15. Februar 2026
Vor sechs Monaten habe ich in mein Auslandssemester in Japan gestartet – und jetzt neigt sich diese Zeit langsam dem Ende zu. Deshalb ist es Zeit, ein Fazit zu ziehen: Hat es sich gelohnt? Und wie war es eigentlich, in einer der größten Städte der Welt zu leben und zu studieren?
Mission gescheitert?
Meine Mission während des Auslandssemesters war es, Kanji und Japan wirklich zu verstehen. Kanji ist die dritte Schriftart im Japanischen und wurde aus dem Chinesischen übernommen. Und naja, was soll ich sagen? Nach sechs Monaten muss ich beichten, dass ich Kanji noch nicht lesen kann. Eventuell liegt es auch daran, dass es davon um die 50.000 gibt.
Allerdings habe ich den Sinn hinter Kanji verstanden – nämlich, dass die Schrift die Sprache beim Lesen eindeutig macht. Denn die japanische Sprache ist sehr vielseitig und oft mehrdeutig.
Diese Vielseitigkeit sehe ich auch im Leben in Japan wieder. Die Stadt ist geprägt von riesigen Gebäuden und bunten Lichtern, doch vielleicht schon hinter der nächsten Ecke steht plötzlich ein Schrein oder Tempel, in dem es auf einmal ganz ruhig ist.
Und genau das, glaube ich, macht Japan aus: die Mischung aus großen Metropolen und ruhigen, spirituellen Rückzugsorten.
Also ist meine Mission gescheitert?
Ich würde sagen: nein. Zwar habe ich Kanji nicht wirklich gelernt – aber dafür habe ich verstanden, was Japan ausmacht.
Mehr als nur Vorlesungen
Mein Studium hier an der Rikkyo University war ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Die Kurse waren anders aufgebaut und strukturiert, als ich es von meiner Heimatuniversität gewohnt bin. Die Noten wurden nicht nur durch eine Klausur, sondern auch durch Mitarbeit, Präsentationen und Abgaben bestimmt. Das fand ich sehr gut, da ich dadurch öfter die Möglichkeit hatte, aktiv meine Note zu verbessern.
Was die Vorlesungen für mich aber besonders interessant gemacht hat, waren die unterschiedlichen Sichtweisen. Aus Deutschland bin ich es gewohnt, dass sich Wirtschaftskurse vor allem auf wirtschaftliche Aspekte beschränken. Hier war das anders.
So hat sich der Kurs Business & Society beispielsweise mit der Wechselwirkung zwischen Unternehmen und Gesellschaft befasst und gezeigt, warum eine gesunde Zusammenarbeit wichtig ist. Das war für mich eine ganz neue Art von Vorlesung, die meiner Meinung nach sehr wichtig ist und die ich mir so auch in Deutschland wünschen würde.
Von den Kursen, die ich belegt habe, konnte ich mir, bis auf einen, alle anrechnen lassen. Der eine Kurs weniger war aber nicht weiter schlimm.
Abseits der Vorlesungen war das Unileben aber auch anders und es wurde sich super um uns Internationals gekümmert. Es wurden über das Semester hinweg mehrere Events veranstaltet, um uns die Chance zu geben, die japanische Kultur besser kennenzulernen und mit Japanern in Kontakt zu kommen.
Außerdem bin ich dem Volleyballclub meiner Universität beigetreten. Der hat dann auch mein Semester stark geprägt, weil wir fünfmal die Woche Training hatten und immer wieder Spiele, bei denen ich zu gucken konnte.
Das alles hat für mich den Alltag viel lebhafter gemacht, als ich es mir hätte vorstellen können.
Freunde von überall
Als ich am Anfang nach Tokio gekommen bin, kannte ich niemanden außer den anderen Studierenden aus Osnabrück. Direkt zu Beginn habe ich mich mit vielen super verstanden und so nicht nur Freunde für das Semester gefunden, sondern auch darüber hinaus (eine Reunion ist schon in Planung).
Natürlich gab es auch immer wieder Studierende, mit denen ich mich nicht so gut anfreunden konnte, aber das ist ja völlig normal und gehört wohl zu jeder neuen Umgebung dazu.

Leben in einer Megametropole
Mein Leben hier in Tokio war sehr angenehm. Von Tag eins an habe ich mich wohlgefühlt – bis auf die 38 Grad, die wir im Sommer hatten. Das Einleben, aber auch die Bürokratie, waren super easy, was wir vor allem unseren Ansprechpartner:innen im Wohnheim zu verdanken haben. Sie haben uns bei allen Fragen und Terminen geholfen.
Worüber ich besonders froh bin, ist, dass Tokio zwar eine riesige Stadt ist, aber trotzdem viele Einblicke in das traditionellere Japan bietet, zum Beispiel durch verschiedene Feste oder Tempel.
Lebensmittel sind hier grundsätzlich auch sehr günstig, wobei Obst und Gemüse im Vergleich oft etwas teurer sind als andere Produkte. Außerdem sind Restaurants relativ günstig, weshalb ich auch öfter zur Mittagszeit auswärts essen gegangen bin (vielleicht etwas zu oft). Mit der japanischen Küche habe ich mich sehr gut angefreundet und werde sie zu Hause auf jeden Fall vermissen.
Mein Favorit: Tonkotsu-Ramen.
Mein Fazit zum Auslandssemester in Japan
Würde ich es nochmal machen? Ja, definitiv! In diesem halben Jahr habe ich unfassbar viele Menschen kennengelernt, die ich alle sehr schätze. Ich durfte in einer anderen Kultur leben und Japan aus einer ganz neuen Perspektive erleben.
Persönlich hat mich diese Zeit auch weitergebracht. Ich war das erste Mal über einen wirklich längeren Zeitraum in einem neuen Land und musste – trotz Hilfe – selbstständig sein und klarkommen.
Das Auslandssemester hat mir ein ganz neues Universitätserlebnis gegeben, das ich nicht so schnell vergessen werde, aber wahrscheinlich vermissen. Es hat mich akademisch, kulturell und auch persönlich weitergebracht.
Deshalb kann ich es wirklich jedem empfehlen, ein Auslandssemester, besonders in Japan, zu machen.



