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Plötzlich Millionärin – wie viel kostet ein Auslandsjahr in Iran?

Plötzlich Millionärin – wie viel kostet ein Auslandsjahr in Iran?

Studieren in Iran: Wie finanziert sich sowas? Wie sehr spüre ich die Inflation und was ist der Unterschied zwischen Rial und Toman?
Alles, was man über Stipendien, Wechselkurs und Preise wissen sollte.

Als ich mich für einen Studiengang mit integriertem Auslandjahr entschloss und klar war, dass ich in meinem dritten Jahr im Nahen oder Mittleren Osten studieren würde, war die Frage der Finanzierung natürlich schnell für mich und meine Eltern präsent.

Wie viel kosten zwei Auslandssemester in einem Land wie Iran? Mit welchen Ausgaben muss ich rechnen und wie kann ich zusätzliche finanzielle Unterstützung bekommen?

Mein Stipendium

Der DAAD fördert das Auslandsprogramm des CNMS jedes Jahr und ermöglicht es unserem Zentrum so, eine bestimmte Summe an (fast) jeden Studenten auszuzahlen.

Letztes Wintersemester war es zum ersten Mal nicht möglich, alle Studenten zu fördern und die Teilstipendien wurden nach Notendurchschnitt und zu gleichen Teilen an alle außer drei oder vier Studenten vergeben.

Ich hatte Glück und habe das Teilstipendium (inkl. pauschale Beträge für Reisekosten und Auslandskrankenversicherung) von insgesamt ca. 3.500 Euro bekommen.

Manche meiner Kommiliton*innen haben zusätzlich auch Auslands-BAföG beantragt.

Wie viel ist der Rial wert?

Der Iranische Rial steht momentan bei einem Kurs von ca. 1:40.000 (Euro/Rial). Das ist ganz schön schlecht und schwankt zwischen 1:38.000 und 1:42.000.
Bedeutet: Man bezahlt hier in 100.000-, 500.000- oder 1.000.000-IR-Scheinen (also 2,50, 12,50 bzw. 25 Euro) und hat schnell mehrere Millionen Rial in der Tasche. Weil diese Beträge wirklich ziemlich groß und umständlich sind, spricht hier niemand von Rial, sondern nur von Toman. Im Grunde werden eine oder vier Nullen gestrichen. Beispiel: zu 100.000 IR sagt man 10.000 Toman oder einfach 10 Toman.
Es dauert eine gewisse Zeit bis man sich an den Wert des Geldes und die Scheine gewöhnt. Wenn von einem zehn Tuman verlangt werden, man aber einen 100.000-IR-Schein geben muss, passieren anfangs schnell Fehler.

Die aktuellen Wechselkurse kann man an fast jeder Ecke bei den Wechselstuben nachsehen. Aber bloß kein Geld auf der Straße wechseln!

Wofür gebe ich dieses Geld also momentan aus?

 

Im Sprachkurs

Der Sprachkurs am Dehkhoda Language and Dictionary Institute kostet für die sechswöchigen Intervalle 175 Euro, was für das erste Semester 525 Euro ergibt.

Obwohl ich schon an die Uni ging, habe ich weiterhin ein Studentenvisum vom Dehkhoda bezogen, weshalb ich den Kursbeitrag bis jetzt weiter bezahlt habe… Fehler in der Organisation und nicht vorhergesehen, aber das passiert nunmal auch fast immer bei einem Auslandsjahr. Man kann nicht alle Kosten vorhersehen und es kommt manchmal anders, als gedacht.

An der Uni

Das Semester an der Universität Teheran ist für uns durch den Vertrag zwischen Uni Marburg und Teheran kostenlos, was wirklich super ist.

Natürlich muss man an der heimischen Universität in Deutschland eingeschrieben bleiben und den Semesterbeitrag zahlen, das Geld für das Semesterticket habe ich allerdings vom AStA erstattet bekommen.

Kann man Geld schicken? Sanktionen?

Durch die jahrelangen Sanktionen, von denen Iran betroffen war und ist, ist das Benutzen von ausländischen Bank- oder Kreditkarten im Land nicht möglich.

Inzwischen eröffnen immer mehr Geldinstitute, die es ermöglichen gegen (hohe) Gebühren Geld von Europa nach Iran zu überweisen, aber dafür benötigt man auch ein Bankkonto bei einer iranischen Bank. Als Dehkhoda-Student kann man neuerdings ein Konto bei der „Bank-e Pasargad“ eröffnen, das alles ist aber noch nicht lange möglich. Bis jetzt mussten also alle ausländischen Studenten mit all dem Geld, was sie für ein Semester oder Jahr benötigten, einreisen… ganz schön viel auf einmal und kompliziert und riskant in einem Studentenwohnheim aufzubewaren. Zum Glück wird das inzwischen einfacher…

Die Wohnheimkosten

Wenn man ein Studentenvisum vom Dehkhoda bekommt, ist man als ausländischer Student seit ein paar Jahren verpflichtet, in einem der offiziellen Studentenwohnheime zu wohnen. Kann man nicht nachweisen dort zu wohnen, bekommt man keine Visumsverlängerung.

Normalerweise bezahlen iranische Studenten nur einen sehr geringen Preis für das Wohnen im „khābgāh“. Aber leider gilt hier die allgemeine Annahme, ausländische Studenten wären ja leicht in der Lage viel Geld für ein Wohnheimzimmer zu zahlen. Ausländer = reich.

