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Auf der Spur russischer Feiertage

Auf der Spur russischer Feiertage

Berlin und Moskau trennen nur 2,5 Flugstunden und doch ist in Russland vieles anders als in Deutschland. Heute erkläre ich euch den Hintergrund und die Bräuche einiger russischer Feiertage.

In Russland gibt es acht gesetzliche Feiertage. 2020 sogar neun, denn aufgrund von Corona wurden die Feierlichkeiten vom 9. Mai auf den 24. Juni verschoben. An diesen acht Tagen ist in ganz Russland arbeitsfrei, nur Kultureinrichtungen wie Theater, Museen und Kinos bleiben offen. Für Restaurants und Geschäfte ist es nicht verpflichtend, zu schließen und dem entsprechend sind die meisten geöffnet. Der Arbeitstag vor einem Feiertag wird um eine Stunde verkürzt und wenn der Feiertag auf ein Wochenende fällt, dann wird der freie Tag verschoben. Ostern ist in Russland kein gesetzlicher Feiertag, dafür bleiben in der Woche zwischen dem 31. Dezember (Neujahr) und dem 8. Januar (Weihnachten) die meisten Geschäfte geschlossen. Dazu gibt es nicht arbeitsfreie Gedenk- und Feiertage sowie regionale Feiertage.

Silvester/Neujahr in Russland

Beendet und angefangen wird das Jahr genauso wie in Deutschland in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar. In Russland ist das Jahresende ein Familienfest und wird groß gefeiert. Da zu Zeiten der Sowjetunion religiöse Feiertage verboten waren, ist Silvester so etwas wie eine Mischung aus Neujahr und Weihnachten. Väterchen Frost (Weihnachtsmann) kommt mit seiner Gehilfin Snegurotschka (Schneemädchen/Schneeflöckchen) in einer Pferdetroika aus Sibirien angereist und bringt den Kindern Geschenke. Auch wird der Weihnachtsbaum für Silvester aufgestellt. Alle Schulen und Kindergärten veranstalten ein Weihnachtsfest, Jelka (Tanne) genannt. Die Mädchen werden traditionell als Schneeflocken und die Jungs als Hasen verkleidet, sie müssen dem Väterchen Frost ein Gedicht vortragen oder ein Lied singen und bekommen als Belohnung ein Geschenk.

Wie bei allen Feierlichkeiten in Russland wird besonders viel Wert auf einen reich gedeckten Tisch gelegt. Da fast alle zu Hause feiern, werden im Laufe des Tages viele alte Filme gezeigt, wie „Ironie des Schicksals“ (spielt an Silvester). Am Abend werden viele Neujahrskonzerte ausgestrahlt und um Mitternacht gibt es eine Ansprache des russischen Präsidenten.  Danach feiert die Familie zusammen und läutet die Woche bis zum russischen Weihnachten ein.

Viele Russen interessieren sich für das chinesische Horoskop und wissen welches Jahr nach dem chinesischen Horoskop eingeläutet wird. Dieses Jahr ist das Jahr der Ratte.

Weihnachten im Januar

Winter Dekorationen in Moskau. Die Winter sind dort lang und dunkel, deswegen wird die ganze Stadt mit vielen Lichtern dekoriert.
Winterdekorationen in Moskau. Die Winter sind dort lang und dunkel, deswegen wird die ganze Stadt mit vielen Lichtern dekoriert.

Da die Russen ihre religiösen Feiertage nach dem julianischen Kalender feiern, fällt Weihnachten auf den 7. Januar. Durch das lange Religionsverbot ist der Feiertag weniger populär als Silvester. Dennoch verbringen ihn viele mit ihren Familien und gehen in die Kirche. Der Gottesdienst dauert vom 6. Januar um 23 Uhr bis zum 7. Januar um 2 Uhr. Bis zum 13. Januar kann man in den Kirchen Weichnachtsmessen besuchen.

23. Februar: Tag des Vaterlandsverteidigers

Diesen Feiertag gibt es seit 1922 und ist den Soldaten gewidmet. Da damals jeder Mann Militärdienst ableisten musste, ist der Tag heute so etwas wie ein Männertag. Es wird allen Männern gratuliert, auch wenn sie nicht in der Armee waren. In Kindergärten und Schulen basteln Mädchen etwas für ihre Klassenkameraden und männlichen Familienmitglieder.

Einer der wichtigsten Feiertage: 8. März

Der Weltfrauentag wird in Russland groß gefeiert und trägt enorm zu den ohnehin schon starken Verkaufszahlen bei Blumen bei. Die Preise für frische Schnittblumen klettern Tage vorher steil nach oben. Auch dieser Feiertag geht zurück ins 20. Jahrhundert. 1917 streikten Arbeiterinnen einer Fabrik und verlangten das Frauenwahlrecht, das Ihnen daraufhin gewährt wurden. Obwohl der Feiertag oft zu Hause gefeiert wird, wird auch bei der Arbeit Frauen eine kleine Aufmerksamkeit geschenkt. In den Schulen und Kindergärten sind jetzt die Jungs dran mit basteln.

