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Corona und Schottland: Meine Erfahrungen

Corona und Schottland: Meine Erfahrungen

Auslandssemester trotz Pandemie? Kann das überhaupt funktionieren? Nachdem sich mein alltägliches Leben in den Sommermonaten wieder einigermaßen normalisiert hat, war ich mir sicher: Das klappt!

Die Planung meines Auslandssemesters begann relativ kurzfristig, da lange nicht feststand, ob ich das Abenteuer tatsächlich antreten kann oder ob das Auslandssemester ein reines Online-Semester wird, das ich aus Deutschland absolviere. Einen Monat vor Semesterbeginn habe ich mich dann final dazu entschieden, nach Edinburgh zu reisen und habe mir mit meiner Freundin und Kommilitonin Sarah eine gemeinsame Wohnung gemietet. Eine Befürchtung hat sich bewahrheitet: Das Semester findet tatsächlich fast ausschließlich online statt. Trotzdem war und ich bin ich nach wie vor sehr glücklich mit der Entscheidung, vor Ort in Schottland zu sein.

Die erste Zeit in Edinburgh

Sarah und ich sind am 5. September am Flughafen in Edinburgh gelandet. Erst Ende August hatten die Restaurants und Geschäfte nach dem ersten Lockdown hier wieder geöffnet. Unser Taxifahrer erzählte uns, dass die Straßen in der sonst sehr belebten Stadt zuvor monatelang wie ausgestorben wirkten. Langsam kehrte das Leben zurück in die schottische Hauptstadt. Wir haben den Alltag hier ähnlich zu der Situation in Deutschland erlebt. Es herrscht Maskenpflicht in sämtlichen Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Abstand wird nach wie vor geachtet. Im Vergleich zu letztem Jahr, als ich einige Tage mit meiner Familie in Edinburgh verbrachte, werden die touristischen Hauptattraktionen nur vereinzelt besucht. Wir hatten dadurch und haben immer noch wenig Kontaktpunkte zu fremden Menschen. Es herrscht kein Gedränge in Bussen und vor der Burg oder in den Haupteinkaufsstraßen kann man gut Abstand halten.

Kontakte knüpfen unter erschwerten Bedingungen

Schnell wurde das Kontaktverbot im September wieder  verschärft. Von da an durften wir uns mit maximal sechs Leuten aus zwei Haushalten treffen. Keine idealen Bedingungen für ein Auslandssemester, bei dem man viele andere Studierende kennenlernt, aber in Zeiten wie diesen habe ich mit Einschränkungen gerechnet und konnte mich mit dieser Regel auch noch gut arrangieren. Die Lage in Großbritannien hat sich allerdings immer dramatischer verschlechtert. Die meisten Neuinfektionen werden zwar aus England und Glasgow gemeldet, doch auch Edinburgh als große Stadt verzeichnet viele positive Testergebnisse. Der nächste Schritt war dann das Besuchsverbot. Eine Regel, die uns das erste Mal merklich eingeschränkt hat. Da Sarah und ich den Kontakt zu anderen Menschen minimieren wollten, hatten wir viel mit anderen Austauschstudierenden unserer Heimathochschule in unseren eigenen vier Wänden unternommen – gemeinsames Kochen, Spiele- und Filmabende. Seit Ende September ist es uns allerdings untersagt, andere Haushalte zu besuchen oder Gäste bei uns Zuhause zu empfangen.

Es kommt immer anders als man denkt

Seit Anfang Oktober verschärft sich die Lage, wie in vielen anderen Ländern, auch in Großbritannien weiter. Die Sperrstunde der Pubs und Restaurants um 22 Uhr wurde auf 18 Uhr vorgezogen und Alkohol wird nirgends mehr ausgeschenkt. Ein abendlicher Spaziergang ist mittlerweile zu Sarahs und meiner Gewohnheit geworden (schon während des ersten Lockdowns habe ich das Spazierengehen als neues Hobby entdeckt). Dabei machen die Pubs und Restaurants einen fast gespenstischen Eindruck, weil sie nach 18 Uhr dunkel und geschlossen sind. Langsam entwickelt sich das Leben in Schottland wieder Richtung Lockdown und das, obwohl sich das Leben hier zu Lande doch erst vor zwei Monaten wieder einigermaßen normalisiert hat. Die Regierung hat allerdings betont, dass ein zweiter kompletter Lockdown unter allen Umständen verhindert werden soll. Am 2. November werden dazu neue Reglungen veröffentlicht.

Außerdem wurde Schottland vom Robert Koch-Institut zum Risikogebiet erklärt. Meine Eltern haben daraufhin schweren Herzens ihre Reise nach Edinburgh abgesagt und auch mein Freund kann mich nicht, wie geplant, am Wochenende besuchen kommen.

Meine Tipps für Euch

Seid flexibel! Wenn ihr während Corona ein Praktikum oder Semester im Ausland verbringen wollt, dann versucht bei der Wohnungssuche flexible Ein- und Auszugsdaten mit eurem Vermieter auszuhandeln. Gerade während der aktuellen Zeit ist es schwierig, lange im Voraus zu planen. Wenn ihr euren Auslandsaufenthalt aufgrund neuer Bestimmungen also früher als geplant abbrechen wollt oder müsst, dann ist es praktisch, wenn ihr auch früher aus eurem Mietvertrag rauskommt.

Seid euch über Einschränkungen bewusst. Aktuell ist das keine „gewöhnliche“ Auslandserfahrung, aber man kann immer noch das Beste aus der Situation machen! Unternehmt Ausflüge in die Natur oder nutzt die Touristenflaute, um beliebte Sightseeing-Orte zu erkunden.

Informiert Euch außerdem vor eurer Abreise regelmäßig über die Situation in dem Land, in das ihr reisen wollt. Über Schottland könnt ihr Euch beispielsweise jederzeit auf der Webseite der Regierung über neuste Entwicklungen informieren.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nach wie vor froh über die Entscheidung bin, nach Schottland gereist zu sein. Alleine hätte ich den Schritt wahrscheinlich nicht gewagt, aber zusammen mit Sarah habe ich die Zeit hier bisher sehr genossen und hoffe, dass sich die Lage wieder etwas beruhigt, damit wir auch unsere restlichen Wochen in Edinburgh noch genießen können.

Bleibt gesund und passt auf Euch auf!
Eure Mareike

Kommentare
  1. Y

    1. November 2020

    Hast du denn flexible Ein und Auszugsmöglichkeiten?

    1. Mareike

      2. November 2020

      Hey Yannic!
      Zu Beginn habe ich leider nicht daran gedacht und bin erst auf die Idee gekommen, nachdem andere Austauschstudenten von ihren flexiblen Mietkonditionen erzählt haben. Nachdem sich die Situation dann wieder verschärft hat, habe ich Kontakt zu der Agentur aufgenommen, die sich bei dem Vermieter der Wohnung bezüglich früherer Auszugsmöglichkeiten und Erstattungen erkundigt hat. Nächstes mal würde ich mich definitiv schon vor Mietbeginn darum bemühen!

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