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Nicht immer einfach – Probleme und schwierige Zeiten im Ausland

Es war lange leise auf meinem Blog. Jetzt bin ich wieder da und habe einiges zu erzählen. Wie Ernest Hemingway einmal sagte: „In order to write about life you must live it“. Eine Erfahrung der letzten Wochen ist Krisenbewältigung und wie man stärker daraus hervor geht. Wie geht man mit Problemen und schwierigen Zeiten im Ausland um, wenn’s einfach nicht so läuft? Kulturschock, Frustration und die Lösung?

Organisation auf Persisch

Dass die Dinge in Iran anders laufen würden, war natürlich klar. Und ich habe nie versucht mir Illusionen zu machen. Im Ausland zu leben kann manchmal schwer sein.
Wenn es dann aber soweit ist, einfach gar nichts so funktioniert wie geplant und die Herausforderungen von Tag zu Tag anstrengender werden, dann wird man schnell mal frustiert und genervt von der ganzen Situation.

Wieso ich nicht an die Uni Shiraz gehen kann

Das CNMS in Marburg hat für das Auslandsjahr in Iran einen Vertrag mit zwei Partneruniversitäten. Der soll es uns ermöglichen hier zu studieren: nachdem der erste Teil am Dehkhoda Sprachinstitut beendet ist, soll es entweder an die Universität Teheran oder die Universität Shiraz im Süden des Landes gehen. So jedenfalls der Plan.

In der Realtiät sieht das ganze leider etwas komplizierter aus. Irgendwo zwischen der Uni Marburg und dem Dehkhoda gab es ein Missverständnis in Bezug auf die Zeiten für den Intensivsprachkurs, weshalb wir rückblickend knapp einen Monat zu spät ins Ausland geschickt wurden. Dadurch überschneiden sich jetzt die Sprachkurse und das Semester an der Uni.

Und da wir versuchen müssen sowohl unserer deutschen Studienordnung, als auch den Systemen hier gerecht zu werden, hatten wir Wochen der Ungewissheit, wie der Rest unseres Auslandsaufenthaltes aussehen sollte.

Nach wochenlanger Organisationsphase zu Uni, Visum, Wohnheim und Sprachkurs (deren Details ich euch hier mal erspare) wurde klar: wir können nicht nach Shiraz ziehen und gleichzeitig die Sprachkurse in Teheran beenden. Also mussten wir unsere Pläne ändern und leben jetzt für die restlichen 5 Monate weiterhin in Teheran. Yay.

Sind wir etwa die Ersten hier?

Und selbst jetzt wissen wir immer noch nicht, wer uns das Visum für die Monate Mai und Juni verlängern wird… es fühlt sich nicht wirklich jemand dafür verantwortlich und aus Marburg kam bis jetzt nicht die gewünschte Lösung. Es heißt also mal wieder: ein Schritt nach dem anderen und tief durchatmen.

Das soll sich nicht falsch anhören – die Universität Teheran ist eine der Besten des Landes und ich habe weiterhin die Möglichkeit viel zu reisen. Aber ich wollte dem verdreckten Teheran eigentlich ins kleinere, verträumte Shiraz entfliehen und das LEBEN auch außerhalb von der riesigen Hauptstadt kennenlernen. Doch trotz aller Momente der Ungewissheit und spontanen Planänderungen, bin ich glücklich und werde das Beste aus meiner Zeit machen.

Manchmal frage ich mich allerdings schon, wieso die Dinge so kompliziert sein müssen. Ich bin doch nicht die erste Studentin der Uni Marburg, die ihr Auslandsjahr in Iran macht.

Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen…

Correspondent Alina meditiert auf einer Düne in Iran.
Immer mal wieder eine kleine Auszeit nehmen!

Kulturschock?

Im Ausland zu leben ist eine Entscheidung, die man selbst getroffen hat – mit allen Konsequenzen. Und in meiner Erfahrung ist der überwältigende Großteil eines Auslandaufenthalts eine bereichernde und aufregende Zeit. Wie das Leben aber allgemein, kann es nicht 10 Monate mit ausschließlich guter Laune und Glückssträhnen geben.

In der Vorbereitung sprechen viele Leute vom „Kulturschock“, von einer Phase nach der ersten Aufregung in der man die Unterschiede zwischen der eigenen und der Gastkultur mehr wahrnimmt und mit manchen Dingen überfordert sein kann.

