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Rom-Real-Talk: Mein Erasmusbuch

Rom – was soll ich sagen? Eine Stadt, die mich anfangs überfordert hat und mir am Ende das Herz gestohlen hat. Als ich mein zweites Auslandssemester geplant habe, wusste ich: Es soll wieder Italien werden. Aber war Rom wirklich „meine“ Stadt? Heute kann ich sagen: Ja, sowas von! Ich nehme euch mit in meinen ganz persönlichen Rückblick – mit Höhen, Tiefen, ganz viel Pasta, Meer, Uni, Selfgrowth und Momenten, die für immer bleiben werden.

Nach meinem Auslandsjahr in Florenz 2021/2022 war ich mir sicher, dass ich noch mal ins Ausland möchte. Dass ich wieder nach Italien möchte, stand nicht einmal außer Frage. Aber Rom? War das wirklich die richtige Wahl? Definitiv.

Als ich damals meine Freundin dort besucht habe, kam mir die Stadt zu groß, zu laut, zu chaotisch und ehrlich gesagt auch etwas zu „schmutzig“ vor – vor allem im Vergleich zu Florenz. Jetzt, nachdem ich fast jeden Monat Tagestrips nach Florenz gemacht habe, denke ich mir: Was habe ich da eigentlich 10 Monate lang gemacht?
Genau das, was mir an Rom anfangs zu viel war – diese Weite, diese Größe – habe ich am Ende lieben gelernt. Mehr Strecke = mehr Zeit zum Laufen, Musik hören, Nachdenken, Reflektieren. Dinge, die ich früher nicht mal als „positiv“ betrachtet hätte (z.B. über eine Stunde lang Bus fahren oder 2km erst zur Metrostation laufen), haben mir hier gutgetan.

Die fünf Monate sind so schnell vergangen, ich weiß selbst nicht, wo die Zeit hin ist. Es hat sich wie ein kleiner Traum angefühlt: Ich habe mir einen Alltag aufgebaut, Freundschaften geschlossen, Gewohnheiten entwickelt und den Moment bewusster gelebt als je zuvor – auf jeden Fall viel bewusster als damals in Florenz. Ich wollte ein „slow life“ führen: auf mich selbst hören, tun, worauf ich Lust habe. Morgens in meinem Viertel voller italienischer Locals in mein Stammcafé, Kaffee trinken, Cornetto essen – genau mein Ding.

Ich habe mir da wirklich einen kleinen Safe Space aufgebaut. Schon ab Tag zwei war ich fast täglich im selben Café, immer mein Macchiato (manchmal auch ein Cappuccino) und mein geliebtes cornetto al pistacchio. Am Abschiedstag musste nicht nur ich weinen – auch der süße Opi, Beni, der mich immer abkassiert hat, hatte Tränen in den Augen. Die Inhaber waren übrigens auch Albaner, ich wurde immer „paesana“ genannt – also Landsfrau – und das fand ich jedes Mal so süß.

Ein Highlight für mich: Mein Erinnerungsbuch. Ich habe alle meine Erasmus-Freunde reinschreiben lassen – auch Beni hat reingeschrieben. Ich will mir das alles erst dann durchlesen, wenn ich emotional wieder etwas stabiler bin. Aber ich bin jetzt schon so froh, dass ich das gemacht habe.

Wie Beni in mein Buch reinschreibt
Wie Beni in mein Erasmusbuch reinschreibt.

FOMO? Diesmal nicht!

Ein großes Thema für mich war auch, meine FOMO (fear of missing out) in den Griff zu bekommen. In Florenz bin ich oft rausgegangen, obwohl ich eigentlich gar keine Lust hatte – einfach aus Angst, was zu verpassen. In Rom war das anders. Ich habe viel mehr auf mich selbst gehört, war ehrlicher zu mir – auch in Bezug auf die Menschen um mich herum. Ich hatte meine Mädelsgruppe und ein paar gute Kontakte außerhalb davon, aber ich habe genau darauf geachtet, wer mir guttut. Keine Energieverschwendung mehr.
Ich hatte auch null das Gefühl, ständig raus oder auf jede Party zu müssen. Ich bin nur dann ausgegangen, wenn ich es wirklich gefühlt habe – und das war so eine Befreiung! Erasmus ist eben nicht nur Party (auch wenn das für manche dazugehört) – es ist auch die Chance, sich selbst neu kennenzulernen. Und ich habe Seiten an mir entdeckt, die ich vorher so nicht kannte.

Mädelsgruppe an einem Tisch
Unsere Mädelsgruppe beim „last supper“ – der Abschied war echt emotional.

Living like a local – mit italienischer Mitbewohnerin

Was meine Erfahrung in Rom ganz besonders gemacht hat: meine italienische Mitbewohnerin Natalia! Dadurch hat sich alles noch mal viel echter angefühlt. Wir haben zu Hause ausschließlich Italienisch gesprochen, und mein Sprachniveau ist dadurch noch mal richtig gewachsen.
Sie hat mir so viel über italienische Bräuche erzählt – zum Beispiel, dass Pasquetta (Ostermontag) mit Familie und Freunden gegrillt wird! Dieses Jahr hatte Pasquetta aber einen komischen Nachgeschmack, da der Papst an dem Tag gestorben ist.

Bild mit Mitbewohnerin am Kaffee trinken
Natalia und ich bei unserem täglichen Kaffee.

