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Sauna auf dem Dach, Party im Keller: Wohnheimkultur in Helsinki

Nach ein wenig Eingewöhnungszeit im hohen Norden sind mir einige Eigenheiten aufgefallen, die das Wohnheimleben mit sich bringt.

Sonnenaufgang hinter Hauskulisse
Morgenstund hat Gold im Mund: ein Blick durch mein Wohnheimfenster

Geschlechtertrennung olé!

Kaum zu glauben aber wahr: ich wohne mit fünf Mädels zusammen. Und die Jungs im Stockwerk über mir mit fünf anderen Jungen. Das finnische Studentenwerk HOAS hat wohl die besten Erfahrungen in Sachen „friedliches Zusammenleben“ gemacht, wenn Männlein und Weiblein fein säuberlich voneinander getrennt werden. An sich eine gute Idee, um Schamoffensiven aus dem Weg zu gehen und die WG sauber zu halten. Etwas unpraktisch, wenn es nur eine Dusche für fünf Frauen mit langen Haaren gibt.

Aber auch in Sachen kulturelle Vermischung wurde einigen leider ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die meisten WGs sind im kulturellen Austausch  eher öde. Das bedeutet, dass Spanier zu Spaniern und Deutsche zu Deutschen gepackt werden. Schön dabei ist wieder, dass man dasselbe Reinlichkeitsverständnis mitbringt. Etwas blöd nur, wenn man in ein anderes Land geht, um neue Kulturen kennen lernen zu wollen.

Hallo Sauna

Trotzdem ist es dank der einladend gestalteten Gemeinschaftsräume leicht möglich, mit anderen Austauschstudenten in Kontakt zu treten. Es herrscht zwar ein leichter Überschuss an Deutschen, Italienern und Franzosen, allerdings ist das ja auch multikulti genug.

Die Wohnheimverwaltung hat ein Programm entworfen, mit dem man online alles Notwendige buchen kann: den privaten Gang in die Sauna, das Zeitfenster in dem man waschen und trocknen möchte, in einer eigens auserkorenen Waschmaschine mit wirklich unglaublicher Füllmenge und die hauseigene Partybude, die umsonst aber leider nur von 18:00 bis 22:00 Uhr reservierbar ist. Danach muss das Feld geräumt werden. Kleiner Hinweis am Rande: Nachtruhe ist hier eigentlich überall ab 22:00 Uhr. Leider kommt es am Wochenende, überwiegend Sonntags, bei den Waschmaschinen oft zum Stau. Denn einige wachsame Bewohner haben entdeckt, dass die Uhren hier langsamer ticken. Die Dauer einer Minute wird durch die Maschinen deutlich über 60 Sekunden gestreckt, keiner weiß warum.

Die Sauna soll übrigens klein aber fein sein, ich werde berichten, sobald ich sie ausprobiert habe. Schön ist aber vor allem, dass sich diese im neunten Stock befindet und man einen tollen Blick über Helsinki hat. Ein Ausgang zur Terrasse ist inklusive und wahrer Luxus.

Zimmer von Innen
Mein Blick aus dem siebten Stock in einem der größten Zimmer (10,5 m²) in Pasila

Und was kostet der ganze Spaß?

Internet (Achtung: kein WLAN, der Router muss selbst mitgebracht werden), Heizung, Wasser und Co sind all inklsive. Da bleibt man gerne ein, zwei Minuten länger unter der Dusche. Für meine 10,5 m² bezahle ich stolze 417 Euro. Ist fast noch günstig, wenn man bedenkt, dass zentral gelegenere Studentenwohnheime einen Mietpreis von 600 Euro verlangen. Da nimmt man die 5-minütige Zugfahrt in Richtung Stadtzentrum gerne in Kauf. Und das coolste ist, dass man das Eigenheim auf Zeit sogar einen Monat länger, also den gesamten Juni, umsonst bewohnen kann.

Der Vermieterbund HOAS schreibt, dass die Wohnheime im Sommer leer stehen würden, bis die nächste Erasmus-Generation ihr Abenteur antritt. Nur ein Wohnheim in der Innenstadt wird jeden Juni zum Hostel umfunktioniert, sodass hier die Möglichkeit der Mietverlängerung nicht besteht. Da die gesamten Kosten für die Häuser in bzw. nach neun Monaten abbezahlt sind, sich die Kosten also durch zwei Austauschstudenten im Jahr decken lassen (kein Wunder bei der horrenden Miete), wird den Bewohnern die ‚Ferienwohnung auf Zeit‘ angeboten. Dazu muss man lediglich im Zeitraum zwischen März und April zum Sekretariat gehen, und einen neuen Mietvertrag unterschreiben.

Bisher habe ich nur positive Rückmeldungen zu unserem schönen Wohnheim gehört, welches auf den wunderschönen Namen „Junailijankuja“ getauft ist. Es fühlt sich oft so an, als wären wir trotz aller Trennungen eine große Familie. Schnell mal runter zu den zwanzig anderen deutschen Mädels – ist nämlich nur einen Katzensprung entfernt.

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