Man kann theoretisch zwischen verschiedenen Preisklassen (und damit auch Lage, Qualität, Anzahl der Leute und Kakerlaken im Zimmer etc.) wählen. Von 90-290 Euro pro Person ist für ein 2-4er-Zimmer monatlich alles dabei. Einzelzimmer sind nicht immer zu vergeben, erheblich teurer und auch insgesamt muss man meistens bei Ankunft einfach das Zimmer nehmen, das einem gegeben wird. Man kann sich auf Wartelisten schreiben lassen und nach ein paar Wochen oder Monaten umziehen, wenn einem das Zimmer nicht gefällt.

Die Miete ist jedenfalls für ein iranisches Wohnheim ziemlich überteuert.

Aushang zur Mieterhöhung der Zimmer für Ausländer im Wohnheim (Preise pro Person).

„Gheimat-e khāreji“ – der Ausländerpreis

Wie beim Wohnheim, werden für Ausländer auch in anderen Bereichen gerne höhere Preise berechnet, als für Iraner. Bei Hotel, Museumseintritt (manchmal das 10-20fache des „Iranerpreises“), Taxi und auf dem Bazar. Besonders am Anfang wurde schnell klar, dass man an jeder Ecke abgezogen werden kann, wenn man nicht aufpasst. Und die Preise unterscheiden sich auch noch in jeder Stadt. Man kann also damit rechnen, auch noch nach acht Monaten und mit guten Sprachkenntnissen, mehr für die Dinge blechen zu müssen.

Steht der Preis da jetzt in Tuman oder Rial? Wenn man sich nicht sicher ist, was die gängigen Preise für Lebensmittel etc. sind, bezahlt man schnell mal zu viel.

Reisen

Sobald ich ein paar Tage frei habe, packe ich eigentlich immer meine Sachen und reise – meist mit Freunden – an die unterschiedlichsten Ecken dieses Landes. Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon so viel von diesem Land gesehen und bin mehr innerhalb Irans gereist, als jemals zuvor in einem Land. Ich habe mehr von Iran gesehen als von Deutschland! 

Das mag hauptsächlich daran liegen, dass reisen in Iran recht günstig ist und nicht zu vergleichen mit europäischen Preisen für Verkehrsmittel und Unterkünfte.

Wir reisen fast immer mit Fernbussen, die umgerechnet zwischen 5 und 15 Euro pro Person kosten und zu jeder Zeit von den großen Busbahnhöfen in Teheran abfahren. Außer über Zeiten wie Norooz ist nicht einmal eine Reservierung nötig. Einfach zum Terminal fahren und in den nächsten Bus nach Isfahan steigen.

Sind die Entfernungen zu groß und man hat nicht genug Zeit oder Energie für lange Fahrten, kann man leicht mit Inlandsflügen von A nach B gelangen. Preise liegen hier zwischen 25 und 100 Euro pro Flug, man findet online immer gute Angebote.

In jeder großen Stadt gibt es die Möglichkeit in günstigen Hostels oder Hotels abzusteigen oder bei Einheimischen zu übernachten. Da Letzteres allerdings nicht ganz erlaubt ist, muss man darauf achten die Iraner nicht in Schwierigkeiten zu bringen.

Wie viel man in 9 Monaten für die Reisen und Freizeitaktivitäten im Land ausgibt, ist natürlich dem eigenen Lebensstil überlassen. Für mich als Studentin der Iranistik lohnt es sich allerdings wirklich nicht an den Reisen zu sparen, denn ich möchte während ich hier lebe so viel von Land und Leuten sehen, wie ich nur kann.

Die Rechnung eines Hostels auf der Insel Qeshm. Da muss man sich schon auskennen, um die Logik zu verstehen…

Darf ich arbeiten?

Nein, leider nicht. Mit einem Studenten- oder Touristenvisum ist es wie in allen Ländern nicht möglich zu arbeiten und Geld zu verdienen. Dafür braucht man ein Arbeitsvisum, welches der Arbeitgeber für einen beantragen muss und mit welchem man dann einreisen und arbeiten kann.

Fazit – wie viel kostet ein Auslandsjahr in Iran?

Zu den Kosten für Wohnheim, Sprachkurs und den Reisen kommen die alltäglichen Dinge: öffentliche Verkehrsmittel, Lebensmittel, Kosmetika, Bücher, Kleidung, Freizeitaktivitäten und Essen oder Kaffee im Restaurant.

Alles in allem gebe ich monatlich im Durchschnitt für alles (inkl. Reisen!) um die 700-1.000 Euro aus, je nachdem wie viel ich in jenem Monat reise. Reisen wie die drei Wochen über Norooz ziehen diesen Schnitt natürlich hoch.

Mein Teilstipendium deckt Flüge, Auslandskrankenversicherung, Sprachkurse und einen Teil der monatlichen Ausgaben (über neun Monate). Den Rest des Geldes stellen mir meine Eltern zur Verfügung (Unterhalt und Kindergeld), das ist aber nicht deutlich mehr als mein Leben in Marburg monatlich kostet.

Ein Auslandsjahr in Iran kann je nach Lebensstil und finanzieller Unterstützung der Eltern teurer sein, als man das vielleicht annehmen würde.
Aber mit Teilstipendium der Uni durch den DAAD und zahlreichen weiteren Möglichkeiten der finanziellen Planung, definitiv machbar und lohnenswert.

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