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Wenn das Auslandssemester nicht nach Plan läuft

Viele verbinden mit einem Auslandssemester Abenteuer, neue Freunde, Partys und vielleicht auch neue Erfahrungen mit einer fremden Kultur. Dass ein Aufenthalt im Ausland auch eine akademische Komponente mit sich führt, wird von einigen jedoch vergessen. Ein klassisches Auslandssemester habe ich trotzdem nicht und bis zu meiner Ankunft in China lief auch noch alles wie geplant.

Gerade durch Erasmus hat ein Auslandssemester leicht den Ruf eines Partysemesters. Dass das nicht zwangsläufig so sein muss, könnt ihr in den Blogs der anderen Correspondents, gerade bei denen, die am Erasmus+-Programm teilgenommen haben, lesen. Bei mir sieht das Ganze jedoch etwas anders aus, da ich leider nicht wirklich normale Vorlesungen oder Kurse hier an der ECUST habe.

Meine Hochschule, die Fachhochschule Lübeck kann mittlerweile auf eine über zehnjährige Zusammenarbeit mit der East China University of Sciences and Technology zurückschauen. Zu dieser Zusammenarbeit gehört auch ein Learning Agreement, das ähnlich wie ein Austausch funktioniert. Von  beiden Seiten kommen pro Semester bis zu drei Studenten an die Partneruni. Dort besuchen sie jedoch nicht die normalen Vorlesungen, sondern arbeiten im Idealfall zusammen mit einem Professor und den dortigen Studenten an einem Projekt. Das ganze ist als Stipendium der Gastuni aufgebaut und nennt sich in meinem Fall „Shanghai Stipendium“.

Wie oben erwähnt, sieht der Idealfall vor, dass man zusammen mit chinesischen Studierenden und einem Professor an diversen Projekten arbeitet. Leider bin ich nicht der Idealfall, denn seit meiner Ankunft hier in Shanghai läuft mein Aufenthalt unitechnisch ganz und gar nicht nach Plan und erst recht nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte.

Projekt Research mit Cappuccino in der Bib
Projekt Research mit Cappuccino in der Bib

Eigentlich hätte ich an einem Projekt über Risikomanagement und Risikobewertung arbeiten sollen. Das ist zwar nicht ganz das, was ich in Deutschland in meinem Studium lerne, jedoch ist Hörakustik ein ziemlich spezielles und kleines Feld und so habe ich mich hier an der ECUST für die Business Fakultät beworben. Soweit so gut. Kein Thema in das man sich nicht reinfuchsen kann und so habe ich schon vor meiner Abreise meine Professorin vor Ort kontaktiert, um mich etwas vorzubereiten. In China angekommen, wurde jedoch alles über Bord geworfen, da die Professorin schwanger geworden ist und mir deshalb eine neue Professorin als Betreuerin samt neuem Projekt zugeteilt wurde.

Da dies jedoch alles etwas kurzfristig war, hatte ich den Anschein, dass meine neue Betreuerin nicht wirklich wusste, wo sie mich hinstecken sollte. Als Projekt war nichts Festes vorgegeben, deshalb sollte ich mir eigenständig ein Projekt aus dem Themenbereich des Projekt Managements aussuchen.

Dies nutze ich, um meinen Auslandsaufenthalt doch noch mit meinem Studium in Deutschland, der Hörakustik, zu verbinden und so schreibe ich jetzt einen kleinen Guide.
Der Guide ist eine Art Ratgeber für einen fiktiven deutschen Hörgerätehersteller, um auf dem chinesischen Hörgerätemarkt Fuß zu fassen.
Dies beinhaltet unter anderem eine Analyse über den Bedarf an Hörgeräten in China, den Aufbau des chinesischen Marktes aber auch eine Wirtschaftsanalyse Chinas.

Leider habe ich jetzt noch weniger das Gefühl, dass meine Betreuerin weiß, wie sie mir helfen oder wie sie mich dabei richtig unterstützen kann. Daher bin ich relativ auf mich alleine gestellt.

Alles in allem muss ich leider zugeben, dass ich mir mein Auslandssemester von Seiten der Uni so nicht vorgestellt habe. Durch die isolierte Projektarbeit habe ich leider keinen Kontakt zu chinesischen Studierenden, was auf diese unglücklichen Umstände zurückzuführen ist. Von anderen ausländischen Studierenden, die eine ähnliche Projektarbeit hier in China machen, weiß ich aber, dass das auch deutlich besser laufen kann.

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