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So viel kostet das Studentenleben in Addis Abeba

Die Hälfte meines Semesters in Äthiopien ist nun schon vorbei, weshalb es Zeit wird für eine kleine Zwischenbilanz. Neben spannenden Erlebnissen, neuen Freundschaften und jeder Menge kultureller Eindrücke hat mich natürlich auch interessiert, wie teuer das Leben in Addis Abeba wirklich ist. Von der monatlichen Miete über Transportkosten bis hin zu Lebensmitteln und Freizeit. Hier gebe ich euch einen ehrlichen Überblick darüber, was das Studentenleben in Äthiopiens Hauptstadt tatsächlich kostet.

Gezahlt wird hier in Äthiopien mit Äthiopischen Birr (1 Euro entspricht ca. 180 ETB), und zwar fast überall ausschließlich mit Bargeld. Karten werden nur selten akzeptiert, wenn dann in größeren Hotels. Das hat am Anfang etwas Eingewöhnung gebraucht, vor allem weil das Abheben von Bargeld oft gar nicht so einfach ist. Die meisten Geldautomaten geben pro Transaktion nur bis zu 8.000 Birr aus, während meine Karte erst ab 9.500 Birr funktioniert. Das hat mich anfangs sehr verunsichert, wie ich an Geld komme, bis ich herausgefunden habe, bei welchen Bankautomaten es am besten klappt. Außerdem musste ich erst lernen, dass viele Geldscheine in der Hand zu haben nicht automatisch viel Geld bedeutet. Der größte Schein, 200 Birr, entspricht umgerechnet etwas mehr als einem Euro. So läuft man schnell mit einem dicken Bündel Geldscheine herum, das in der Realität nicht besonders viel ist. Mit der Zeit habe ich aber ein gutes Gefühl dafür entwickelt, wie viel ich tatsächlich ausgebe und wie viel Bargeld ich unterwegs dabei haben sollte

Meine monatlichen Ausgaben

Die Erste Ausgabe hatte ich, als ich am Flughafen meinen Handyvertrag abgeschlossen habe. Für 15 Dollar im Monat habe ich auf meiner äthiopischen Handynummer unbegrenztes Internet und kostenlose Anrufe. Die Handynummer hat sich wirklich gelohnt, da ich diese für Taxis, Geldbelege und die Uni brauche.
Wirklich überrascht war ich von den Preisen des Transports. Mit öffentlichen Bussen zu fahren kostet hier nämlich 15-25 ETB (8 -14 Cent) pro Fahrt. Meistens fahre ich allerdings mit äthiopischen Taxis, die hier über eine App namens Ride oder Feres, funktioniert. Dort kostet eine Fahrt je nach Strecke zwischen 200 und 350 ETB (1,12 und 1,90 Euro), nachts kann es etwas mehr sein. Weil Addis Abeba mit seiner Größe 530km² sehr weitläufig ist, fahre ich hier sehr oft Taxi, egal ob zum Schwimmbad, zum Park oder zur Tanzstunde. Da ich mir das Taxi fast immer mit meinen Freunden oder Mitbewohnern teile, kostet das pro Person nur wenig. Die Uni ist fußläufig zu erreichen.

Blauer Bus auf einer Straße
Äthiopischer Mini Bus

Lebensmittel kosten hier sehr wenig, solange man lokal auf dem Markt einkauft. Beispielsweise: 2 kg Bananen für 30 Cent, 500 Gramm Reis für 35 Cent und 10 Liter Wasser für 60 Cent. Obst und Gemüse ist hier mit am günstigsten (schau gerne in meinem letzten Blog vorbei, wenn dich interessiert, was es hier zu essen gibt).

Möchte man allerdings etwas mehr Komfort oder auch westliche Produkte, zahlt man für ein Glas Tomatensoße gerne mal 4 Euro. Traditionelles Essen in der Mensa bekomme ich für 30 Cent und außerhalb für 2-3 Euro. Nicht äthiopisches Essen kostet hier zwischen 5 und 8 Euro. Dazu kommt noch ein kleines Trinkgeld. Insgesamt ist das definitiv günstiger als wenn ich in Deutschland Essen gehe.

Am meisten Geld gebe ich hier in meiner Freizeit aus. Für einen traditionellen Tanzkurs zahle ich hier 4,50 Euro für 1 ½ Stunden. Da es hier noch angenehm warm ist, gehe ich gerne schwimmen. Der Eintritt kostet mich 2,50 Euro. Interessant ist hier, dass Parks Eintritt kosten. Allerdings auch nicht viel mit 200 ETB (1,12 Euro). Der Einlass für eine Jazzbar mit traditioneller Musik kostet mich ebenfalls 200 ETB. Bisher habe ich auch schon zwei Wochenendreisen außerhalb von Addis Abeba unternommen, die mich mit Übernachtung nicht mehr als 20 Euro gekostet haben und mir ein unvergessliches Erlebnis beschert haben.

