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Mein Studium an der Universität Teheran

Seit Februar studiere ich jetzt schon an der Universität Teheran als Gasthörerin. Wieso mache ich das und wie ist es so, als Deutsche an einer Uni in Iran zu studieren? Eine kleine Zusammenfassung zu Sprachkurs, Vorlesungen und Kleiderordnung.

Das Programm meines BAs Nah- und Mittelost Studien mit Schwerpunkt Iranistik an der Universität Marburg sieht für den internationalen Teil einen Auslandsaufenthalt im dritten Jahr an einer der Partnerunis vor. An welche Uni man geht, kommt vor allem auf die Schwerpunktsprache (Persisch oder Arabisch) an. An persischsprachigem Ausland standen für mich Iran und Tadschikistan zur Wahl. 

Wieso Iran?

Einerseits hat mich Iran als Land immer schon interessiert. Die iranischen Wurzeln meines Vaters waren dabei natürlich immer ausschlaggebend und da ich komplett ohne die persische Sprache oder iranische Kultur aufgewachsen bin, war die Neugierde noch größer.
Andererseits unterscheiden sich Kultur und Sprache in Iran und Tadschikistan so sehr voneinander, dass das Erlernen des „Teheraner Dialekts“, den wir in der Uni gelernt haben, mehr Sinn macht. Das tadschikische Persisch eignet sich als akademische Grundlage nicht genauso gut für Iranistik.
Ins Ausland zu gehen und dort für zwei Semester eine Fremdsprache zu erlernen ist meiner Erfahrung nach der beste und einfachste Weg zum gewünschten Sprachniveau.

Der Sprachkurs

Saadis Werk "Golestan"
Saadis „Golestan“, ein Klassiker der persischen Literatur

Das erste Semester bestand ausschließlich aus einem Sprachkurs, so wie es auch für meine Kommiliton*innen im arabischsprachigen Ausland (zum Beispiel Sümeyye in Marokko) der Fall ist.
Nach einem Semester Sprachkurs entscheidet man dann, ob man ein Praktikum im In- oder Ausland machen möchte (wie z.B. Amin in Dubai), oder für ein Semester an die Universität gehen will.

Die Universität

Und so belege ich nun seit Februar fünf Kurse an den Fakultäten für Politikwissenschaft, Iranistik und Persische Literatur an der Uni Teheran.

Über Norooz, dem persischen Neujahr Ende März, war die Uni für drei Wochen geschlossen. Die meisten Studenten waren schon in den Wochen vor und nach den Ferien zu Hause. Von meinen verbleibenden 10 Wochen (die Zeit fliegt nur so an mir vorbei, unfassbar) sind jetzt nur noch sechs Wochen reguläres Semester. Im Juni ist Lern- und Prüfungsphase – für mich als Gasthörerin zum Glück nicht nötig. Die ausstehende Prüfung für dieses Semester erfolgt in Deutschland in Form einer Hausarbeit über ein in Iran behandeltes Thema.

Die Zeit an der Uni Teheran ist für mich also hauptsächlich zur Verbesserung der Sprachkenntnisse und zum Kennenlernen des iranischen Universitätssystems da.

Ich und Clara vor dem Haupteingang der Uni
Vor dem bekannten Haupteingang der Universität Teheran

Wie sieht ein Studium für iranische Studenten aus?

Das Bildungssystem in Iran ist anders als in Deutschland und mehr nach französischem Vorbild aufgebaut, was ich hier jetzt nicht vertiefen will.

Pro Semester belegen Student*innen der Universität Teheran aber um die 10 Kurse, die je nach Fach und Semester individuell wählbar sind oder einem fertigen Lehrplan folgen. Normalerweise gibt es zwei Prüfungen, eine zum „Midterm“ und eine große Prüfung am Ende des Semesters. Diese Prüfungen scheinen sehr schwer zu sein, 40-60 % der Studenten fallen durch. Auch nach neun Monaten im Land werde ich noch nicht in der Lage sein diesen Ansprüchen gerecht zu werden und die Prüfungen zu bestehen. Zum Glück gibt es die Möglichkeit in Deutschland geprüft zu werden und die Credits für das Auslandsjahr so zu bekommen.

In der Vorlesung

In der Vorlesung… ein etwas ungewohnter Anblick

Wie auch teilweise in deutschen Vorlesungen laufen die Veranstaltungen eher wie ein einseitiger und frontaler Vortrag des Professors ab. Prof spricht, Student schreibt mit. Manchmal stellt der Dozent auch Fragen oder beantwortet die Fragen der Studenten, meistens füllt sich der größte Teil der Vorlesung allerdings mit Monolog.