Nach vier Monaten in Iran und trotz aller Hindernisse kann ich recht sicher sagen – der typische Kulturschock mit Frustration über Kultur, Menschen und Land ist an mir vorbeigegangen. Das mag daran liegen, dass ich vorher schon öfter in Iran war und wusste, worauf ich mich da eingelassen habe. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass ich die Kultur vorher in Teilen studiert habe oder vielleicht hatte ich auch einfach Glück.

Am wahrscheinlichsten ist es für mich allerdings momentan, dass die richtige Einstellung auch viel ausgemacht hat: wir (meine Kommilitonin/Mitbewohnerin/Freundin Clara und ich) haben von Tag 1 an versucht, immer wieder über unsere Erfahrungen zu reden, zu diskutieren wie wir uns fühlen und wieso das so sein könnte.

Wären wir nicht offen für Neues, wäre dies sowieso nicht der richtige Ort für uns. Doch auch als weltoffener und neugieriger Mensch kann es schwer sein, reflektiert und bewusst die eigene Situation wahrzunehmen und zu analysieren. In den ersten Wochen und Monaten haben so viele neue Eindrücke und Reize meinen Alltag bestimmt, dass es wichtig war regelmäßig einen Schritt zurück zu gehen und zu überlegen, was hier eigentlich gerade passiert.

Wenn alle Pläne umgeworfen werden und man plötzlich wochenlang nicht weiß, wie es weitergeht, kann das Fell schon mal dünner werden.

In den mehr als vier Monaten bin ich auf mehr als eine europäische Person gestoßen, die das Land vorzeitig verlassen hat, weil die Differenzen zu prägnant waren. Diese Art von Kulturschock ist mir (alhamdullilah) erspart geblieben.

Die Lösung?

Wie bin ich also aus den vergangenen 8-10 Wochen hervorgegangen und nicht komplett verrückt geworden?

Die Antwort könnte aus einem alternativen „healthy-lifestyle-find-yourself“ Ratgeber stammen, ist aber wahr: gesundes Essen, Yoga und Meditation, regelmäßige Auszeiten aus der chaotischen Welt (reisen!), in der wir gelebt haben und viel reden.

In meiner Erfahrung hat reflektiertes Reden über die Ereignisse viel Spannung aus schwierigen Situationen genommen und im Endeffekt liegen jetzt weitere spannende Monate vor mir.

Eine Zeit im Ausland ist nicht immer Sonne, Konfetti und gute Laune. Aber das gehört einfach dazu, man geht aus den schwierigen Zeiten nur stärker und schlauer hervor.

Und genau das war doch einer meiner Gründe für diese Entscheidung, oder?

P.S.: Die Seite www.deutschland.de hat im Auftrag des Auswärtigen Amtes einen Beitrag über deutsch-iranischen (kulturellen und wissenschaftlichen) Austausch veröffentlicht und mich dazu interviewt. Porträt und mehr findet man hier.

Kommentare

  1. Alexander

    23. März 2017

    Hallo Alina,
    das hast Du sehr schön beschrieben. Am Ende macht Dich stark, was Du jetzt gestaltest und bewältigst! Noch eine gute Zeit in Iran!

    1. Alina Werner

      18. April 2017

      Liebe Alexander, vielen Dank! Bis bald und liebe Grüße aus Teheran, Alina

  2. Darius

    12. März 2017

    Hallo,
    ein sehr interessanter Beitrag. Kenne die Gegebenheiten hier inzwischen auch etwas. Mein Kompliment, daß Du die Dinge hier so hingenommen hast um weiter zu machen und nicht frustriert aufgegeben hast.

    1. Alina Werner

      18. April 2017

      Hallo Darius,
      danke für deine Worte. Ich bin auch sehr froh, dass ich mir mein Auslandsjahr nicht habe verderben lassen.
      Liebe Grüße und alles Gute!

  3. میثم

    8. März 2017

    سلام
    انشالله که خوب و سالمین.
    من در حال فراگیری آلمانی هستم
    میخوام از سپتامبر 2018 دکترامو تو آلمان شروع کنم
    توی
    TU BERLIN ODER RWTH AACHEN
    من رشتم مهندسی مکانیک هست
    لطفا اگه راهنماییم کنید ممنون میشم.
    🙂

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