Der teuerste Kostenpunkt ist das Wohnen. Für ein großes Zimmer mit Bad und einem gemeinschaftlichen Wohnraum und Küche, zahle ich 380 Euro pro Monat. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich das größte Zimmer in der WG habe und meine Mitbewohner deutlich weniger zahlen. Inklusive ist Wasser und Strom (wenn er mal funktioniert), Sicherheitspersonal vor dem Haus und eine riesige Dachterrasse auf der ich eine unbezahlbar schöne Aussicht habe.

Da die Uni in Addis Abeba eine Partneruni meiner deutschen Universität ist, fallen hier keine Studiengebühren an.

Spartipps und Finanzierung

Um das Studentenleben in Addis Abeba finanziell gut zu meistern, gibt es ein paar Tricks und Möglichkeiten, die mir sehr geholfen haben.
Wer ein Auslandssemester oder Masterstudium plant, kann zum Beispiel Stipendien beantragen, etwa vom DAAD. Allerdings sollte man sich frühzeitig informieren, denn die Bewerbungsfristen liegen oft mehrere Monate vor dem Auslandsaufenthalt, bei mir war die Frist leider schon vor meiner Zusage vorbei. Wenn man plant einen gesamten Master im Ausland zu verbringen, gibt es hierfür auch Stipendien je nach Region. Auch Auslands-BAföG ist eine Möglichkeit, zusätzliches Geld für den Aufenthalt zu bekommen

Zudem lassen sich alltägliche Sparmöglichkeiten nutzen:

Mein Studentenausweis verschafft mir zwar nur wenige, aber immerhin ein paar Museumsrabatte. Abos abzuschließen lohnt sich hier auch, für das Gym zum Beispiel. Außerdem bieten Gyms hier oftmals auch freie Probekurse an, an denen ich teilgenommen habe. Auch nehme ich hier wöchentlich an einem traditionellen Tanzkurs teil, bei welchem ich für fünf Einheiten gezahlt habe und das sechste mal umsonst daran teilnehmen darf. Besonders durch meine Resident Card spare ich in meiner Freizeit wirklich enorm viel Geld. Ein Beispiel: Ein Museumsbesuch kostet als „Foreigner“ 1000 ETB (ca. 5,60 Euro) während er für mich mit Resident Card nur 200 ETB (ca. 1,12 Euro) kostet. Es lohnt sich also immer meine Resident Card dabei zu haben, weil ich nie weiß, wo es spontan Vergünstigungen gibt.

Das Ganze finanziere ich mir über mein Correspondentengehalt, welches meinen Alltag hier deckt. Dazu kommt, dass ich vorab viel gearbeitet und gespart hatte. Mit ein bisschen Planung und cleverem Umgang mit Rabatten und Bargeld kann ich das Leben in Addis Abeba gut finanzieren und genießen.

Schlussbilanz

Insgesamt ist das Leben in Addis Abeba deutlich günstiger als in Deutschland, vor allem wenn man sich ein bisschen an die lokalen Gegebenheiten anpasst. Freizeitaktivitäten, Essen und öffentliche Verkehrsmittel kosten hier nur einen Bruchteil von dem, was ich von zuhause gewohnt bin. Trotzdem habe ich schnell gemerkt, dass man gerade auf den Märkten ein gutes Gespür für Preise entwickeln muss, denn oft scheinen sie ein wenig willkürlich festgelegt zu werden. Mit etwas Verhandlungsgeschick und Geduld findet man aber fast immer faire Deals.

Meine Miete ist ähnlich wie in Deutschland, die Wohnung in Addis ist aber auch in einer guten Lage und sehr gut ausgestattet, weshalb sie etwas teurer ist als der Durchschnitt hier.

Alles in allem lässt sich sagen, dass das Studentenleben in Addis Abeba nicht nur spannend und lehrreich ist, sondern auch bezahlbar. Vor allem jetzt, wo ich weiß, wie die Währungsumrechnung funktioniert. Insgesamt habe ich in meinem ersten Monat ohne Miete 180 Euro ausgegeben, was um einiges weniger ist als das, was ich in Deutschland ausgebe. Besonders wenn man bedenkt, dass ich hier jeden zweiten Tag Essen gehe, Museen und Parks besuche und Ausflüge am Wochenende unternehme, kann ich mir hier für wenig Geld viel mehr gönnen. Für mich heißt es also: Das Leben in Addis in vollen Zügen genießen bevor es für mich in Deutschland wieder sparen heißt.

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