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Mein Alltag als Sprachassistent in  Tel Aviv

Mein Alltag als Sprachassistent in Tel Aviv

Gegenwärtig bin ich Sprachassistent des DAAD an der Universität Tel Aviv und unterrichte Deutsch als Fremdsprache an einer der renommiertesten israelischen Hochschulen. Wie ich zu diesem Job gekommen bin, wie ich nach einer bewerbungstechnischen Odyssee durch Nordafrika und Nahost in Tel Aviv gelandet bin und was ich genau bei meiner Sprachassistenz machen muss, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

Am Meer in Jaffa mit Blick auf den Strand von Tel Aviv
Auf dem Foto befinde ich mich in Jaffa, dem arabischen Teil Tel Avivs, und gucke auf das Meer und den Strand von Tel Aviv.

Sprachassistenz – was bedeutet das?

Das Sprachassistenzprogramm ist eine gute Gelegenheit für Lehrer, die später Deutsch als Fremdsprache unterrichten werden, zu Beginn ihrer Karriere Berufs- wie Auslandserfahrung zu sammeln. So unterrichtet man als Sprachassistent je nach Zielinstitution reguläre Sprachkurse und gibt Konversationskurs sowie teils Übungen hinsichtlich der deutschen Grammatik und Phonetik.

Wie bin ich zu diesem Job und Tel Aviv gekommen?

Meine unterschiedlichen Optionen für die Sprachassistenz
Meine unterschiedlichen Optionen für die Sprachassistenz

In jedem Jahr gibt es unterschiedliche Ausschreibungszeiträume, in denen sich Interessenten für diverse Institutionen in verschiedensten Ländern auf der ganzen Welt bewerben können. Aufgrund persönlicher Beweggründe habe ich mich ursprünglich für das Vereinigte Königreich beworben, genauer gesagt für London, Edinburgh und Exeter. Und obgleich ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden bin, habe ich leider keine der Stellen bekommen. Dies sollte sich als ein glücklicher Zufall, herausstellen. So wurde mir im Gespräch angedeutet, dass ich aufgrund meiner Studien größere Chancen im Nahen Osten sowie in Nordafrika habe. Infolgedessen habe ich mich (in absteigender Reihenfolge) für Tel Aviv, Teheran und Tunis beworben. Obgleich Tunesien lediglich meine dritte Priorität war, wurde ich bezüglich einer Sprachassistenz in Tunesien eingeladen. Und obgleich ich das Vorstellungsgespräch gemeistert habe (unter anderem auf Französisch und Arabisch), sollte ich nach Jordanien geschickt werden. Dass ich letzten Endes in Tel Aviv gelandet bin, ist eine glückliche Fügung des Schicksals. So waren anders als bei anderen Referaten die Stellen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika trotz der Einladung zum Vorbereitungsseminar noch nicht final vergeben worden. Am letzten Tage des Seminars hat der DAAD entschieden, sämtliche Bewerber einzeln in ein Zimmer vorzuladen und die Stellen zu vergeben. Nachdem eine Freundin die Stelle als Sprachassistenz an der Universität Teheran (Iran) erhalten hatte, ging es weiter mit IS – Israel. Genauso wie die anderen Bewerber war auch ich perplex, als ich ins Zimmer gebeten wurde. Schließlich bin ich davon ausgegangen, erst später (bei J- Jordanien) ausgerufen zu werden. Der DAAD hat mir sehr überraschend, aber erfreulicherweise erklärt, dass er mich letzten Endes doch für meine erste Priorität, sprich Tel Aviv, berücksichtigen konnte und wollte. Somit muss ich retrospektiv der Auswahlkommission für die Ablehnung meiner Bewerbung für das Vereinigte Königreich dankbar sein (auch wenn mir insbesondere London und Edinburgh auch sehr gefallen hätten). So habe ich in Tel Aviv ein wunderschönes Jahr verbringen können und eine neue Heimat gefunden.

Was genau unterrichte ich?

Hier bereite ich meinen Kurs am Kikar Rabin (Rabinplatz), der ca. eine Gehminute von meinem Zuhause entfernt ist, vor.
Hier bereite ich meinen Kurs am Kikar Rabin (Rabinplatz), der ca. eine Gehminute von meinem Zuhause entfernt ist, vor.

