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Erasmus und Corona – Aus der Traum?

Erasmus und Corona – Aus der Traum?

Seit guten drei Wochen bin ich nun wieder zu Hause in Deutschland, so langsam spielt sich ein Corona-Alltag ein. Doch wie geht es jetzt eigentlich weiter mit meinem Erasmus-Jahr und der Uni in Frankreich?

Anfangs fiel mir die Umstellung, wieder zu Hause zu sein, sehr schwer. Da ich mein WG-Zimmer in Passau für ein Jahr untervermietet habe, bin ich wieder bei meinen Eltern eingezogen. Daran, plötzlich wieder Kind zu sein, muss man sich erst einmal gewöhnen.

Zudem wollte ich alles nicht wahrhaben. Das sollte es jetzt schon gewesen sein? Was war mit all meinen wunderbaren Plänen für diesen Sommer, den neuen Freunden und der so lieb gewonnenen Stadt? Meine Abreise aus Toulouse war von einem auf den anderen Tag sehr plötzlich erfolgt, weshalb ich weder Zeit gehabt hatte, mich richtig zu verabschieden, noch mein WG-Zimmer aufzulösen. Bei meiner Abreise war ich auch noch davon ausgegangen, spätestens Mitte April bestimmt wieder zurück zu sein.

Was jetzt sehr hilft, ist, mit meinen neuen Freunden online in Kontakt zu bleiben und so auch zu versuchen, jeden Tag zumindest ein kleines bisschen Französisch zu sprechen.

Online-Kurse

Wie viele andere auch habe ich seit der Schließung der Universitäten in Frankreich am 16. März Online-Vorlesungen. Diese fallen, je nach Motivation der Lehrer, ganz unterschiedlich aus. Von gemeinsamen Chats über Zoom und wöchentlichen neuen Unterlagen bis hin zu Professoren, die fast gar nichts von sich hören lassen und gerade mal einen Text hochgeladen haben, ist alles dabei. Diejenigen Professoren, die davor schon viel mit Programmen wie PowerPoint Präsentationen gearbeitet haben, sind dabei ganz klar im Vorteil gegenüber denjenigen, die nur ausgedruckte Blätter und handschriftliche Notizen hatten. Generell ist die Universität in Toulouse aber sehr darum bemüht, alle Vorlesungen so gut wie möglich online weiterhin anbieten zu können.

Ich habe für mich festgestellt, dass ich den normalen Unialltag gegenüber Online-Kursen definitiv bevorzuge. Ich brauche einen routinierten Alltag mit Anwesenheit in den Vorlesungen und Lernverabredungen mit Freunden in der Bibliothek. Sich daheim zu motivieren, sich die ganzen Inhalte selbst zu erarbeiten, fällt mir eher schwer.

Hier seht ihr einen meiner Versuche, mich trotz bestem Wetter zum Lernen zu motivieren und Sonnenschein und Uni zu kombinieren.

Online-Lernen

Prüfungen

Eigentlich hätten wir ab Ende April bis Mitte Mai Abschlussprüfungen. Da das Sommersemester in Frankreich schon Mitte Januar angefangen hat, konnten wir zum Glück noch einen Großteil der Vorlesungen abhalten, bevor die ganze Corona-Problematik begonnen hat.

Wie genau diese Prüfungen ablaufen werden, soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Diese Entscheidung ist aber definitiv nicht leicht zu fällen, wenn man eine für alle Studenten gerechte und faire Lösung finden will.

Prüfungen mit Fragen ergeben wenig Sinn, wenn jeder dann einfach daheim die Antworten googlen könnte. Es wird wohl eher darauf hinauslaufen, dass wir längere Texte schreiben müssen. Diese könnte sich entweder so gestalten, dass man ein Thema bekommt und dann zwei Wochen Zeit hat, eine kleine Hausarbeit zu schreiben. Oder aber man bekommt ein Essay-Thema und muss die Arbeit drei Stunden später abgeben.

Was ist aber mit denen, die keine funktionierende Internetverbindung haben, die vielleicht keinen eigenen Laptop besitzen und immer die Computer der Universität benutzt haben? Die sich daheim vielleicht gerade ein Zimmer mit Geschwistern teilen müssen und dort dann die Prüfung schreiben müssten, weil die Bibliotheken geschlossen haben? Zudem halten sich die ganzen Austauschstudierenden auch noch in unterschiedlichen Zeitzonen auf. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sich die Uni für diese Problematik überlegen wird.

Sommer in Frankreich?

Für mich geht es jetzt erstmal von Deutschland aus weiter. Wann genau ich zurück kann, ist leider noch sehr unsicher. Da ich meine Kurse aber online weiter machen kann, bekomme ich zum Glück weiterhin AuslandsBAföG und Erasmusgeld. Macron hält morgen Abend eine Fernsehansprache, vielleicht bin ich danach schlauer. Zurück nach Toulouse geht es für mich aber definitiv, da ich dort noch mein WG-Zimmer mit meinen ganzen Sachen habe. Und wer weiß, vielleicht kann ich ja doch schon schneller zurück als gedacht und dann vielleicht einfach noch den Juni und Juli über in Toulouse bleiben, um meinen Sommer in Frankreich ein wenig nachzuholen.

À bientôt!

Clara

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