studieren weltweit
Finanziell überleben in Tel Aviv – wie geht das?

Finanziell überleben in Tel Aviv – wie geht das?

Eine teure Stadt – dabei denken die meisten wohl an Singapur, Paris und Zürich. Doch auch Tel Aviv ist nicht ohne. Tatsächlich gehört die israelische Großstadt an der Mittelmeerküste laut mehreren Rankings zu den teuersten Städten der Welt. Wie ich es schaffe, meine Miete und Rechnungen sowie anderweitige Lebenshaltungskosten in Tel Aviv zu bezahlen, erfahrt ihr in diesem Blogeintrag.

Dank meiner Sprachassistenz kann ich mir ein schönes Leben in Tel Aviv leisten. Dies ist aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten hier mitnichten selbstverständlich.
Dank meiner Sprachassistenz kann ich mir ein schönes Leben in Tel Aviv leisten. Dies ist aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten nicht selbstverständlich.

Wie viel Geld bekommt man?

Als Sprachassistent des DAAD bin ich in der komfortablen Situation, im Ausland Lehrerfahrung im Bereich Deutsch als Fremdsprache sammeln zu können und dabei gleichermaßen gut zu verdienen. Bewerber, die sich im DAAD-internen Vorstellungsgespräch durchsetzen und von der jeweiligen Zielinstitution angenommen werden, erhalten für die Dauer ihrer Sprachassistenz ein Stipendium. Dieses besteht aus zwei Teilen, dem Grundstipendium von 1.300 € und einem länderspezifischen Anteil, der sich nach den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Gastland richtet (bis maximal 1.800 €). Während meines Aufenthalts in Tel Aviv erhalte ich mit 1.800 € tatsächlich die Höchstrate. Das ist etwas mehr Geld als im Oman (1.600 €), in dem ich aufgrund bürokratischer Hindernisse in Israel im kommenden Jahr meine Sprachassistenz fortsetzen werde.

Reicht das?

Das vom DAAD bewilligte Stipendium ist einGlücksfall, auch in finanzieller Hinsicht. Die Auszahlung des Stipendiums erfolgt monatlich ab dem 1. August, obgleich das akademische Jahr im Gastland weitaus später beginnen kann. Tatsächlich habe ich die Sprachassistenz im vergangenen Jahr aufgrund der jüdischen Feiertage erst gegen Mitte / Ende Oktober aufnehmen können. So wurde ich bereits volle zweieinhalb Monate lang bezahlt, ohne auch nur eine einzige Unterrichtsminute abgehalten zu haben. Dies ist insbesondere für Sprachassistentinnen und -assistenten aus einkommensschwächeren Familien toll. So können sie sich auch in teureren Städten und Ländern ihren Aufenthalt ohne größere finanzielle Probleme leisten. Außerdem bekommt man so die Chance, sich bereits vor Beginn des akademischen Jahres im Gastland sowie in der jeweiligen Stadt einleben können.

Auf der anderen Seite kann man Geld zur Seite legen und während des akademischen Jahres mehr ausgeben, sofern man reisen oder einen teureren Lebensstil pflegen möchte. Ich konnte mit dem Geld auch finanzielle Verluste abfedern, zum Beispiel als mir mein Elektroscooter gestohlen wurde. Da ich meine Sprachassistenz verlängern werde, erhalte ich bis zum Sommer 2020 monatlich mein Stipendium und werde so wie im letzten Jahr auch im Sommer ohne arbeiten zu müssen weiterbezahlt. In diesem Sommer hingegen wird ab Ende der Dauer meiner Sprachassistenz hier in Israel das Stipendium automatisch auf die Rate für den Oman umgestellt, weswegen ich anstatt der 1.800 € „lediglich“ 1.600 € erhalten werde. Das ist jedoch insbesondere aufgrund der Anzahl der wöchentlich zu erbringenden Stunden und der Sommerpause mehr als nur großzügig.

Dank des Stipendiums sind auch teurere Anschaffungen wie ein Elektroscooter möglich. Selbst Verluste oder Diebstähle können mithilfe des Stipendiums finanziell aufgefangen werden.
Dank des Stipendiums sind auch teurere Anschaffungen wie ein Elektroscooter möglich. Selbst Verluste oder Diebstähle können mithilfe des Stipendiums finanziell aufgefangen werden.