Uni-Alltag in Rom: besser, als gedacht

Die Uni-Erfahrung war in Rom ganz anders als in Florenz. Dort war ich eher ungern in der Uni, auch weil nach Corona noch vieles improvisiert war. In Rom war ich auf dem Main Campus der Sapienza – ein riesiges Gelände mit vielen Studis, klarer Struktur, guter Orientierung und einem echten Campus-Feeling.
Auch wenn mein Weg zur Uni über eine Stunde dauerte: Ich war gern da. Die Willkommensveranstaltungen waren superorganisiert, die Atmosphäre herzlich, und ich habe mich schnell wohlgefühlt.
Ich hatte drei Kurse, zeitlich gut verteilt – genug Raum für Ausflüge und spontane Trips. Tipp: Klärt direkt zu Beginn ab, welche Prüfungsform verlangt wird. In meinem Literaturkurs durften wir auf Nachfrage einen Essay abgeben und wurden dazu in der mündlichen Prüfung befragt – hat mir viele stressige Nächte erspart.
Was schade war: An der Uni selbst war es nicht so einfach, in italienische Gruppen reinzukommen. Die meisten Kontakte hatte ich über Erasmus. In den WhatsApp-Gruppen der Kurse wurde selten geholfen, oft nur privat. Es herrschte teilweise eine richtige Konkurrenzstimmung – Notizen wurden nicht gern geteilt. Dabei sind genau diese oft die einzige Grundlage, weil es kaum PowerPoints gibt und viele Prüfungen auf dem basieren, was der Prof mündlich sagt. Insgesamt waren die Professor*innen sehr verständnisvoll, haben auch bei den Noten gegönnt und es war eine tolle Erfahrung. Dadurch, dass ich in Florenz verstanden habe „wie es in Italien läuft“ konnte ich jetzt in Rom es auch anders genießen, da ich weniger Angst vor mündlichen Prüfungen auf Italienisch hatte.

Der Papst, das Giubileo und ich

Und ja – klar wollt ihr wissen: Wie war das mit dem Heiligen Jahr und dem Tod von Papst Franziskus? Und der Wahl des neuen Papstes (der Amerikaner!)? Ganz ehrlich: Ich habe davon gar nicht so viel mitbekommen. Ich habe bewusst nicht im Zentrum gewohnt und die Menschenmassen bei solchen Großereignissen eher gemieden. Trotzdem: Es ist irgendwie verrückt, dass ich genau in dieser geschichtsträchtigen Zeit in Rom gelebt habe. Wer kann das schon von sich behaupten?

Meer, Sonne, Core Memories

Rom liegt einfach perfekt, um Italien zu entdecken – vor allem den Süden. Ich war so viel unterwegs, habe kleine Küstenorte erkundet und Erinnerungen gesammelt, die ich nie vergesse. Vor allem gegen Ende, als es wärmer wurde, war das Meer Gold wert. Mein kleines Ranking der Strände in der Nähe von Rom:

  1. Santa Marinella
     + sehr sauberes Wasser, nette Locals, nur 1 h ab Termini, Strand 5 Minuten entfernt vom Bahnhof
     – wenig freier Strand, Liegen+Schirm relativ teuer (40–60 €)
  2. Anzio
     + schönstes Wasser, viel Platz
     – Anfahrt etwas länger, vor allem aus meinem Viertel, 15 Minuten laufen bis zum Strand
  3. Ostia
     + sehr nah
     – kleiner freier Strandabteil, Wasser nicht so besonders

Während der Prüfungsphase sind wir sogar oft ans Meer gefahren, da es in der Innenstadt wirklich unerträglich heiß war und wir es kaum ausgehalten haben. Die Sonne war wirklich viel viel viel zu stark – warum also nicht zwischen Lernphasen kurz ins Wasser hüpfen?

Edona und ich am Strand, Selfie
Meine Freundin Edona und ich am Strand von Santa Marinella (unser fav).

Finanzen: Besser als gedacht

Tatsächlich habe ich es finanziell gut gemeistert. Ich hatte eine schöne, saubere Wohnung, habe viel selbst gekocht – und ja, ich bin ein bisschen zum Olivenöl-Fan geworden. (Kleiner Fun Fact: Der Onkel meiner Mitbewohnerin stellt es selbst her – wir hatten also immer frisches, selbst gemachtes Olivenöl da. Ein Traum!)
Einzige Konstante, auf die ich nie verzichtet habe: mein morgendlicher Kaffee + Cornetto. Das war mein Ritual, mein Luxus – und das war’s mir wert. Mit Auslands-BAföG, Erasmus-Stipendium und meinem monatlichen Honorar war es auf jeden Fall machbar. Klar: Ich hatte auch Glück mit meiner Miete, da habe ich im Vergleich zu anderen echt gut abgeschnitten.
Mein Fazit: Geld kommt und geht – aber Erinnerungen bleiben. Wenn ihr die Chance habt, nehmt mit, was geht! Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, wie ich mein Auslandssemester finanziert habe, dann lest meinen Blogbeitrag „Kein Geld, keine Ausreden: So geht Erasmus+ trotzdem“

Ich bin gewachsen

Diese fünf Monate in Rom waren einfach besonders. Ich habe jeden Tag bewusst gelebt, mich selbst besser kennengelernt, neue Seiten an mir entdeckt – und vor allem: Ich bin gewachsen. Rom hat mich verändert. Ich bin unglaublich dankbar für diese Zeit, für all die kleinen Momente, die so viel bedeuten für die Menschen, die mich begleitet haben, und für das Gefühl, angekommen zu sein – zumindest für eine Weile – an einem Ort, der so lebendig, chaotisch, wunderschön und voller Geschichte ist wie Rom.

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