An der Universität Tel Aviv sieht das Sprachassistenzprogramm vor, dass der / die SprachassistentIn einerseits einen regulären Deutschkurs auf dem Niveau A1 für StudentInnen aus dem Bachelorprogramm „European Studies“ gibt. Die Studenten lernen viel über europäische Politik und insbesondere politische Institutionen Europas, insbesondere die Europäische Union. Das Programm sieht einen einjährigen akademischen Aufenthalt an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf vor. Obwohl meine StudentInnen ihr Studium auch in Deutschland auf Englisch fortsetzen werden, brauchen sie trotzdem Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Da das Niveau mit A1 recht gering ist, setzen wir uns mit einfacheren Phänomenen des Deutschen und Themen auseinander. Während wir zu Beginn der Woche die Einführung in das Perfekt mit regel- und unregelmäßigen Verben anhand der Thematik „Reisen“ abgeschlossen haben, beschäftigen wir uns derzeit mit „Essen und Trinken“.

Zusätzlich zu dem erwähnten Kurs gebe ich auch Konversationskurse sowohl für AnfängerInnen als auch Fortgeschrittene. Hierbei lasse ich die StudentInnen aktiv den Unterricht mitgestalten, da ich sie nicht in meinen regulären Kursen habe und nicht weiß, was sie in ihren anderen Kursen bereits gelernt haben. Grundsätzlich überlege ich mir stets eine Idee oder ein Konversationsthema, mit der / dem ich die StudentInnen zum Reden bringen kann. Allerdings kommen sie ganz oft mit ihren eigenen Wünschen, die ich selbstverständlich respektiere und auf deren Grundlage der Unterricht vonstattengeht. Auf diese Weise gucke ich oftmals mit meinen AnfängerInnen kleine Clips auf einem einfachen Sprachniveau an, analysiere Kinderlieder oder lese kurze Geschichten mit ihnen.

Mit meinen fortgeschrittenen Lernenden kann ich über mehr Themen wie beispielshalber Reisen, Traditionen, Politik etc sprechen. Auch habe ich oft Diskussionsthemen zum Argumentieren dabei, wobei auch diese Gespräche lediglich auf einem fortgeschrittenen A-Niveau, bestenfalls B1-Niveau geführt werden können. Im Vergleich zu den kürzeren Clips mit den Anfängern kann ich mit diesen Studenten bereits längere Videos angucken. So habe ich letzte Woche das Thema Ost-/Westdeutschland sowie Wiedervereinigung aufgegriffen und diesbezüglich einen Spielfilm ausgewählt, der an die Vorführung anschließend diskutiert wurde. Da bei „Goodbye Lenin“ und „Das Leben der Anderen“ die Gefahr bestand, dass die StudentInnen diese Filme bereits angeguckt haben, habe ich mich letzten Endes für den vergleichsweise weniger bekannten Film „Berlin is in Germany“ entschieden.

Wie sieht mein Arbeitsalltag aus?

Ich bereite meinen Kurs oftmals in der Stadt vor, hier auf dem Ben Gurion Boulevard unweit meiner Wohnung.
Ich bereite meinen Kurs oftmals in der Stadt vor, hier auf dem Ben Gurion Boulevard unweit meiner Wohnung.

Meine StudentInnen des A1-Kurses arbeiten tagsüber, weswegen ich stets am Abend unterrichte und wir uns zweimal die Woche (montags und mittwochs) von 18 bis 20 Uhr treffen. Meine Konversationskurse finden stets dienstags von 16 bis 18 Uhr ct (AnfängerInnen) sowie von 16 bis 18 Uhr ct (Fortgeschrittene) statt. Mein Wochenpensum beträgt also acht Semesterwochenstunden an der Universität. Selbstverständlich kommt noch die Zeit hinzu, in der ich meinen Unterricht vorbereite. Ich mache mir Gedanken basierende auf der anstehenden Lektion und der Grammatik, die vermittelt werden soll,  erstelle eine Lehrskizze und sammle dafür online und offline Material.

Ich habe diverse Lieblingsorte in Tel Aviv gefunden, an denen ich meine Kurse vorbereite. Da meine Kurse recht spät und nicht allzu oft stattfinden, steht mir praktisch die ganze Woche zur Vorbereitung zur Verfügung. Mit erlaubt die Sprachassistenz also, im Ausland und insbesondere in Israel Arbeitserfahrung sammeln und gleichzeitig meine Zeit in Tel Aviv genießen zu können. Dafür bin ich dem DAAD und der Universität hier überaus dankbar.

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