Was bringt mir das Stipendium noch?

Ich habe zusätzlich noch einen Pauschalbeitrag für internationale Reisekosten erhalten, der je nach Gastland variiert. Hierbei wird allerdings nicht je nach Lebenshaltungskosten des Landes, sondern nach Entfernung zu Deutschland gestaffelt. Aus diesem Grund erhalte ich für Tel Aviv einen höheren Betrag als beispielshalber Sprachassistentinnen und -assistenten, die in Mailand oder Paris unterrichten. Im Umkehrschluss erhalte ich hingegen für den Oman mehr Reisegeld als für Tel Aviv. Den Sprachassistentinnen und -assistenten ist es selbst überlassen, wie und ob sie dieses Geld ausgeben. Da ich über Weihnachten zu Hause sein wollte und auch für ein Auswahlgespräch nach Deutschland geflogen bin, reichen meine Reisekosten (auch infolge des Hin- und Rückflugs zu Beginn bzw. gegen Ende meines Aufenthaltes in Tel Aviv) nicht aus. Dies ist allerdings kein Problem, weil ich mit meinem Stipendium umsichtig umgehe und die Mehrkosten dank des Grundbeitrags mühelos stemmen kann. Darüber hinaus übernimmt der DAAD während des Auslandsaufenthaltes die Kosten für eine Kranken-, Unfall und Privathaftpflichtversicherung. Auch ein Semestersprachkurs bzw. ein Sprachkurs vor Beginn des akademischen Jahres wird vom DAAD finanziell übernommen. Allerdings muss dieser Kurs an einer Hochschule stattfinden.

Fazit

Ein Auslandsaufenthalt als Sprachassistent kann sich auch in finanzieller Hinsicht durchaus lohnen. Natürlich sollte je nach finanzieller Situation abgewogen werden, ob man sich das jeweilige Gastland leisten kann bzw. eher ob man eher mehr Geld vom Stipendium zur Seite legen möchte. So unterscheiden sich die Lebenshaltungskosten beispielshalber in Kairo und Tel Aviv gänzlich voneinander. Während meines Auslandssemesters an der Ain-Shams-Universität in Kairo habe ich im ganzen Monat (inklusive Miete) ca. genauso viel Geld ausgeben, wie lediglich die Hälfte meiner Miete in Tel Aviv kostet, Neben- und Lebenshaltungskosten nicht eingerechnet. Trotz der unterschiedlichen Stipendienhöhe für Ägypten bzw. Israel kann dieser eklatante Unterschied nicht wirklich ausgeglichen werden. Allerdings habe ich das Glück, in eine wohlhabende Familie hineingeboren und privilegiert aufgewachsen zu sein. Hierbei möchte ich meiner Familie meinen unermesslichen Dank ausdrücken. Mitnichten möchte ich hiermit indes ausdrücken, dass finanziell schwächere Bewerberinnen und Bewerber Tel Aviv und andere teure Ziele meiden sollten. Allerdings sollte dies zumindest bedacht werden, wenn man bei der Bewerbung seine Prioritäten wählt. Sofern man wie ich über die Sprachassistenz hinaus noch vereinzelt Privatkurse gibt und ein bisschen auf sein Geld achtet, sollte einem wunderschönen Aufenthalt in Tel Aviv in finanzieller Hinsicht ohnehin nicht allzu viel im Wege stehen.

Das Stipendium erlaubt es mir, ohne finanzielle Sorgen meine Sprachassistenz absolvieren zu können. Auch das Rumreisen in Israel ist damit möglich, wie hier ein schickes Abendessen mit Fisch und Weißwein am See Genezareth.
Das Stipendium erlaubt es mir, ohne finanzielle Sorgen meine Sprachassistenz absolvieren zu können. Auch das Rumreisen in Israel ist damit möglich, wie hier ein schickes Abendessen mit Fisch und Weißwein am See Genezareth.

 

Kommentieren

Bitte beachte, dass dein Kommentar nach dem Absenden erst von unserer Redaktion gesichtet werden muss. Aus diesem Grund kann das Erscheinen deines Kommentars etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Mehr über #Tel Aviv

Tipps, Erlebnisse und Infos zu Tel Aviv