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Ein langer Tag im historischen Nablus

Ein langer Tag im historischen Nablus

Heute haben wir einen langen Tag im historischen Nablus vor uns. Da es zwei Tage zuvor Ausschreitungen zwischen der israelischen Armee, der palästinensischen Security und den Bewohner_innen des Flüchtlingscamps Balata gab, mussten wir allerdings eine andere Route nehmen…Seid gespannt!

Das Stadtzentrum von Nablus liegt im Tal zwischen den beiden Bergen Garizim und Ebal. Die Geschichte von der Besiedlung der Stadt, die im Alten Testament unter dem Ort Sichem bekannt ist,  geht auf das 4. Jahrhundert vor Christus zurück. Heute leben dort muslimische, christliche und samaritanische Menschen.

Nablus liegt ca. 55km nördlich von Ost-Jerusalem und man braucht eine gute Stunde mit dem Auto dorthin. Als wir in die Stadt hereinfuhren, war ich überrascht von der bergigen Landschaft und den vielen, gleich aussehenden Häusern.

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Ausblick von einem Restaurant auf die Stadt Nablus

Zu Beginn hatten wir einen Termin mit dem Governor von Nablus, Akram Rajoub in seinem Büro. Im Gespräch mit ihm hat mich besonders seine harte Linie gegenüber Straftäter_innen in der Stadt fasziniert. Diese leben vor allem in den drei Flüchtlingscamps, die ein Drittel der Stadtbevölkerung ausmachen. Gang- und Clanstrukturen, illegaler Waffen- und auch Drogenhandel gehören hier zum verzweifelten Alltag der Menschen.

Übrigens bestand er darauf, ein Foto zu machen, auf dem er freundlich schaut. 😀

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V.l.n.r..: Unser Team bestehend aus Christoph, Raed und Beyhan, in der Mitte der lachende Governor, neben ihm seine Mitarbeiterin und ganz rechts bin ich.

Der nächste Termin führte uns zur PGFTU, dem Gewerkschaftsverband für palästinensische Arbeitnehmer_innen. Sowas wie der DGB in Palästina sozusagen, nur nicht ganz so streng strukturiert. Vor allem mangelnde Sicherheit auf Baustellen ist hier ein großes Problem.

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Der dritte Mann von links ist der Generaldirektor der PGFTU, dem Gewerkschaftsverband für palästinensische Arbeitnehmer_innen.

Beim nächsten Termin trafen wir eine Frauenrechtlerin, die sich für politischen Feminismus und Säkularismus in der palästinensischen Gesellschaft einsetzt. Ich wünschte Palästina hätte mehr von solchen Frauen…

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Hier hält unser Programmmanager Christoph die Eröffnungsrede für den bevorstehenden Roundtable über den historischen Kontext der palästinensischen Teilung.

Am späten Nachmittag besuchten wir einen von unserem Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)-Büro und der Partnerorganisation Seeds for Development and Culture / BOTHOUR durchgeführten Roundtable, bei der die Teilung Palästinas im historischen Kontext diskutiert wurde. Auch hier wurde nicht nur Israel kritisiert, sondern auch die innerpolitische Spaltung der palästinensischen Gesellschaft.

Kommentare
  1. PJ

    16. August 2018

    Danke für diesen Blog.
    Ich lese gerne von deinen Erfahrungen. Vor allem die Art wie du schreibst gefällt mir! Nicht einseitig, kurz aber mit interessanten Details.
    Schade, dass kein Bild von dir dabei war.

    1. Saliha Engler

      21. August 2018

      Liebe*r PJ,
      vielen Dank für dein Feedback. Mein Tag umfasst manchmal 13 Stunden und ich versuche ihn so kurz wie möglich aber auch so informativ wie möglich wiederzugeben. Ich bin übrigens auf dem zweiten Bild ganz rechts abgebildet 😉

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