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Medizin als Erstakademiker:in

Medizin als Erstakademiker:in

Obwohl ich mittlerweile seit sechs Jahren Medizin studiere, erinnere ich mich noch gut an meine Anfangszeit. Alles war aufregend, alles war neu. Doch so ging es nicht nur mir. Auch für meine Eltern war es eine Zeit voller Neuheiten, denn beide haben nicht studiert und somit keine eigenen Erfahrungen über das Student:innenleben und alles, was dazugehört. Welche Erfahrungen ich durch und mit meinem Hintergrund gesammelt habe, erfährst du in diesem Beitrag.

Meine Cousinen und ich sind in der Familie die ersten, die den akademischen Karriereweg eingeschlagen haben. Und ich bin bisher der Erste in meiner Familie, der Medizin studiert. Zu Beginn meiner Studienzeit wusste ich nicht, wie viel Einfluss diese Tatsache auf mich, meine Karriere und den Verlauf meines Studiums haben würde.

„Mein Sohn wird Arzt“

Noch bevor ich einen Fuß in den Vorlesungssaal gesetzt habe, war meine Mutter bereits Feuer und Flamme bei dem Gedanken, dass ihr Sohnemann mal Arzt werden würde. Doch gleichzeitig machte sich bei meinen beiden Eltern Unsicherheit breit. Bis zu meinem Studienbeginn hatten sie keine Vorerfahrungen oder Berühungspunkte mit den Themen: Studium, Studiengestaltung, Student:innenleben oder Studienalltag und wussten nicht, was mich erwarten würde. Trotzdem erfuhr ich viel Unterstützung von meinen Eltern. Sie halfen mir finanziell und gaben mir stets so viele Freiheiten, wie ich brauchte. Auch wenn sie nicht immer verstanden, wie es sein konnte, dass ich Vollzeit studiere und mich trotzdem unter der Woche bis in die Morgenstunden auf Partys und Veranstaltungen herumtreiben konnte, bahnten sie mir den Weg, damit es mir an nichts fehlte. Und schließlich war mein Geburtstagsgeschenk nach dem Studienbeginn mein erstes eigenes Stethoskop, das ich bis heute täglich während meines Klinikalltages nutze.

Auf mich gestellt

Bereits in den ersten Semestern stellte ich fest, dass ich die meiste Zeit auf mich gestellt sein würde. Es gab niemanden, den meine Eltern oder ich über zwei oder drei Ecken in einem Krankenhaus oder einer Klinik kannten. Es gab auch niemanden, der mir Insider-Informationen oder Tipps und Tricks zu meinem Studiengang geben konnte. Jegliche Organisation, alles Wissen und jeder Schritt meiner Laufbahn ging aus meiner eigenen Energie und Motivation hervor. Dazu gehörten Vorbereitungen auf Staatsexamen, mein Promotionsvorhaben und meine Auslandsaufenthalte. Von der Informationssuche bis hin zur Organisation, Durchführung und Anrechnung hatte ich keinen Zugriff auf familiäre Erfahrungen oder Know-how. Manchmal fand ich mich in einem Umfeld wieder, in dem ich mich weniger verstanden oder zugehörig fühlte, da die meisten anderen Studierenden aus akademischen Familien stammen. Deswegen mangelte es manchmal an gemeinsamen Erfahrungen oder Verbindungen zu Kommiliton:innen. Gleichzeitig stärkte und förderte der Umstand, dass ich Erstakademiker bin, meine Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Dies veränderte auch meine Kommunikation mit meinen Mitmenschen, denn ich lernte, auch fremde Ressourcen in Anspruch zu nehmen und nach Hilfe zu fragen.

Tobias steht vor einem Spiegel und macht ein Selfie. Er trägt eine FFP2 Maske und einen dunkelblauen Kasack. Ein Arztkittel rundet das Outfit ab. Er ist bereit für seine Patient:innen.
Die Idee, Medizin zu studieren, kam mir in der 11. Klasse. Mein vorrangiges Ziel war es, etwas zu studieren, was mich wirklich interessiert. Die Entscheidung, ein praktizierender Arzt zu werden, fiel im Verlauf des Studiums.

Brücken bauen

Aus einer nicht-akademischen Familie zu stammen, fällt im Alltag häufig nicht groß auf. Die Erfahrungen können allerdings in verschiedenen Bereichen nützlich sein. Zum Beispiel indem du lernst, dich selbst zu motivieren und eigene Ziele zu verfolgen. Außerdem entwickelst du die Fähigkeit, dich schnell in neue Situationen einzuarbeiten. Bis heute fallen mir die Unterschiede nur in wenigen Situationen auf. Zum Beispiel bin ich es von klein auf gewohnt, mit Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen zu kommunizieren und mich auf diese einzulassen und zu versuchen, ihre Aussagen im Rahmen ihres eigenen Hintergrundes zu sehen. Sogar manche Patient:innen in den Kliniken bemerken es. Sie fühlen sich häufig sogar erleichtert und besser verstanden, da die gemeinsame Herkunft eine zwischenmenschliche Brücke zwischen mir und den Patient:innen aufbaut.

Kannst du als Erstakademiker:in Medizin studieren?

Ja. Insgesamt bietet das Medizinstudium für Studierende aus nicht-akademischen Familien sowohl Vorteile als auch Nachteile. Es ist wichtig, dass du dir gut überlegst, ob du bereit bist, die Herausforderungen anzunehmen und die notwendige Zeit und Energie zu investieren, um schließlich erfolgreich zu sein. Am Ende des Tages ist deine Herkunft und dein Hintergrund egal. Das Medizinstudium fordert von allen Studierenden viel Fleiß und Durchhaltevermögen. Und ob die Eltern nun einen akademischen Abschluss haben, oder nicht, macht einen selbst auch nicht zur besseren Ärztin oder Arzt.

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