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Mein Wochenende als kubanische Diplomatin

Mein Wochenende als kubanische Diplomatin

In den letzten Tagen habe ich an einem spannenden Planspiel teilgenommen. In Kasan fand die Kazan Model UNESCO statt, eine Simulation der UNESCO-Generalversammlung. In diesen vier Tagen war ich als Delegierte von Kuba im Internationalen Rat für Denkmalpflege am Start.

Die Bewerbungsphase

Gleich nach der Ankunft in Kasan wurde mir von der Simulation erzählt und mein Interesse geweckt. Nach einer kurzen Information ging es mit Hilfe meiner Russisch-Lehrerin gleich an die Bewerbung. Ich habe mich auf einen Sitz im englischsprachigen Komitee beworben, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege – um in einem russischsprachigen Komitee mitzumischen reichen meine Sprachkenntnisse dann doch noch nicht aus.

Nach einigen Tagen kam bereits die Einladung zur zweiten Bewerbungsphase: Einem Gespräch mit der Expertin des Komitees. Hier wurden die Länder zugeteilt, die wir vertreten würden, und unsere Aufgabenstellung näher erklärt. Danach ging es ans Schreiben eines Positionspapiers. An dieser Stelle mussten wir  die Sicht unseres Landes zur Agenda des Komitees, der Zerstörung von Welterbe in Krisenzeiten, darstellen.

Tag 1

Am Freitag ging es los: Mein erster Tag als Kubanerin! Früh aufstehen war angesagt, denn um 10 Uhr begann die Registrierung und ein Business-Look war gefragt. Der Tag ging auch gleich super weiter, denn der Bus war unglaublich voll und wir standen aneinander gepresst wie Sardinen (ein paar von uns in hohen Schuhen).

Als meine Mitstreiter und ich dann extra pünktlich ankamen, war noch keiner auf uns vorbereitet. Wir brachten dann zunächst die erste Hürde hinter uns und erhielten unsere Namensschilder (mit denen wir uns gleich ein bisschen wichtiger vorkamen), sowie ein kleines Willkommensgeschenk und warteten auf den Beginn der ersten Veranstaltungen. Wie sich herausstellte, waren alle Eröffnungs- und Infoveranstaltungen auf Russisch. Zwar verstehe ich schon eine ganze Menge, für diese Fachsprache haben meine Russischkenntnisse dann aber leider doch nicht ausgereicht. Glücklicherweise habe ich eine freundliche Russin kennengelernt, die grob übersetzte. Hinter mir saß ein Mitstreiter aus dem Jemen, der das gleiche Problem hatte und, wie sich später herausstellen sollte, ebenfalls Teil unseres Komitees war. Gemeinsam überstanden wir erfolgreich den ersten Tag.

Tag 2

Zum Beginn der Arbeit in unserem Komitee gab es eine Vorstellungsrunde, aber leider konnte ich mir nur die Länder merken, die jeder vertreten hat – so wurde aus Sophie Russland, aus Anna Großbritannien und Elena hörte nur noch auf Algerien.  Zusätzlich wurden wir noch einmal mit den Regeln vertraut gemacht.

In unserem Komitee waren 21 Delegationen vertreten. Jede dieser Delegationen musste eine Rede zu ihrer Position zur Agenda halten und folgende Fragen beantworten:

– Welche Welterbe-Stätten gibt es?
– Was macht das Land, um sie zu schützen?
– Will das Land die Stätten überhaupt schützen?
– Wie kann man Welterbe in Gefahr schützen?

Für die Rede hatte jedes Land zwei Minuten Zeit. Diese Zeit konnte auf Anfrage beliebig verlängert werden, unter anderem, um mögliche Fragen der anderen zu beantworten.

Später hieß es dann: Koalitionsbildung. Hatte man gut bei den Reden zugehört, dann wusste man, mit welchem Land man am besten kooperiert. Ziel war die Erstellung eines Arbeitspapiers. Dieses sollte Hinweise zusammenfassen, die zur Überwindung der Gefahren für das Welterbe beitragen. Am Ende gab es zwei Vorschläge, über die dann diskutiert und abgestimmt werden musste. Das Papier meiner Koalition konnte sich natürlich durchsetzten 😉

Den ganzen Abend über konnten wir noch Änderungsvorschläge einreichen, um das Papier nach unseren Vorstellungen abzuändern.

Tag 3

Ziel des dritten Tages war es, das Arbeitspapier so zu bearbeiten, dass wir letztlich eine Resolution erhalten würden. Insgesamt wurden 15 Nachbesserungen eingereicht, über die es zu diskutieren und abzustimmen galt. Jede Änderung wurde vorgestellt, es gab Reden über das Für und Wider und schließlich wurde abgestimmt. Auch das dauerte wieder eine Weile, aber am Ende hatten wir eine Resolution formuliert, mit der wir alle zufrieden waren.

Bevor das Komitee auseinanderging, hat jeder von uns noch die Schilder aller Delegationen unterschrieben und mit lieben Nachrichten versehen. Ein tolles Erinnerungsstück!

Mein Kuba-Schild mit den kleinen Texten, die die anderen Delegationen für mich geschrieben haben
Eine tolle Erinnerung

Tag 4

Heute ging es zur Abschlussveranstaltung. Im Festraum der Wirtschaftsfakultät trafen alle sieben Komitees zusammen und feierten den erfolgreichen Abschluss der Model-UNESCO. Es wurden Reden gehalten, es gab Auftritte und eine Freundin von mir aus Magdeburg (die Russland vertreten hat) wurde sogar zur besten Delegation benannt. Von den Reden haben wir wieder nicht allzu viel verstanden.

Trotzdem: Die Simulation war eine tolle Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, uns mit den Abläufen eines solchen Planspiels und der Arbeit in echten Komitees vertraut zu machen und auch, um einfach mal etwas Abwechslung in den Alltag zu bekommen.

Bild des Komitees ICOMOS
Mein Komitee
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