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Von Wolkenwäldern und Walfluken – Teil 1

Von Wolkenwäldern und Walfluken – Teil 1

Die vergangenen Wochen ging es für mich in zwei wunderschöne Ecken Costa Ricas. Heute nehme ich euch mit nach Monteverde, zu den wolkenverhangenen Regenwäldern in den Bergen. Es gibt viel zu erleben!

Nachdem ich ja vorletzte Woche das erste Mal aus der Hauptstadt San Jose „herausgekommen“ bin und einen Tagesausflug zum Vulkan Poás (mehr Eindrücke davon hier auf meinem Instagram-Profil) unternommen habe, wurde es jetzt Zeit für zwei längere Ausflüge. Meine Kurse hier an der Universidad Veritas fangen erst Ende September an. Bis dahin möchte ich nämlich nicht nur mein Spanisch verbessern, sondern auch etwas vom Land sehen. Dadurch, dass ich einen remote Selbstlernkurs habe, bin ich sowohl zeitlich und räumlich sehr flexibel, da ich mir meine Lektionen quasi selbst einteilen kann, was mir das Herumreisen deutlich erleichtert!

Auf dem Programm standen einmal ein Besuch in der Region, die mich im Voraus mit am meisten fasziniert hatte, nämlich die Nebelregenwälder in den Bergen Monteverdes. Danach gab es noch einen kürzeren Trip in den Süden des Landes, wo ich die Pazifik-Strände erkundet habe, davon werde ich im zweiten Teil erzählen.

Die Fahrt in die Berge von Monteverde

Aber jetzt geht es erstmal mit dem Bus nach Nordwesten, wo auf ungefähr 1300 Meter Höhe das kleine Dörfchen Santa Elena liegt, von dem aus ich die umliegenden Wälder erkunden möchte. Es geht früh los, denn auch wenn die Strecke bis dorthin nur gut 150 Kilometer beträgt, kann die Fahrt bis zu viereinhalb Stunden dauern. Das liegt am Verkehr oder auch dem Zustand der Straßen. Daher sollte ich um 6:30 Uhr morgens schon in einer Art Linienbus sitzen, der mich zwar mit einigen Zwischenhalten, dafür aber auch für nur ungefähr 7 Euro an mein Ziel bringen sollte.

Kartenausschnitt von Costa Rica
Zur Übersicht hier einmal die Strecke von San Jose bis nach Monteverde (Kartenquelle: OpenStreetMap)

Die erste Herausforderung war der Weg zum Busterminal. Gemeinhin ist die beste Möglichkeit dafür entweder ein Uber oder ein Taxi, da es keine direkte Verbindung eines städtischen Busses dorthin gibt. Uber fiel allerdings für mich raus, da ich mich aufgrund von Problemen mit meiner costaricanischen Handynummer nicht in der App registrieren kann (ich suche im Moment nach einer Lösung dafür). Aber ein Taxi zu bekommen, sollte ja kein Problem sein, oder? Falsch gedacht. Während zu normalen Tageszeiten jeder Fußgänger von den überall herumfahrenden roten Taxis angehupt wird, und man sich vor Fahrtangeboten kaum retten kann, fuhr an diesem Morgen keins. Zehn Minuten lang stand ich am Straßenrand und versuchte vergeblich, die zwei, die dann doch mal vorbeikamen, anzuhalten, doch beide ignorierten mich. Fast hatte ich mich schon mit der Option angefreundet, mit meinem schweren Rucksack auf dem Rücken eine halbe Stunde zum Terminal zu laufen, als ein rettendes rotes Auto vor mir hielt und der Taxifahrer mich freundlicherweise zum Terminal fuhr. Dort angekommen, war ich von der verhältnismäßig guten Organisation des ganzen Ablaufs positiv überrascht: Nach einer Nachfrage wusste ich, in welche Schlange ich mich stellen musste, und kurze Zeit später wurde ich zum entsprechenden Bus geleitet. Meinen Rucksack mit den Wertsachen behielt ich auf dem Schoß, da mir das im Vorhinein dringend angeraten wurde. So fuhren wir los.

Blick auf wartende Reisende in einem Busterminal
Im Busterminal trugen alle Masken, und meist wurde auch Abstand gehalten.

Nachdem wir den nervenraubenden Stadtverkehr so langsam hinter uns ließen, entspannte sich der Busfahrer soweit, dass er nur noch mit einer Hand den Bus lenkte und in der anderen sein Handy hielt, was bei den kurvigen Bergstraßen durch dichte Wälder nicht unbedingt zu meiner Beruhigung beitrug. Ich entschied mich aber aus Ermangelung von sinnvollen Alternativen dazu, einfach seinen Fähigkeiten zu vertrauen. Und tatsächlich kamen wir drei Stunden später unbeschadet in Santa Elena an. Ich konnte mein Hostel auf Anhieb finden und hatte noch genügend Zeit, um noch ein wenig die Gegend zu erkunden.

