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Indien für Anfänger

Indien für Anfänger

Wie ist es denn so in Indien? Ist das Essen echt so scharf und stimmt es, dass überall Kühe rumstehen? Ich will euch zeigen wie ich die erste Zeit in Indien erlebt habe und warum dieses Land mich immer wieder herausfordert.

Durch ein Auslandssemester an der Delhi University während meines Bachelors und einem Praktikum an der Deutschen Schule New Delhi habe ich schon einmal indische Luft geschnuppert. In dieser Zeit habe ich knapp die Hälfte der 29 Bundesstaaten Indiens bereist, viele Menschen getroffen und nicht zuletzt ein Semester lang in Indiens Hauptstadt gelebt. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich Indien in dieser Zeit nur ein wenig kennen und verstehen gelernt habe. Denn gelernt habe ich damals vor allem, dass ich hier Jahrzehnte verbringen müsste, um alles so zu verstehen, wie ich es in meiner Heimat tue. Und nicht mal da verstehe ich alles. Nicht zuletzt, weil mir oftmals das nötige Vorwissen fehlt, um viele Begebenheiten in einen größeren Kontext stellen zu können. Ich kann also sicher keine allgemein gültigen Aussagen liefern, aber ich kann euch ein paar Dinge zeigen, die mir hier an jedem Ort begegnet sind und die euch den Einstieg in die größte Demokratie der Welt hoffentlich erleichtern.

Essen

Ich esse oft an Straßenständen, weil es dort günstiger ist und teilweise auch besser schmeckt. Aber vorsichtig: Unsere Mägen sind die Bakterien hier nicht gewohnt und da kann der Magen leicht an einer Reizüberflutung leiden. Ich verlasse mich da immer ganz auf mein Gefühl: Wenn es gut aussieht und der erste Biss gut schmeckt, dann esse ich es. Wenn man aber beim Essen schon ein komisches Gefühl hat, Finger weg!

In jedem Bundesstaat gibt es verschiedene regionale Variationen und das alles vorzustellen, würde den Rahmen hier sprengen. Eine Standardmahlzeit bestehend aus einem Curry, Reis und Roti bekommt man aber immer. An Currys gibt es eine Riesenpalette, die teilweise überhaupt nicht scharf sind. Roti oder Chapati ist eine Art Fladenbrot, mit der man perfekt das Curry und den Reis dippen kann und so noch nicht mal Besteck braucht. In Nordindien ist zudem Parantha und Puri Sabji (vor allem als Frühstück oder Snack) weit verbreitet. Ich sag’s euch: einfach nur lecker! Parantha gibt es in Weizenform oder aus Kartoffeln (Aloo Parantha). Das ist ein Fladenbrot, das aus mehreren Schichten besteht. Puri ist ein frittiertes, oft aufgeblähtes Fladenbrot und Sabji ein Curry aus Kartoffeln.

Verkehr

Den Verkehr hier kann man nicht in Worte oder Bilder fassen. Jeder fährt wie er will und es funktioniert. Als Fußgänger muss man vor allem gut auf seine eigenen Füße aufpassen! In New Delhi habe ich teilweise so lange gebraucht, Mut zu finden die Straße zu überqueren, dass ich Hilfe von Polizisten bekommen habe. Irgendwann schafft man es aber immer, man muss nur Geduld haben. Wenn man eine Straße überquert, sollte man allerdings sein Tempo beibehalten und nicht plötzlich anfangen zu rennen, denn so können sich die Autofahrer darauf einstellen und (gegebenenfalls) ausweichen.

Kühe

Kühe gibt es hier mehr als ich jemals zählen könnte. Man sieht sie überall, am Strand, vor den Häusern oder auf den Straßen. Ganz langsam überqueren die meisten von Ihnen mit entspannten 2km/h die Straße während sich bereits ein Stau mit Gehupe bildet. Oder sie liegen auf den Straßen und die Autofahrer müssen zusehen wie sie drumrum kommen. Für Hindus sind Kühe heilig und haben somit auch immer Vorrang. Sie regeln sozusagen ganz nebenbei den Verkehr.

Just one click, okay?

Egal wie verschwitzt man ist, man wird immer nach einem Foto gefragt. Zumindest trifft das auf mich zu – aber das liegt wohl weniger an mir, sondern vielmehr an meinen hellen Haaren. Aus dem „one click“ werden auch meistens mindestens zehn: Erst eins mit dem Papa, dann mit der Mama, dann mit beiden und die Oma soll auch noch mit drauf. Die meisten Menschen fragen aber freundlich und da sage ich dann auch gerne ja.

Warum überhaupt nach Indien?

Indien ist für mich mit all seinen Religionen, Kulturen, der reichen Geschichte und der damit einhergehenden Identitätsbildung eine große Herausforderung. Das macht es für mich auch so interessant. Jeden Tag passiert etwas, das für mich neu ist! Wenn ich mit Freunden zu Hause spreche, dann weiß ich oft garnicht was ich zuerst erzählen soll, weil die ganzen Eindrücke so überwältigend sind. Am Anfang dachte ich, dieses Gefühl geht irgendwann weg, wenn ich eine längere Zeit hier bin. Aber auch jetzt bei meinem zweiten Besuch hier, ist es genauso. Jeden Tag lerne ich ein kleines bisschen mehr darüber wie die Menschen hier denken. Oder besser gesagt: wie einige wenige Menschen denken. Zu jeder Sache, die ich lerne, kommen dann wieder fünf neue Fragen auf. Manche Verhaltensweisen und Begebenheiten sind mir dabei immer noch fremd. Dabei merke ich immer wieder, dass ich noch viel mehr über mich und meine eigene kulturelle Prägung erfahre. Denn alles was ich hier beobachte und lerne ist natürlich nur ein kleiner Teil, den ich immer vor dem Hintergrund meiner bisher gemachten Erfahrungen und meines Vorwissens versuche zu sehen. Außer, dass Puri Sabji das leckerste Frühstück der Welt ist. Das ist Fakt.

Kommentare
  1. Mukesh Yadav

    17. September 2019

    i like your views .
    you should come and visit the south India too.
    you will find a very different atmosphere here.
    I’m in chennai right now for exploration here.
    let me know if you coming.
    happy journey and stay

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