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Wer studiert eigentlich in Kasan?

Wer studiert eigentlich in Kasan?

Warum es mich nach Russland verschlagen hat und was ich hier so treibe, wisst ihr ja nun. Aber wie schaut es eigentlich bei anderen internationalen Studierenden aus? Was waren ihre Gründe ein Studium im kalten Russland und dann auch noch ausgerechnet in Kasan aufzunehmen? Was sind ihre Eindrücke von der Stadt? Gefällt es ihnen? -– Tice, Osama und Maika stehen mir Rede und Antwort.

1. Tice

Tice vor einem Unigebäude bei Schnee
Tice aus Indonesien

Tice habe ich in meinem Russischkurs  kennengelernt. Sie ist sofort offen und mit einem großen Lächeln auf uns zugekommen und begrüßt uns seitdem immer mit einem „Hey Girls!“

Sie kommt ursprünglich aus Indonesien und hat vor ihrem Aufenthalt in Kasan schon für zehn Monate in Ufa studiert und Russich gelernt. Seit Oktober 2017 studiert sie nun hier International Relations of World Politics and International Business. Gerne wäre Tice noch länger in Ufa geblieben, die KFU war aber letztendlich einfach die bessere Universität mit dem deutlich besseren Wohnheim. Tatsächlich findet sie das Wohnheim hier herausragend und freut sich mit tausenden anderen internationalen Studierenden zu leben, sodass sie sich nicht allein fühlt und Heimweh garnicht erst aufkommen kann. Tice mag die ganzen alten Gebäude in Kasan und erfreut sich an der tatarischen Kultur und natürlich dem Essen. Das einzig Negative, das ihr über die Stadt einfällt ist, dass es in Kasan anscheinend windiger ist als woanders (das kann ich bestätigen, manchmal fühle ich mich als wäre ich an der Nordsee).

Auf die Frage, was ihre Lieblingserinnerung in Russland wäre, antwortete sie sofort. Als sie erstmals in Russland angekommen ist, konnte sie kein Russisch. Am Flughafen stand sie also mitten in der Nacht, mit zwei Koffern, einem Rucksack einer Handtasche und mehreren Tüten und wusste nicht, wie sie sich ein Taxi rufen sollte. Die Menschen halfen ihr, ohne auch nur die kleinste Möglichkeit der Verständigung. Danach war ihr klar: Russen sind sehr warme und hilfsbereite Menschen, auch wenn sie nach außen vielleicht nicht so wirken.

Tices Lieblingswort ist das russische Wort für Schneemann: Снеговик.

2. Osama

Osama in einem traditionellen Gewand mit Schere
Osama aus dem Yemen

Osama habe ich bei meiner ersten Model UN kennengelernt. Wir saßen in dem großen Hörsaal während der Eröffnungsveranstaltung und haben beide ungefähr gleich viel verstanden: nämlich nichts. Seitdem sehen wir uns ab und zu auf dem Campus und anderen UN-Simulationen.
Osama ist 25 und kommt aus dem Yemen. Seit 2017 studiert er in Kasan, erst lernte er Russisch und jetzt hat er mit seinem Master in Financial Management begonnen. Er möchte seinen ganzen Master, also insgesamt drei Jahre hier in Kasan bleiben und überlegt, seinen Aufenthalt sogar noch weiter zu verlängern.
Osama ist in Kasan, weil ein Freund, der seit zehn Jahren hier lebt, ihm dazu geraten hat. Nachdem er die Stadt kennengelernt hat, kann er sich ein Leben außerhalb von Kasan nicht mehr vorstellen. Mit seinen Worten: „I cant stop falling in love with this city“. An Kasan liebt er die Einfachheit – die Stadt fühlt sich nicht so riesig an obwohl es eine Millionenstadt ist, die Menschen sind fröhlich und hilfsbereit, das Wohnheim ist super. Das Einzige, was Osama stört, ist vielleicht das kalte Wetter. Doch auch damit verbindet er eine wichtige Erinnerung: Den erste Schnee in seinem Leben. 

Sein Lieblingswort ist Bitte: Пожалуйста. Einfach, weil er es hier so häufig hört.

 3. Maika

Maika ist meine finnische Nachbarin, die ich das erste Mal gesehen habe, als sie vor unserer Tür stand und nach einem Dosenöffner gefragt hat. Mit dem konnten wir leider nicht dienen.

Maika studiert zu Hause Geschichte, hier in Kasan lernt sie für ein Semester Russisch. Sie hat sich Kasan als Studienort ausgesucht, um die Möglichkeit zu ergreifen, Russland außerhalb von Moskau oder St. Petersburg kennenzulernen. Die tatarische Geschichte und Kultur waren für sie ebenfalls eine Anregung, da sie darüber schon ein bisschen wusste, die Tataren und ihre Kultur aber auch „persönlich“ einmal kennenlernen wollte.

Obwohl Russen manchmal vorgeworfen wird, sie wären Fremden gegenüber negativ eingestellt, so hat Maika nur freundliche Menschen getroffen, die ehrlich an ihr und ihrer Herkunft interessiert waren. Sie fühlt sich wilkommen in der Stadt und betont, dass gerade der Umgang der Menschen miteinander Kasan wie eine kleine Stadt erscheinen lasse.

Sachen, die Maika an Kasan nicht so sehr mag, sind eher Probleme, die sie in ganz Russland sieht, nicht nur hier. Sie findet es vor allem traurig, dass die Menschen nicht daran glauben, dass sie etwas verändern können.

Ihre liebste Erinnerung ist auch gleich der Tag ihrer Anreise, die nicht allzu gut startete. Durch den Stress und die Nervosität ging es ihr auf dem Flug von Moskau nach Kasan nicht sonderlich gut und obwohl sie zu aufgeregt war, um auch nur irgendein Wort auf Russisch sagen zu können, hat sie im Flugzeug noch Medikamente bekommen. Der ganze Stress war vergessen, als sie bei ihrer neuen Gastfamilie ankam, ihre Gastmutter ihr Blinis machte und sie gemeinsam mit der Familie die Sonnenfinsternis beobachtete.

Ihr Lieblingswort ist Erfahrung – Опыт, denn alles kann man als Erfahrung ansehen und selbst erst frustrierende Geschehnisse können später eine gute Geschichte sein.

Wie ihr seht, sind die Gründe für ein Studium in Kasan oder Russland unterschiedlich. Für jeden gibt es andere Beweggründe, sich in das kalte Land aufzumachen. Was alle aber verbindet sind die einmaligen Erfahrungen und Erinnerung die man hier sammelt.

Willst du einen Schneemann bauen,
musst du dich ins eisige Russland trauen.
Um Schnee muss man hier wahrlich nicht bitten,
zur Uni geht es mit dem Schlitten.
Aber seien wir ehrlich:
berghoch ist es beschwerlich…
Unsere Erfahrungen hier machen uns reich:
Unser Bild von Russland blieb nicht gleich!

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