Wasserfall-Ausflug in Santa Elena

Diese nutzte ich für einen kleinen Ausflug zu einem Wasserfall ganz in der Nähe, bei dem ich mir auch das Dorf ein wenig näher anschauen konnte. Die eigentlich nicht ganz so lange Strecke wurde durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die warme Lufttemperatur allerdings dann doch recht anstrengend, aber die schönen Blicke auf den Wasserfall machten das Ganze wieder wett. Auf dem Rückweg zeigte sich dann, woher die Gegend ihren Namen hat, denn es zogen dicke Wolken über das Land und begruben den ganzen Ort unter sich. Teilweise konnte man keine 30 Meter mehr weit gucken. Für einen kurzen Spaziergang zu einem Soda, wo ich ein sättigendes Casado genoss, reichte es aber noch.

Wanderung im Reserve Bosque Nuboso

Am ersten Morgen in Santa Elena stand der erste Ausflug in einen der hier zahlreichen Naturschutzgebiete an: Das Reservat Bosque Nuboso, welches schon seit den 1970er Jahren eine Waldfläche von mehr als 4000 Hektar schützt, wollte ich auf einem der zahlreichen Wanderwege erkunden. In Begleitung eines anderen Deutschen, den ich auf der Busfahrt hierher kennengelernt hatte, lief ich die breiten Wege des Reservats entlang und genoss das üppige Grün, das einen sofort umgibt, wenn man hier losläuft.

Wir schafften es entlang der nebelverhangenen Hänge sogar bis hoch zur kontinentalen Wasserscheide. Das ist eine imaginäre Linie, die die Einzugsgebiete der hier entspringenden Flüsse trennt. Alles Wasser, was auf der einen Seite der Linie herunterkommt, wird schlussendlich in den Pazifik fließen, während das auf der anderen Seite in die Karibik, also in den Atlantik gelangen wird. Diese Linie wird durch das Relief, also die Form der Berge, bestimmt und kann mithilfe von Geoinformationsprogrammen berechnet werden. Obwohl ich mich schon theoretisch im Studium mit diesen Wasserscheiden beschäftigt hatte und sogar schon meine eigenen Flusseinzugsgebiete berechnet hatte, war es sehr spannend, mal dieses theoretische Konzept praktisch hier vor Ort zu sehen – oder auch nicht zu sehen, denn die Wolken waren mal wieder zu Stelle …

Carla steht vorm Geländer einer Aussichtsplattform, hinter ihr ist eine weiße Wolkenwand zu sehen.

Eigentlich könnte man von hier aus die kontinentale Wasserscheide „sehen“, wenn nur die Wolken nicht wären …

Nach diesem langen und anstrengenden Ausflugstag gab es abends noch leckere mexikanische Tacos zu essen, es kann ja nicht immer komplett authentisch sein. Dazu gab es costaricanisches Bier: Hier gibt es, wie in Deutschland auch, einige große nationale Brauereien, deren Biere mir persönlich leider etwas zu „light“ sind. Es finden sich aber auch immer mehr kleinere Craft-Beer-Brauereien, die wirklich interessante Biersorten anbieten.

Mit einem Guide durchs Naturschutzgebiet

Am nächsten Tag war das Programm noch ein wenig fachlich anspruchsvoller: Ich hatte eine geführte Tour durch das Reservat Santa Elena gebucht, bei der mich ein ausgebildeter Ranger zwei Stunden lang durch den Nebelwald führen würde. Beim Bestaunen der vielen Pflanzenarten lernte ich zum Beispiel, dass hier in den Bergen Monteverdes 2,5 Prozent der globalen Biodiversität, also aller Spezies, vorkommen, und dass alleine 500 Orchideenarten hier gefunden werden können.

Weiter ging es mit den für dieses Ökosystem typischen bewachsenen Bäumen: Ein Drittel aller hier lebenden Pflanzenarten wächst auf einer anderen Pflanze, und ein Baum kann durchaus 100 andere, unterschiedliche Pflanzenarten beherbergen. Das ergibt dann riesige, skulptural anmutende Gestalten, bei denen eine Blätterform die nächste abwechselt, kein Epiphyt dem anderen gleicht und die Äste des beherbergenden Baumes unter der vielen Biomasse und dem feuchten Moos fast abzubrechen drohen.

Wir versuchten auch, ein paar Tierarten zu beobachten, doch sowohl Taranteln als auch Frösche ließen sich partout nicht blicken, während in den Baumkronen über uns eine Unzahl von Vögeln herumtobte und mal mehr, mal weniger melodisch sang. Jonathan, mein Guide, wusste von jedem den wissenschaftlichen Namen, doch ich konnte sie unmöglich alle auseinanderhalten.

Als ich nach der geführten Tour noch ein wenig auf eigene Faust im Reservat herumlief, entdeckte ich noch ein idyllisches kleines Flüsschen und wurde leider außerdem von einem sehr intensiven Regen überrascht. Dem konnte ich aber nicht wirklich böse sein, denn irgendwoher muss diese überbordende biologische Vielfalt ja ihr Wasser her beziehen.

Ein schmaler Bach verläuft durch den Wald.
Leider waren auch an diesem Bach keine Tiere zu entdecken.

Abends war ich völlig erschöpft von den vielen Eindrücken und konnte nur noch in mein (nicht besonders bequemes) Hostelbett fallen. Doch die Natur hatte mir Lust auf mehr gemacht, und auf meine Unikurse zu den Themen Tropische Ökologie und Umweltschutz freue ich mich jetzt noch mehr als vorher!

Als nächstes ging es für mich in einen ganz anderen Teil des Landes, und zwar an die Pazifikküste. Den Bericht davon lest ihr in Teil 2!

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