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Leben im russischen Wohnheim

Leben im russischen Wohnheim

Vor unserer Ankunft wurden uns regelrecht Horrorgeschichten über die russischen Wohnheime erzählt: Bäder und Küchen, die mit dem gesamten Flur geteilt werden müssen, regelmäßige Stromausfälle, eisige Kälte im Herbst und tropische Hitze im Winter, böse Babuschkas, die die Flure bewachen und Kakerlaken… viele Kakerlaken… Dementsprechend fielen unsere Erwartungen an das Wohnheim in Kasan relativ gering aus. Nun die Frage aller Fragen: Hat sich eines der Horrormärchen bewahrheitet?

Das Universiade-Village

Im Sommer 2013 wurde die Universiade, die Weltsportspiele der Studenten, hier in Kasan ausgerichtet. Dafür wurden neue Sportstätten und Arenen gebaut –  genauso wie das Universiade-Village, wo alle Sportler und Teammitglieder während der Universiade untergebracht waren. Später kaufte die KFU das Gelände und machte es zum neuen Wohnheimgelände für Studienbeginner und ausländische Studierende. Die älteren Studenten, die das zweite Jahr ihres Studiums abgeschlossen haben müssen ausziehen, in eine andere Wohnung oder in eines der älteren Wohnheime.

lange Straße im Universiade Village mit Hochhäusern auf beiden Seiten


Die „Hauptstraße“ des Universiade-Village

Das Universiade-Village befindet sich etwas außerhalb, etwa 45 Minuten mit dem Bus vom Stadtzentrum entfernt. Hier leben ca. 14.500 Studenten aber das bekommt man tatsächlich kaum mit. Das Gelände ist so groß, dass sich alles verläuft und man trotz allem ein gewisses Gefühl der Ruhe hat.  Es sieht auch wirklich aus wie ein Dorf – nur eben aus Hochhäusern. Im Village ist fast alles vorhanden was man braucht: ein Schneider, eine Poststelle, ein Supermarkt, ein Friseur und Schönheitssalon, ein Copycenter, ein Waschsalon und sogar eine Fahrschule

Mein Zimmer

Ich lebe in Haus 7. Die Häuser 6 bis 9 sind die „Ausländerwohnheime“, die wohl eine etwas bessere Ausstattung haben sollen als die „normalen“ Wohnheime.
Um auf das Gelände  zu kommen, braucht man einen Propusk. Hat man die erste Kontrolle hinter sich bringen können, stellen die Securitydamen, die in jedem Hauseingang/Foyer der Wohnheime sitzen, die zweite Hürde dar. Nach erneutem Vorzeigen des Propusks geht es dann mit dem Fahrstuhl oder der Treppe in den 4. Stock. Den Sicherheitsdamen sagt man auch Bescheid, wenn man etwas länger nicht im Wohnheim ist oder gibt seinen Schlüssel bei ihnen ab, wenn man in die Uni geht. Jede Wohnung hat nur einen Schlüssel, dieser muss immer abgegeben werden, wenn der Letzte das Gebäude verlässt.

bleibe Karte mit meinem Passbild, Haus und Zimmernummer
Die Eintrittskarte für das Wohnheim

Ich wohne in einer Wohnung mit zwei meiner Freundinnen aus Deutschland, die in ein Zweier- und ein Einzelzimmer unterteil ist. Das Zweierzimmer teile ich mir mit Anna und Sophie hat das Einzelzimmer bezogen. Die Wohnung ist relativ simpel eingerichtet, aber immerhin haben wir unser eigenes Bad und eine eigene Küche. Das ist in Russland schon fast Luxus! Um es uns aber doch etwas wohnlicher zu gestalten, machten wir mehrere (wahrscheinlich zu viele) Trips zu einem bekannten schwedischen Möbelgeschäfft und deckten uns mit allen möglichen Sachen ein.

Da die Heizperiode in Russland erst im Oktober beginnt, es aber vorher schon ziemlich kalt wird, mussten wir uns auch noch einige Decken zulegen. Wenn die Heizung dann aber einmal läuft (und heile ist), dann herrschen in den Zimmern schon fast tropische Temperaturen, bei denen die Wollsocken dann wieder gegen FlipFlops getauscht werden können.

Die Freizeitmöglichkeiten

Das Universiade-Village bietet eine Menge Freizeitmöglichkeiten an. Direkt vor unserem Haus kann man sich Sportzubehör wie Bälle, Badmintonschläger, Fahrräder, Roller und Inline Skates ausleihen. Die Tischtennisplatten haben wir auch schon erfolgreich ausprobiert. Hier gibt es außerdem viele Studentenclubs, wie einen Handwerks- und Filmclub, denen man sich anschließen kann.

Wenn man Hunger oder Durst bekommt, dann kann man schnell zur Stalovaja, einer sehr günstigen Kantine, oder dem ComeIn Cafe gehen. Das ist ein Zeitcafe, in dem du nicht für das Essen oder Trinken bezahlst, sondern für die Zeit, die du dort verbringst. Unser absoluter Favorit ist vermutlich das StreetCafe, das die Pizza sogar ins Wohnheim liefert.

Direkt neben dem Gelände des Universide-Villages findet man Schwimmhallen und Fitnesscenter. Hier heißt das magische Wort allerdings: Cpravka. Um in die Schwimmhalle zu kommen, braucht man mehrere ärztliche Attests, die man aber leider nicht in der studentischen Polyklinik bekommt. Demzufolge haben wir die Schwimmhalle leider noch nicht von innen gesehen.

Soweit ich mitbekommen habe, wird es im Winter sogar eine Schlittschuhbahn geben – direkt vor meinem Fenster! Dort kann man dann günstig Schlittschuhe ausleihen und seine Fähigkeiten im Eistanz erweitern – beziehungsweise einfach versuchen feindlichen Bodenkontakt zu vermeiden. Ich hoffe mal, dass es wirklich so kalt wird (wer hätte gedacht, dass ich das jemals sagen würde?) und ich das noch miterleben kann!

Die Horrorgeschichten haben sich (bis jetzt) also nicht wirklich bewahrheitet:
Die Sicherheitsdamen sind nett und wohnen nicht mit auf unserem Flur und Kakerlaken haben wir auch noch nicht angetroffen, aber Gift wurde schon kräftig gestreut.

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