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Schluss mit lustig!

Schluss mit lustig!

Wie die meisten anderen Universitäten wurde auch die UCSB wegen Corona geschlossen. Viele der Austauschstudenten sind nach Hause gefahren. Wie ich das Ganze gehandhabt habe, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

Strand
Ein Unwetter braut sich herauf. Corona im Anzug.

Bis vor einer Woche war die ganze Thematik des Coronavirus noch nicht in Isla Vista angekommen. Wir Studierenden verbrachten weiterhin viel Zeit am Strand und wollte es nicht wahrhaben, dass ein Virus unseren Frieden schon bald stören sollte. Ich erinnere mich an eine Abschiedsparty. Es war am Freitag, den 13. März 2020. Alle Studierenden, die nur für das Winterquarter bleiben wollten, hatten ihren Abflug kurz danach geplant. Die Berichte aus Europa informierten  schon über Tausende von Toten, doch es war schwer zu glauben. In den USA schien die Aufruhr noch nicht angekommen zu sein. Doch an diesem Tag hatte ich schon meine ersten Bedenken. Währenddessen im Haus viel gemeinsam getanzt wurde und alle ihre Getränke teilten, bestimmte mich schon eine gewisse Unruhe und ich wollte gar nicht das Haus betreten. Stattdessen blieb ich mit Freunden auf dem Hof und wir unterhielten uns natürlich fast ausschließlich nur über das Coronavirus. Wir versprachen uns, dass wir auf jeden Fall in Kalifornien bleiben würden und dass es doch keinen Sinn machen würde das „Paradies“ zu verlassen. Zudem hatten wir aus zweiter Hand erfahren, dass ein UCSB-Student positiv auf Corona getestet worden war. Dieser war Mitglied einer populären Frat in Isla Vista (Eine Frat, oder Fraternity(zu deutsch Bruderschaft) ist eine studentische Gemeinschaft für junge männliche Studenten. Für Mädchen gibt es das gleiche als Sorority) . Gemeinsam mit seinen Freunden hatte er das CRSSD Festival in San Diego besucht und sie hatten Getränke geteilt. Einige Tage später hatten einige der spanischen Austauschstudenten mit ihm ein paar Stunden am Strand verbracht. Diese neuen Infos ließen mich nicht los und ich ging schon bald nach Hause.

Eine Woche später…

… hatten sich fast alle meine Freunde einen spontanen Rückflug zurück in ihre Heimatländer gebucht. Die meisten buchten sich einen Flug für den nächsten Tag, aus Sorge davor, dass die Flüge storniert werden könnten. Es blieb wenig Zeit für ein fare well (Abschied) und die Grundstimmung war angespannt und traurig. Jeden Tag ereilte mich die Nachricht von jemand Neuem, der entschieden hatte nach Hause zu fahren. Wie Faustschläge, die einem in den Bauch gegeben werden und von denen man sich immer wieder erholen musste. Gleichzeitig war ich immer noch felsenfest davon überzeugt, in Kalifornien zu bleiben.

Vier Tage später …

… hatte dann auch ich meinen Rückflug gebucht. Meine Eltern hatten mir ihre Sorgen und Bedenken mitgeteilt und im Fall einer Quarantäne hätte ich ganz alleine in meinem Apartment leben müssen. Mein Mitbewohner war schon zu seiner Freundin und seinen Eltern nach San Diego gefahren.

Ich verkaufte mein Auto an Jonathan, meinen schwedischen Freund, der weiterhin bleiben wollte, packte meine Sachen und am Montag, den 24. März 2020 ging dann mein Rückflug über Amsterdam nach Berlin.

Yannic
Auf Wiedersehen Isla Vista.

Jetzt sind es vorrangig Schweden und Spanier, die noch in IV sind. Die Spanier bleiben mutmaßlich, weil sie in Spanien befürchten noch schlimmer dran zu sein und in Schweden wird der Coronavirus noch nicht richtig ernst genommen.

Amsterdam

amsterdam
Zwischenstopp in Amsterdam.

In Amsterdam schien mir die Welt fast ganz normal. Ich hatte einen siebenstündigen Zwischenstopp und entschied mich durch die Stadt zu laufen. Mit dem Zug sind es nur 30 Minuten bis ins Zentrum und man kann von dort aus gut die Stadt entdecken. Auf meinem Erkundungstrip durch die Stadt begegnete ich vielen Menschen, doch alle waren darauf bedacht einen Zwei-Meter-Abstand von mir zu wahren.

Berlin-Tegel

In Berlin angekommen begrüßte mich schon ein eisiger Wind. Da der Flughafen nur im Sparbetrieb lief, wurden wir von Bussen abgeholt. Wenn es irgendwo die Gefahr gab, sich anzustecken, dann war dies wahrscheinlich der Fall in den Flughafen-Bussen. Es fuhren viel zu wenig Busse und der Abstand zwischen den einzelnen Fluggästen war deutlich geringer als 2 Meter. Wohl eher 20 cm. Willkommen zurück. Meine Eltern holten mich vom Flughafen ab und es ging nach Hause. Zuhause hatten sie sich in einem Teil der Zimmer eingerichtet und ich sollte mich in dem anderen Teil der Zimmer wohlfühlen. 14 Tage Quarantäne sollten vor mir liegen, um das Risiko zu minimieren jemanden anzustecken. Jetzt gerade bleiben mir noch 4 Tage in der besagten Quarantäne. Gleichzeitig machten wir eine kleine Radtour und Wanderung, um unser Immunsystem zu stärken. Dies war (und ist) zu dem Zeitpunkt in Berlin noch erlaubt.

Und nun geht auch schon online das Spring Quarter an der UCSB los. Mehr dazu in meinem nächsten Blogbeitrag. Für mehr Beiträge vor Ort, schaut mal bei Emils Blog vorbei. Emil bleibt nach wie vor in Santa Barbara und wir sind uns schon in einer der ZOOM-Online-Vorlesungen über den Weg gelaufen.

 

Kommentare
  1. Emil Sawan Montag

    9. April 2020

    Isla Vista misses you!

  2. H.

    5. April 2020

    Berlin ist im Frühling viel mehr Paradis als Isla Vista…hörte ich.

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