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Er ist wieder da: Unistress im Master

Er ist wieder da: Unistress im Master

Die ersten Wochen von meinem Master Political Communication an der Universität von Amsterdam waren recht entspannt. Ich hatte neben der Uni viel Zeit meine Freunde zu treffen, ausgiebig zu kochen und spät aufzustehen. Letzten Sonntag traf mich dann auf einmal die Realität: Es haben sich alle möglichen Dinge angesammelt, die gemacht werden müssen. Jetzt.

Im ersten Monat von meinem Master war der Arbeitsaufwand noch sehr gering. Es ging hautsächlich darum erste Einblicke in die Themen und die verschiedenen Fächer zu bekommen und so eine Grundlage für die kommenden Hausarbeiten zu schaffen. Einen Beitrag dazu könnt ihr hier lesen. Diese Grundlage ist mittlerweile da. Die wichtigsten Themen im Media-Effects-Research (In unserem Fall: Welchen Einfluss (Soziale) Medien und Politiker*innen mit ihrer Kommunikation auf die Bürger haben) haben wir schon alle behandelt. In sechs Vorlesungen haben wir einiges gelernt. Zum Beispiel wie Menschen politisches Wissen erlangen und welche Arten von Wissen es gibt. Welche Herausforderungen Soziale Medien und Wissenserwerb durchs Internet mit sich bringen, welche Rolle Emotionen in politischer Kommunikation spielen und was für einen Effekt negative Wahlkampagnen haben. Ähnlich sieht es in meinem anderen Kurs aus, indem der Fokus nicht auf dem Effekt der Medien auf die Menschen liegt, sondern auf den Medien selbst. In diesem Fach wissen wir mittlerweile welchen Einflüssen Medien unterliegen, was es für verschiedene Rollenvorstellungen von Journalist*innen gibt und wie Objektivitätsvorstellung in Berichterstattung sich in verschiedenen Ländern unterscheiden.

Seit letzter Woche müssen wir uns jetzt damit beschäftigen, Themen für die anstehenden Assignments auszusuchen. Wir können dabei im Grunde alles wählen, was wir bisher in den Vorlesungen durchgenommen haben. Vor ein paar Tagen sollten wir dann das Thema für unsere Literaturanalyse einreichen. Die Abgabe wird noch nicht benotet aber wir bekommen ein erstes (und einziges) Feedback, ob unser Thema geeignet ist.

Und schon geht es los: Die Qual der Wahl.

Ich habe das Thema für mein Proposal vier Mal geändert. Erst wollte ich über Gender Bias gegenüber Politikerrinnen in Printmedien schreiben, zum Beispiel werden Politikerinnen oft weniger häufig in den Medien gezeigt als Politiker auch wenn sie eine vergleichbare Position haben. Dazu gab es zu viel Literatur,  mein Thema wäre also nicht besonders originell und ich hätte noch einen neuen Ansatzpunkt suchen müssen. Dann wollte ich über die Darstellung von Emotionalität von männlichen Politikern schreiben (zum Beispiel Barack Obama, der weint als er über den Amoklauf an Grundschulkindern an der Sandy Hook Elementary School spricht). Hierzu gab es zu wenig Literatur, ich hätte also nicht genug gefunden, um tatsächlich die Literatur zu analysieren. Dann wollte ich über die Faktoren schreiben, die zu mehr populistischer Berichterstattung führen. Hierzu gab es eigentlich gar keine Literatur. Schlussendlich habe ich doch ein Thema gefunden, dass – nach meiner Einschätzung – alle Kriterien erfüllt: Welche Faktoren beeinflussen mediale Berichterstattung von extrem rechten politischen Parteien? – Hoffentlich finden meine Professoren das Thema ebenso interessant und relevant wie ich!

Ich sitzte in der Bibliothek und schaue auf mein Handy. Auf dem Tisch steht mein aufgeklappter Laptop.
In der Bibliothek werde ich von nun an öfter sitzen – geplant ist allerdings mehr Fokus auf den Computer zu richten als auf das Handy.

Noch viel mehr Arbeit als das Finden eines Themas für die Literaturanalyse ist es allerdings ein Thema inklusive Forschungsansatz für meine Masterarbeit zu finden. Ja, für die Masterarbeit. Da der Master in Amsterdam nur ein Jahr dauert, hatten wir vier(!) Wochen nach dem Start das erste Thesis-Preparation-Seminar. Ab dann hat die Suche nach einem Thema begonnen. So richtig weit bin ich damit aber noch nicht gekommen. Ich würde gerne etwas zu Europäischer Identität in meiner Masterarbeit machen, da das ein Thema ist, das mich sehr interessiert. Aber wie genau und was ich jetzt erforschen möchte und mit welcher Methode, das muss ich alles noch herausfinden. Bis zur Abgabe des ersten Proposals habe ich noch circa drei Wochen, aber um einen ernsthaften Vorschlag abzugeben gehen sicherlich zwei ganze Tage (Hallo Wochenende) drauf.

Neben der Uni habe ich auch noch einiges für meinen Job zu tun; denn wer bezahlt werden möchte muss auch arbeiten. Das tolle an meinem Job als Tutorin an der Uni ist, dass vieles sehr flexible ist. Bis nächste Woche muss ich noch 50 Assignments meiner Student*innen beurteilen (Nochmal, Hallo Wochenende). Das weiß ich schon seit ein paar Wochen und ich habe mich bewusst dafür entschieden, es am letzten Wochenende vor der Deadline zu machen.

Hatte ich schon gesagt, dass ich noch vier Artikel hinterher hänge für einen meiner Kurse?

Ist es wirklich so schlimm?

Nein. Das alles klingt etwas dramatischer als es ist. Denn wenn ich mal ehrlich bin ist der einzige Grund, dass ich im Moment ein bisschen hinterher hänge, dass ich es von den ersten Wochen der Uni noch gewöhnt bin lange auszuschlafen und sehr viel Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Ach ja, und ich bin noch ein verlängertes Wochenende nach Leipzig gefahren, was tragisch und wunderschön zugleich war, denn ich habe meinem lieben Mitbewohner bei seinem Umzug nach Deutschland geholfen. Im Grunde freue ich mich auch, dass ich jetzt mehr für die Uni und die Arbeit zu tun habe. Die Themen, mit denen wir uns im Studium beschäftigen, finde ich super interessant, und – vielleicht komisch, aber wahr – Hausarbeiten schreibe ich sogar gerne. Ab nächster Woche werde ich auch wieder alles aufgeholt haben und dann sinkt auch wieder der Stresspegel 😉.

Man sieht einen roten Transporter, der in einer Straße mit schönen Altbauhäusern steht.
Von Amsterdam nach Leipzig und wieder zurück im roten holländischen Mietwagen.

 

 

 

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