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Finnisch – musst du das überhaupt lernen?

Finnisch – musst du das überhaupt lernen?

Die schnelle Antwort auf diese Frage lautet: nein. Aber weshalb schlage ich mich dann mit Innesiv, Adsessiv, Essesiv und 12 weiteren Fällen herum? Und ist Finnisch wirklich so schwer zu lernen?

Noch wenige Monate vor meinem Umzug nach Finnland hatte ich gar nicht vor, Finnisch zu lernen. „Die sprechen ja eh alle gutes Englisch“ war meine  Rechtfertigung. Tatsächlich sprechen die Finnen unglaublich gut Englisch, was die Kommunikation im Alltag sehr erleichtert. Dennoch stört mich das Gefühl, auf die Sprachkenntnisse anderer angewiesen zu sein. Natürlich ist Finnisch keine einfache Sprache, doch ich möchte mich auch ohne die Hilfe Einheimischer im Alltag zurecht finden können.

Das Glücksspiel der Vokabeln

Was viele Menschen vom Lernen der finnischen Sprache abschreckt, ist der entfernte Wortstamm. Anders als Englisch, Französisch oder Spanisch gehört Finnisch zum finno-ugrischen Sprachstamm und ist damit nicht mit der deutschen Sprache verwandt. Dadurch ist es für mich sehr schwer, mir Vokabeln zu merken. Anders als im Französischen gibt es keine Wortteile, an denen man sich „entlanghangeln“ und orientieren kann. Auch die Abfolge und Doppelung von Vokalen ist schwer zu merken. Das Vokabellernen wird zum Glücksspiel: „Nähdään“ oder „Näädähn“? – sieht für mein deutsches Auge erstmal gleich aus. Da ich erst vor zwei Wochen angefangen habe, Finnisch zu lernen, kann ich leider noch kein Geheimrezept dagegen teilen. Meine (bisher) einzige Lösung für diese Herausforderung: immer wieder wiederholen.

Nicht dein Fall? – Gut, dass es noch 14 weitere gibt!

Richtig gelesen: die finnische Sprache hat 15 Fälle. „Wofür braucht man denn so viele Fälle?!“ habe ich mich oft gefragt. Mittlerweile kann ich stolz erklären, dass sie die Präpositionen ersetzen. Denn im Finnischen gibt es diese praktischen Zwischenwörter wie „in“, „zu“ oder „von“ nicht. Stattdessen wird eine entsprechende Endung an das Nomen angehangen. Meine Finnisch-Lehrerin sagt immer, Finnisch sei sehr ökonomisch, da man sich so viele Wörter spart. Da stimmt schon, nur ist die Satzstruktur dadurch eine ganz andere, da man beispielsweise erst durch die Endung des Wortes „Haus“ versteht, ob jemand in das Haus oder aus dem Haus geht. Die Sätze sind dadurch grundlegend anders aufgebaut.

Eine Tabelle zeigt die finnischen Fälle am Beispiel des Wortes "talo" (Haus).
Eine Übersicht der 15 Fälle – wie gut, dass wir drei davon kennen (sollten)!

Artikel? Gendern? Fehlanzeige!

Für alle, die sich an die finnische Sprache wagen wollen, habe ich jedoch auch gute Nachrichten: In vielen Bereichen ist die finnische Sprache leichter als die deutsche. Zum Beispiel gibt es keine Artikel. Man kann sich beim Vokabellernen also ganz auf die Wörter selbst konzentrieren. Außerdem gibt es beim Konjugieren von Verben kein „er“ oder „sie“: es gibt nur eine einheitliche Form für die dritte Person im Singular. Anders als im Französischen zum Beispiel, müssen die Wörter diesbezüglich nicht angeglichen werden. Und obwohl Deutsch und Finnisch nicht verwandt sind, gibt es dennoch Ähnlichkeiten. Das Wort „viikonloppu“ bedeutet beispielsweise „Wochenende“ und setzt sich auch im Finnischen aus den Wörtern „Woche“ (viiko) und „loppu“ (Ende) zusammen.

Finnisch zu lernen ist definitiv anders als Französisch oder Spanisch zu lernen. Aber es ist gerade das „Andere“, was Finnisch so spannend macht. Auch wenn ich bis jetzt nicht viel mehr als meinen Namen, meine Adresse und meine Herkunft sagen kann: Ich freue mich über jedes Wort, das ich in dieser Sprache lerne. Und auch das Feedback von Finnen ist immer positiv, wenn man die wenigen und wahrscheinlich schlecht ausgesprochenen Vokabeln im Alltag anwendet.

Finnisch ist eine Herausforderung, die ich gerne annehme.

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