24. Dezember 2025
Ich bin mit der ersten Hälfte meines Auslandsaufenthalts fertig. Deshalb gebe ich euch einen kleinen Zwischenstand meiner bisherigen Eindrücke.
Kurz bevor es losging dachte ich mir: Frankreich ist nicht weit entfernt, das läuft schon alles. Einsteigen, ankommen, los geht’s. In der Realität fühlte sich der Start trotzdem seltsam an. Neue Stadt, neue Abläufe, andere Sprache im Alltag. Plötzlich waren selbst die einfachsten Dinge wie einkaufen aufgrund der Sprachbarriere, ungewohnt. Die ersten Wochen waren deshalb definitiv Eingewöhnung. Ich musste erstmal Fuß fassen, habe gelernt wie die Dinge hier funktionieren und meine Routinen etabliert.
Kontakte knüpfen geht schnell und einfach
Der Anschluss kam direkt über die Uni. Dort entstehen Kontakte fast automatisch, weil man viele Leute immer wieder sieht und gemeinsam an Projekten arbeitet. Dazu kommt: Es gibt hier ein Erasmus-Netzwerk. Dieses organisiert regelmäßig Veranstaltungen, teilweise mehrmals die Woche. Damit ist es nicht schwer, neue Leute kennenzulernen.

Franzosen bleiben oft unter sich
Eine Beobachtung hat sich mir klar gezeigt: Viele Franzosen bleiben eher unter sich und haben / möchten wenig Kontakt mit internationalen Studierenden. Das ist keine große Kritik, eher ein Muster, das mir aufgefallen ist.
Mein engerer Kreis ist deshalb auch eher deutsch geblieben und dazu kamen mit der Zeit internationale Studierende dazu. Kontakt zu einheimischen Franzosen ist bei mir eher auf der Strecke geblieben.
Überhaupt keinen Kontakt zu Franzosen hatte ich aber auch nicht. Meine Schule macht da einen guten Job. Durch Gruppenarbeiten arbeite ich regelmäßig mit Leuten aus vielen Ländern zusammen, darunter auch Franzosen.
Das System der Hochschule – Mehr Druck, mehr Chancen
An das System in der Uni habe ich mich mittlerweile gewöhnt. In meiner bisherigen Erfahrung in Deutschland gab es oft nur eine Klausur am Ende des Semesters und fertig. Hier in Frankreich ist das anders. Ich habe nicht nur einen großen Moment an dem ich geprüft werde, sondern mehrere Abgaben und Leistungsnachweise über das Semester verteilt. Ich finde das inzwischen ziemlich gut. Warum?
Weil ich konstant am Ball bleibe und mehr Chancen habe zu zeigen, dass ich lerne und Leistung bringe. Und weil ein schlechter Tag nicht direkt das ganze Semester kaputt macht. Auf der anderen Seite ist der Druck höher. Der Workload ist größer. Die Inhalte wirken für mich zwar oft einfacher als in Deutschland, aber die Menge macht es. Ich habe das besonders jetzt gemerkt, weil ich bis zum Tag vor Heiligabend noch an einer Abgabe saß, die ich fertig bekommen musste.
Gut ist: Die Professoren sind gut erreichbar, wenn Fragen da sind. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich allein vor einem Problem stand. Unter den Studierenden sind wir auch gut vernetzt. Wir helfen uns gegenseitig und tauschen uns regelmäßig aus.

Kleine Umstellungen im Alltag
Neben der Uni gibt es auch Unterschiede im Alltag. Die meisten Dinge die es in Deutschland gibt, gibt es hier auch. Ich musste mich eher bei Kleinigkeiten umstellen. Ein Beispiel: Es gibt hier keinen Magerquark. Ich habe stattdessen Fromage als Alternative gefunden, was ziemlich ähnlich ist.
Was ich auch gemerkt habe: Supplemente, also Nahrungsergänzungsmittel, sind schwerer zu bekommen. In Deutschland würde man die recht schnell im Supermarkt finden. Hier wirkt das weniger verbreitet. Entweder ist der Hype kleiner oder die Nachfrage ist einfach nicht so da.
Und beim Sport habe ich das Gefühl, dass weniger Leute trainieren. Das kann aber auch an meiner Bubble liegen. In Deutschland war ich in einer Umgebung, in der viele Sport machen. Hier wirkt es anders. Vielleicht ist das nur ein Vergleich, der schief hängt.
Und jetzt?
Unterm Strich habe ich mich eingelebt und schaue positiv auf das zweite Semester. Der Start war holpriger als erwartet aber vielleicht war genau das auch notwendig um sich schnell hineinzufinden.