Zwei wichtige Tipps zum Blumenverschenken:

  • Eine ungerade Anzahl an Blumen verschenken! Eine gerade Anzahl ist für den Friedhof.
  • Aberglauben hat in Russland noch einen hohen Stellenwert, deswegen keine gelben Blumen schenken, außer Osterglocken und Mimosen. Gelb steht für Abschied, Untreue und Trennung.

Nach einem feiertagslosen April geht es am 1. Mai weiter mit dem Tag des Frühlings und der Arbeit

Früher fanden große Demonstrationen, Paraden und Kundgebungen für Arbeitnehmerrechte statt. Heute freuen sich die Menschen über den Frühlingsanfang und verbringen den Feiertag gern auf dem Land.

9. Mai: Tag des Sieges

Die meisten Leute, gerade die ältere Bevölkerung, feiert den Sieg über Nazi-Deutschland, auch den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg genannt. Zu Hause decken Familien den Tisch, stellen Fotos von im Krieg verstorbenen Verwandten auf und erzählen sich Geschichten über ihre Vorfahren. Nach Silvester ist der 9. Mai der populärste Feiertag. Traditionell schaut man gemeinsam die Fernsehübertragung der Militärparade auf dem Roten Platz geschaut und/oder geht zu einer lokalen Parade. Da fast jeder Haushalt vom Zweiten Weltkrieg betroffen war, gratuliert jeder jedem zum Ende des Krieges. Seit 2015 gibt es in mehreren Stätten die Prozession „unsterbliches Regiment„, im Rahmen derer gehen Familien mit Porträts von Familienangehörigen, die an der Front gekämpft haben auf die Straßen.

Dekorationen zum 09. Mai.
Dekorationen zum 9. Mai.

Weltweit wird der 8. Mai als Ende des Weltkrieges angesehen nur in der ehemaligen Sowjetunion nicht, warum? Weil der sowjetische Marschall Schukow erst in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation angenommen hat.

Im Westen stößt gerade die große Parade auf dem Roten Platz oft auf Unverständnis und auch die großen Feiern im ganzen Land an diesem Tag erscheinen übertrieben. Die Sowjetunion hat die größten Verluste erlitten, schätzungsweise sind zwischen 20 und 27 Millionen Menschen umgekommen. Das heißt, jede Familie hat einen oder mehrere Angehörige verloren und diese Erinnerungen sind heute noch sehr präsent in den Familien.

2020 wurde das 75. Jubiläum gefeiert, das groß ausfallen sollte, wegen Corona dann aber ganz anders wurde. Am 9. Mai gab es über vielen Städten Flugparaden oder Feuerwerk, die Parade auf dem Roten Platz wurde auf den 24. Juni verlegt und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Jedoch konnte man live über den Fernseher alles verflogen. Das unsterbliche Regiment fand online statt und Fotos wurden in die Fenster gehangen. In den Höfen vor den Häusern, in denen Kriegsveteranen wohnen, wurden kleine Konzerte gehalten.

 12. Juni: Russland-Tag

Dies ist ein sehr junger Feiertag mit dem die Gründung Russlands gefeiert wird. In Moskau findet ein Fest der Gastfreundschaft statt und in vielen anderen Gebieten gibt es Konzerte und Feuerwerk. Der Präsident verleiht an dem Tag die höchste Auszeichnung Russlands – die Staatsprämie der Russischen Föderation. Diese wird für herausragende Leistungen in den Bereichen Wissenschaft und Technologien, Literatur, Kunst und humanitäre Dienste verliehen.

Der letzte offizielle Feiertag ist der 4. November: Tag der Einheit des Volkes

Eigentlich wird an dem Tag der Befreiung Moskaus von der polnischen Besatzung im Jahr 1612 gedacht. Heute ist es eher ein Fest aller Menschen. Russland gilt als Vielvölkerstaat, in dem viele Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Traditionen wohnen. Im ganzen Land finden Veranstaltungen statt, in denen die Kultur und die Traditionen der verschiedenen Völker Russlands im Mittelpunkt stehen.

Zu den oben genannten Feiertagen kommen noch einige populäre nicht staatliche Ehrentagen hinzu: Tag des Studenten, Valentinstag, Tag der Raumfahrt, Tag der slawischen Schrift und Kultur und der Tag der russischen Sprache. Der internationale Kindertag fiel dieses Jahr auf den ersten Sommerferientag, an dem Tag und dem Wochenende wurde in ganz Russland kein Alkohol verkauft. Dieses Jahr wurde auch der Tag des medizinischen Angestellten größer gefeiert und Auszeichnungen verliehen, geehrt wurden nicht nur Ärzte, sondern auch Pfleger und Sanitäter für hervorragende Einsätze im Notfall, für eine schwere Operation und für den Kampf mit der neuen Krankheit Corona. Fast alle Arbeitsgruppen haben ihren eigenen Tag, genauso wie die verschieden Militäreinheiten. Gedacht wird noch der Taufe Russlands, der 1. September ist immer Schulanfang und gleichzeitig Tag des Wissens.

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