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Sprachbarriere in Korea – wie groß ist sie wirklich?

Sprachbarriere in Korea – wie groß ist sie wirklich?

„Wie gut kommt man in Korea ohne Koreanisch zurecht?“, eine der Fragen, die ich am häufigsten gestellt bekomme. Gar nicht so einfach zu beantworten. Ich sage meistens: „Es kommt drauf an.“ Worauf genau und wie ihr mit Basic Korean den Alltag meistert, erfahrt ihr hier.

Straßenkreuzung mit Menschen, die gerade überqueren
Eine Straßenkreuzung im Jogno-Gu, ein sehr beliebter Stadtteil für Touristen.

Zuerst einmal kann ich diejenigen beruhigen, die sich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse Sorgen machen, wie das Leben in Korea sein wird. Es gibt Leute, die seit Jahren hier wohnen, kein einziges Wort Koreanisch sprechen und trotzdem zurechtkommen. Die Leute hier sind grundsätzlich sehr hilfsbereit und bemüht, einen zu verstehen oder einem zu helfen. Außerdem gibt es heutzutage genügend Übersetzungs-Apps, auf die man zurückgreifen kann (mein persönlicher Favorit für Koreanisch: die App „Papago“). Ich habe schon so einige Situationen und Konversationen mehr oder weniger elegant mithilfe dieser App bewältigen können.

Ein Smartphone mit geöffneter Übersetzungsapp
Der Vorteil von Papago: es gibt die „Honorific“ Funktion, um zwischen der höflich/formellen und der informellen Sprache zu wechseln, was im Koreanischen sehr wichtig ist.

Wie weit kommt man alleine mit Englisch?

Hier an der Universität sprechen die meisten gutes bis sehr gutes Englisch. Zumindest können sie einen sehr gut verstehen, auch wenn einige etwas schüchtern und zurückhaltend sind, was das Sprechen betrifft. Der Unterricht und auch sonst das Zurechtfinden stellt eher kein Problem dar. Allerdings muss man auch bedenken, dass es sich um eine der Top-Universitäten Südkoreas handelt.
Innerhalb Seouls kommt man auch größtenteils gut mit Englisch zurecht. Der ÖPNV ist mit englischen Schildern ausgestattet (zusätzlich zu Hangeul, den koreanischen Schriftzeichen), ähnlich verhält es sich mit vielen Geschäften und Restaurants. Meist habe ich die Erfahrung gemacht, dass es, sobald man diese eher internationalen Gegenden und Kreise verlässt, etwas schwieriger wird mit der Kommunikation. Beispielsweise in kleineren koreanischen Restaurants, beim Friseur (wenn man nicht gerade einen aussucht, der sich auf Ausländer*innen „spezialisiert“ hat), beim Nagelsalon, beim Taxifahren. Oft ist es so, dass man zwar zu den englisch-sprachigen Orten gehen kann, die aber deutlich teurer sind als die lokalen koreanischen Varianten (die qualitativ definitiv nicht unterlegen sind). Bei vielen Apps, die hier zum Alltag gehören, muss man manchmal etwas kämpfen, da es keine englische Version gibt oder man zumindest stellenweise auf Hangeul angewiesen ist. Selbst unsere Uni-App hat einige Features, für die man zumindest Hangeul lesen können sollte.

Eine Markthalle mit Essen
Ein lokaler Markt für koreanische Lebensmittel: hier lohnt es sich sehr, ein paar Brocken Koreanisch zu können!

Überleben vs. Richtig erleben

Also: Überleben kann man hier schon ohne Koreanisch. Aber: ohne Koreanisch „richtig“ Korea erleben? Eher schwer. Selbst wenn man nicht für immer hier leben möchte, kann man doch deutlich mehr erleben, sich besser in die Gesellschaft integrieren, sich tiefgründiger mit anderen Koreanern verstehen, ein authentischeres Gefühl von Korea bekommen, wenn man etwas Koreanisch spricht. Beispielsweise war es an der Uni praktisch unmöglich, einigen Studenteninitiativen beizutreten, ohne Koreanisch zu sprechen. Es erleichtert einem den Alltag deutlich, zumindest Hangeul lesen zu können. Da oft Wörter von dem Englischen benutzt werden, versteht man auch ohne Vokabellernen bereits einiges.

Viele koreanische Studierende, die ich an der Uni kennengelernt haben, waren schon im Ausland und konnten daher sehr gut Englisch. Bei denjenigen, die nicht so gut Englisch sprechen, wird es etwas schwieriger mit der Sprachbarriere. Andererseits kann man so auch koreanische Freunde finden, die ihr Englisch verbessern möchten und dafür mit einem selber Koreanisch üben. Apps und Meetings, die „Language Exchange“ anbieten, würde ich allerdings prinzipiell mit Vorsicht genießen, da das nicht alle mit der alleinigen Intention des Sprachaustausches angehen.

Chancen und Möglichkeiten

Aussicht auf Berge und Fluss

Eine Stunde nordöstlich von Seoul liegt Gapyeong, eine deutlich ländlichere Gegend mit weniger „englische Infrastruktur“.

Insbesondere außerhalb Seouls spürt man die Sprachbarriere immer deutlicher. In kleineren Städten und ländlichen Regionen sprechen die Leute kaum Englisch, und die Infrastruktur ist nicht mehr so sehr darauf ausgerichtet wie in Seoul. Viele Austauschstudierende verlassen diese internationale Blase in Seoul (abgesehen von Busan und Jeju) kaum, aber da ich selber gerade diese Seiten Koreas entdecken möchte, habe ich gemerkt, wie wichtig Sprachkenntnisse dort sind.

Auch bei Dingen wie Praktika ist man ohne jegliche Koreanischkenntnisse relativ limitiert: abgesehen von internationalen Organisationen und den Niederlassungen von einigen internationalen Firmen werden in der Regel fließende Koreanischkenntnisse gefordert. Deutsche Studierende, die hier Praktika absolvieren, tun dies daher auch oft bei deutschen Institutionen (Deutsche Botschaft, Goethe-Institut, etc.).

Sprache als Schlüssel zur Kultur

Letztendlich muss man sich selber überlegen, wie sehr man tatsächlich eine Kultur vor Ort erleben möchte, sich mit Einheimischen verständigen will und die internationale Community verlassen möchte. Denn Sprachkenntnisse sind dafür zunehmend ein Muss. Ich finde, dass das Lernen einer neuen Sprache einen ganz anderen Zugang sowie ein viel besseres Verständnis von einer neuen Kultur ermöglicht. Die Sprache alleine vermittelt bereits so viel Unausgesprochenes über ihre dazugehörige Kultur. Im Koreanischen beispielsweise gibt es die sehr komplexen Höflichkeitsformen, die ein Spiegel der koreanischen Gesellschaft darstellt, in der Respekt gegenüber Älteren einen hohen Stellenwert hat.

Kein Grund zum Verzweifeln: wie schon in meinem Bericht zu meinem Koreanischkurs angemerkt, ist das Alphabet an sich nicht schwer zu lernen. Es dauert in der Regel nicht allzu lange, bis man alltägliche Dinge wie Essen bestellen, nach dem Weg fragen etc. meistern kann. Mehr Infos zum Thema Koreanisch lernen gibt es in meinem Beitrag zu meinem Sprachkurs. Also: Viel Spaß beim Lernen dieser wunderschönen Sprache!

Ein Koreanisches Lehrbuch Ein Koreanisches Lehrbuch
Man muss nicht gleich den TOPIK absolvieren (=koreanische Version des TOEFL), um sich ein paar Alltagsphrasen anzueignen.
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