PowerPoint, Bilder, Videos etc. werden zumindest in meinen Veranstaltungen eher selten eingebunden, was es für mich wirklich schwer macht dem akademischen Sprachniveau auf Dauer zu folgen. Zwar verstehe ich schon viel, was mich oft selbst erstaunt, aber es erfordert viel Konzentration. Und diese kann ja bekannterweise selbst in Vorlesungen auf Deutsch schwer zu finden sein…
Als Grundlage und begleitend zum Kurs gibt es meistens ein Buch, im Falle meiner Kurse oft vom Prof selbst geschrieben. Die Studenten lernen diese Bücher für die Prüfung regelrecht auswendig.

Die Professoren und Dozenten

Meine Dozenten kommen von ganz unterschiedlichen Hintergründen. Der eine ist Forscher, der andere ein Politiker, einer ist sogar ein Mullah.
Und obwohl ich nicht detailliert über meine Kurse und Dozenten schreiben kann, hat jeder von ihnen meine Denkweisen angeregt oder auf die Probe gestellt und ich profitiere sehr von allen Eindrücken.

Die Kleiderordnung

Mit Maghnae…

Die Studentinnen an der Uni Teheran machen nicht nur knapp 70% der Studentenschaft aus, sondern müssen natürlich wie überall in der Öffentlichkeit den iranisch-islamischen Kleidungsvorschriften entsprechend zur Vorlesung erscheinen. Obwohl das Tragen von Maghnae oder Tschador an der Uni Teheran nicht obligatorisch ist, gibt es nur vereinzelt Studentinnen an meinen Fakultäten, die einen „normalen“ Schal um den Kopf tragen. Und selbst diese tragen den ziemlich streng und nicht locker und halbherzig über den Kopf geworfen… wie ich die meiste Zeit. Ups.
Da wir aber als offensichtliche Ausländer (die blonden Haare meiner Kommilitonin stechen hier sehr hervor) schon genug auffallen, tragen wir in der Uni „Maghnae“ und haben uns für die Vorlesungen auch recht schnell daran gewöhnt.
An der Fakultät für Kunst wird die Kleiderordnung allerdings etwas lockerer gesehen, was ein wenig Farbe in die Studentenmengen bringt.

Studentenleben?

Was mich wirklich an mein alltägliches Leben als Studentin in Deutschland erinnert, ist die Umgebung um den Unicampus mit all den kleinen Studentencafés und Parks. Es ist natürlich nicht genauso wie abends in die Kneipe zu gehen, aber gibt einem schon ein „studentisches Gefühl“. Wenn kleine Grüppchen nach der Vorlesung auf den Grünflächen sitzen, Tee trinken und rauchen, fühlt man sich fast wie auf den Lahnwiesen in Marburg.

Meine Erfahrung

Wie habe ich mein Studium an der Uni Teheran also bis jetzt wahrgenommen? Es ist anders, das Leben aber irgendwie auch genauso studentisch wie in Deutschland. Den Rhythmus einer iranischen Universität kennenzulernen ist sehr bereichernd und für mein Verständnis der Iranistik und der persischen Sprache sicher unentbehrlich.
Obwohl ich anfangs noch traurig war, nicht doch an die Uni Shiraz gehen zu können, habe ich schnell gesehen wie schön das Studentenleben auch in Teheran sein kann.

Wie mein endgültiges Fazit aussehen wird, weiß ich natürlich erst in 6 Wochen nach Ende der Vorlesungszeit.
Bis jetzt bereichert mich die Erfahrung an der Uni allerdings um einiges mehr, als der Sprachkurs am Dehkhoda es getan hat und ich bin gespannt, was die nächste Zeit für mich bereit hält.

Kommentare

  1. Mahsa

    20. November 2017

    Hallo Alina,
    Deine geschichte im iran ist sehr gut.,
    Ich bin Mahsa Ghaffari
    Ich untersuche ausländische Studenten.
    Wenn Sie möchten, können wir uns besser kennenlernen.

  2. Keivan

    3. September 2017

    Hallo Alina,
    deine Geschichte im Iran ist echt interessant und lesenswert.
    Danke

  3. Athanasios Papageorgiou

    4. Mai 2017

    Viele Grtüße und viel Erfolg!

    1. Alina Werner

      6. Mai 2017

      Vielen Dank!

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