ich im gedrängten Laden zwischen dreimeterhohen Regalen. In denen findet sich das gesamte Inventar eines Supermarktes, Spielzeugladens, Elektronikhandels und Spirituosengeschäfts.

Wer suchet, der findet hier. Und nach einer Weile finde ich: eine Feile (2,50 Euro), eine Dreifachsteckdose (2,20 Euro), eine kleine Espressokanne (8,50 Euro), eine Packung Chips (1 Euro) und eine Wasserpistole (1 Euro).

Auflösung: Das meistgelesene Buch der Welt ist die Bibel.

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