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Über den Post-Erasmus-Blues und was vom Ausland übrig bleibt

Über den Post-Erasmus-Blues und was vom Ausland übrig bleibt

Paris, La Réunion, Mauritius – 162 Tage war ich im Ausland unterwegs, das sind fünf Monate voller Abenteuer, neuen Freundschaften, fremden Sprachen und Kulturen. Seit Ende Januar bin ich wieder zu Hause. Wie sich die erste Woche zurück angefühlt hat und was vom Ausland übrig bleibt erzähle ich hier, in meinem vorerst letzten Blogpost.

Von der Île Intense

„Wie heißt die Insel nochmal, wo du warst?“, „La Réunion? Nie gehört, ist das in Frankreich?“. Wenn ich erzähle, wo ich die letzten fünf Monate verbracht habe, muss ich immer noch schmunzeln – es scheint schier unglaublich, wie viele Menschen noch nie von dem kleinen Stück französisches Paradies im Indischen Ozean gehört haben. Dabei ging es mir zu Beginn meines Studiums nicht anders.

Doch jetzt, nach einem Semester dort, kenne ich viele der Menschen auf der einst so unbekannten Insel persönlich, ich kenne (und liebe) die regionale Küche  und weiß, an welchem Strand es die schönsten Sonnenuntergänge gibt. Ich bin auf Vulkane geklettert, in Wasserfällen geschwommen, habe kiloweise frische Litschis, Mangos und Passionsfrüchte verschlungen und aus Liebe zur Ananas Victoria sogar ein kleines Tattoo über dem rechten Ellbogen mit nach Hause gebracht.

Jede Sekunde auf der kleinen Insel war neu, spannend, anders und unglaublich intensiv. Kurz: die ehemals so ferne und fremde Insel ist ein neues Zuhause geworden.

… zurück nach Deutschland

Doch egal, wie gut es einem geht: natürlich denkt man zwischendurch auch an die Familie und Freunde in Deutschland. Man freut sich auf Vollkornbrot, bezahlbaren Käse und darauf, mehr Kleidung besitzen zu können, als in den Koffer passt.

Und dann kommt der Tag, an dem man in den Flieger zurück nach Deutschland steigt, man wird von Freunden oder der Familie am Bahnhof begrüßt, dann geht es nach Hause, und man kann endlich all sein deutsches Lieblingsessen wieder essen.

Bei mir hat diese Freude genau zwei Tage angehalten, dann kam die Leere. Fünf Monate lang (plus der Zeit, in der man sich auf das Auslandssemester freut und vorbereitet) war La Réunion der Mittelpunkt meiner Gedanken, hier hat mein Leben stattgefunden, hier habe ich neue Freunde kennengelernt und ein paar der spannendsten Monate meines Lebens verbracht. Sollte das jetzt alles von heute auf morgen vorbei sein?

Jetzt erinnern scheinbar nur noch meine Bräune und ein paar neue WhatsApp-Kontakte daran, dass das alles kein Traum war, dass die fünf Monate wirklich passiert sind.

Aber ist das wirklich so? Ist das alles, was von fünf Monaten übrig bleibt?

Nein!

Denn auch (und vor allem) diese Dinge bleiben vom Ausland:

  • Viele, viele atemberaubend schöne Fotos zum ausdrucken, an die Wand hängen, und Gäste neidisch machen,
  • unzählige Geschichten, die man sein Leben lang erzählen wird (ich war gestern Abend noch in Köln unterwegs und habe jemandem in einer Bar mein Foto vor dem speienden Vulkan Piton de la Fournaise gezeigt, das hat sich ziemlich surreal angefühlt, mitten in Köln, aber war ein gutes Gesprächsthema),
  • Lebenserfahrungen, die man zuhause niemals gesammelt hätte
    (dazu zählt vor allem die Erfahrung, an einer ausländischen Uni studiert zu haben – denn dafür muss man sich anpassen, auf Neues einlassen können und Eigeninitiative beweisen. Aber wer das schafft, gewinnt Fähigkeiten, die ein Leben lang von Vorteil sein können.),
  • neue Freundschaften überall auf der Welt,
  • neue Sprachkenntnisse, und diese, dank der internationalen neuen Freundschaften, nicht nur in der Sprache des Gastlandes,
  • das Wissen, dass man es alleine, in einem fremden Land mit einer fremden Sprache, geschafft hat, sich ein Leben aufzubauen, denn das ist schwieriger, als es auf Instagram manchmal aussieht – aber das Gefühl, eine tropische Insel im Indischen Ozean (wenn auch nur kurz) sein Zuhause nennen zu können, ist es zu 100% wert.

Obwohl meine Zeit auf La Réunion schon mein dritter längerer Auslandsaufenthalt war, wurde ich dieses Mal tatsächlich zum ersten Mal von dem gefürchteten Post-Ausland-Blues erwischt. Was mir persönlich gerade hilft: mir neue Ziele zu setzen, auf die ich hinarbeiten kann, beispielsweise darauf, einen passenden Master zu finden – und wenn möglich, möchte ich für den auf jeden Fall wieder ins Ausland. 🙂

Übrigens: obwohl das hier mein letzter Beitrag als Correspondent für Studieren weltweit sein wird, stehe ich hier und auf Instagram natürlich immer für Fragen bereit. Traut euch, und geht auch ins Ausland – denn das sind Erfahrungen, die für immer bleiben.

Kommentare
  1. Michelle

    15. Februar 2020

    Ich kann eins sagen: Es wird einfacher! Ich war ein Jahr in Spanien. Klingt unspektakulär.. aber es war einfach eine unvergessliche Zeit. Und ein Teil meines Herzens wird wohl immer in dem kleinen Örtchen im Süden Andalusiens bleiben.

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