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Jordanien: Schmelztiegel verschiedener Kulturen

Jordanien: Schmelztiegel verschiedener Kulturen

Riesige Shopping Malls neben Moscheen und Beduinen-Zelten, Arm neben Reich, Bikinis neben Kopftüchern in Schaufenstern – die Gegensätze in Jordaniens Hauptstadt fallen einem sofort ins Auge. Ohne sie bewerten zu wollen, sind sie enorm und sehr spannend.

Blick auf das Stadtzentrum von Amman
Blick auf das Stadtzentrum von Amman, endlose Häuserreihen klettern die zahllosen Hügel hinauf

Wenn man etwas tiefer in die Geschichte und die Lebensweise hier in Jordanien eintaucht merkt man, dass diese Gegensätze, verschiedene Kulturen und Ethnien schon immer ein großer Teil der Kultur waren und heute (zumindest offen sichtbar) selten in Konflikt stehen.

Flüchtlinge im Land? Keine Minderheit, sondern tief verwurzelt

Jordanien hat ca. 9,7 Millionen Einwohner, wobei etwa die Hälfte der arabischen Bevölkerung von den damals etwa 800.000 geflohenen Palästinensern abstammen, die nach dem Palästinakrieg und dem Sechstagekrieg nach Jordanien zogen und später die Bürgerrechte erhielten. Diese damaligen zugezogenen Flüchtlinge finden sich in allen Gesellschafts- und Arbeitergruppen und sind für mich als Austauschstudent nicht (mehr) erkennbar. Zusätzlich gibt es auch heute noch eine hohe prozentuale Anzahl an Flüchtlingen (ohne Status von jordanischen Bürgerrechten) aus dem Irak und Syrien.

Mehr gemeinsam als man denkt

Leider ist der einstige Kernraum der drei großen Weltreligionen, das stark umstrittene und von Israel besetze Westjordanland (mit den zentralen Städten Hebron, Jerusalem und Bethlehem), für viele religiöse Menschen außerhalb Israels nicht zugänglich.

Dabei zeugen die Orte und die Erzählungen von vielen „Ereignissen“ und Werten, die genau die Gemeinsamkeiten von jüdischem, christlichen und muslimischen Glauben offenbaren und die die Menschen endlich einen sollte. Das dies Wunschdenken ist und durch die stark politischen Konflikte und Machtverhältnisse im Mittleren Osten in weiter Ferne liegt, steht außer Frage.

Religionsfreiheit in Jordanien – Vorbild für alle

Obwohl sich 93% der Jordanier zum sunnitischen Islam bekennen und der Islam Staatsreligion ist, zeigen sich die jordanische Regierung und das Königshaus demonstrativ offen und tolerant gegenüber anderen Religionen: In Amman bin ich schon an einigen christlichen Kirchen und jüdischen Synagogen vorbei gelaufen, die nach meiner Nachfrage in großen Teilen gesellschaftlich toleriert und akzeptiert sind. (Um ein wenig solche NPD- und Afd-Klischees wie „Die erlauben doch auch uns keine christlichen Kirchen in islamischen Ländern“ zu entkräften).

Diese positiven Dinge sollte man betonen, aber auch über gesellschaftliche Schattenseiten sprechen: Auch in Jordanien ist der Islamismus ein wachsendes Problem. Hervorzuheben ist jedoch, dass nach wie vor jordanische Sicherheits- und Militärkräfte gegen Splittergruppen des Islamischen Staates (Daesh) und verbündeter Terrortruppen vorgehen und diese absolut ablehnen. Dieses Thema werde ich allerdings noch einmal genauer aufgreifen. Fragen wie „Jordanien, ist das nicht viel zu gefährlich für ein Auslandssemester?“ bekam ich vorher oft gestellt und sind sicher besonders spannend für Studenten, die überlegen im Mittleren Osten auch ein Auslandssemester zu machen.

Wüstenlandschaften im Dana Biosphere Natural Reserve
Wüstenlandschaften im Dana Biosphere Natural Reserve

Wie immer gilt: Falls ihr irgendwelche Fragen zu jeglichen Themen habt, meldet euch gerne.

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