21. Juli 2025
Ein Rückblick auf mein Erasmus-Semester
Als ich meine Koffer für Istanbul gepackt habe, war meine „Mission“ klar: Ich wollte die Stadt entdecken und herausfinden, wie es wohl ist, dort zu leben, zu studieren und anzukommen. „Istanbul für Anfänger“ war mein Motto. Jetzt, ein paar Monate später, bin ich kein Anfänger mehr aber ein Istanbul Profi auch nicht.
Studium mit neuen Perspektiven
Das Studium an der Marmara-Universität war im Vergleich zu Deutschland deutlich entspannter. Die Dozierenden meinten es gut mit mir und betonten, dass es bei einem Erasmus auch um andere Dinge geht als in der Uni zu sitzen. Besonders spannend fand ich, dass ich zusätzlich zu Psychologie auch Kurse in Soziologie belegen konnte. Dadurch konnte ich spannende Einblicke in die Türkische Gesellschaft und Kultur gewinnen. Die aber wohl prägendste Erinnerung an die Universität in der Türkei wird das Bild von Polizisten in voller Kampfmontur vor dem Eingang der Uni sein. Zu erleben, wie der Staat in die Arbeit der Universität eingreift, wird mich noch lange begleiten.
Mein Alltag in Istanbul
Mein Alltag war geprägt von Gegensätzen: der Lärm der Stadt und die Ruhe am Wasser, die Freude über all die Möglichkeiten und Gedanken darüber mein Erasmus abzubrechen. Ich habe unzählige Male draußen gegessen, am Bosporus gesessen und spontan Orte erkundet. Schnell habe ich mich an den Rhythmus der Stadt angepasst. Fast jeden Tag habe ich mit neuen Freunden neue Dinge erlebt, Ausflüge gemacht, Wochenendtrips unternommen und wirklich ein großartiges Leben geführt. Jedoch gab es auch schwere Tage, in denen mich die Stadt und die Türkei überfordert hat. Seien es politische Unruhen, die sich auf fast alle Bereiche des Lebens ausgewirkt haben oder das Erdbeben am 23. April, welches mich fast dazu gebracht hätte abzubrechen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht abgebrochen habe, weil trotz alledem habe ich fast jeden Tag genossen.

Kommiliton*innen & WG-Leben
Meine Kommiliton*innen kamen sowohl aus der Türkei als auch aus dem Erasmus-Programm. Mit den türkischen Studierenden hatte ich leider nur wenig Kontakt, was ich im Rückblick sehr schade finde. Mein soziales Umfeld hat sich deshalb vor allem außerhalb der Uni entwickelt. Die wichtigste Anlaufstelle war meine WG. Dort habe ich mich schnell wohlgefühlt und über meine Mitbewohner*innen viele neue Menschen kennengelernt. Wir haben gemeinsam viel unternommen. Vom Filmabend in der WG bis zum Wochenendtrip war alles dabei. Auch in schwierigen Zeiten, war meine WG eine große Unterstützung für mich.

Was bleibt
Jetzt, zurück in Deutschland, fühlt sich vieles fast surreal an. Dass ich dort wirklich gelebt, studiert und so viele Eindrücke gesammelt habe, wird mir erst nach und nach bewusst. Ich habe gelernt, mich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden, auch wenn es manchmal schwierig war. Was bleibt, ist mehr Gelassenheit, mehr Vertrauen in mich selbst und viele Erinnerungen an Momente, die ich vorher so nicht erlebt habe. Auch der Umgang mit Gegensätzen, mit der Angst vor Naturkatastrophen und politischer Repression gehört zu meinen Erfahrungen.
Meine Mission „Istanbul für Anfänger“ war vielleicht nie ganz zu erfüllen. Denn Istanbul bleibt widersprüchlich, unübersichtlich und zu groß, um es wirklich ganz zu verstehen. Aber genau das macht die Stadt so faszinierend. Wer über ein Erasmus in Istanbul nachdenkt, sollte wissen, dass es anstrengender und fordernder sein kann als an vielen anderen Orten. Gerade deshalb würde ich es jederzeit weiterempfehlen.