24. November 2025
Ich wohne hier in Addis Abeba gemeinsam mit einer Mitbewohnerin und einem Mitbewohner für insgesamt drei Monate. Diese Zeit ist für mich nicht nur ein einfacher Aufenthalt, sondern ein echtes Abenteuer, in dem ich den Alltag in einer völlig neuen Stadt erlebe.
Ich zahle für mein Zimmer mit eigenem Bad 380 Euro. Dabei muss ich aber erwähnen, dass mein Zimmer das größte in der Wohnung ist und meine Mitbewohner deutlich weniger zahlen. Gemeinsam teilen wir uns eine gut ausgestattete Küche sowie einen großen Ess- und Wohnbereich.
In meinem Zimmer habe ich neben dem Bett ein Fenster, durch das ich jeden Morgen von den schönsten Sonnenaufgängen aufgeweckt werde. Leider sind die Fenster nicht besonders dicht, sodass ich nachts die viel befahrene Straße, das Bellen der Straßenhunde und die Gesänge der umliegenden Moscheen höre. An diese Geräuschkulisse habe ich mich bis heute noch nicht wirklich gewöhnt, was dazu führt, dass ich nachts häufig aufwache.
Mein absolutes Highlight der Wohnung ist unsere Dachterrasse. Am Nachmittag sitze ich dort gerne in der Sonne, lese mein Buch oder genieße den Sonnenuntergang. Der Blick über die Stadt und die umliegenden Berge ist wirklich unbezahlbar.
Direkt neben dem Haus gibt es eine kleine Bäckerei sowie einen großen Obst- und Gemüsemarkt, wo ich den Großteil meiner Lebensmittel kaufe.
Das sind meine Mitbewohner
Meine Mitbewohnerin kannte ich bereits aus meinem ersten Mastersemester, und meinen Mitbewohner habe ich vorab bei einer Infoveranstaltung zum Auslandsaufenthalt in Äthiopien kennengelernt. Ich unternehme sehr gerne etwas mit den beiden, und wenn einer von ihnen am Esstisch sitzt und lernt, motiviert mich das sofort, mich dazu zu setzen. Wir gehen auch oftmals zusammen in unserer Nachbarschaft essen. Mit meiner Mitbewohnerin mache ich sehr gerne Sport in unserem Wohnzimmer oder wir quatschen einfach über unseren Tag. Da wir hier alle die gleichen Kurse belegen, tauschen wir uns auch gemeinsam über die Uni aus. Die beiden tragen definitiv dazu bei, dass ich mich hier in Äthiopien ganz angekommen fühle.
Wohnsituation in Äthiopien: Ein ganz besonderes Abenteuer
Woran ich mich sehr schnell gewöhnen musste, sind die regelmäßigen Stromausfälle. Leider treten diese meistens genau dann auf, wenn wir gerade 10 Liter Wasser eingekauft haben und dann der Aufzug ausfällt (wir wohnen im 9. Stock). Auch habe ich gelernt, Uni-Abgaben nicht mehr auf den letzten Drücker zu machen, besonders wenn ich auf WLAN angewiesen bin. In Addis kommt es außerdem nicht selten vor, dass ganze Häuser für einen Tag kein Wasser haben. Freunden von mir ist das leider schon häufig passiert, weshalb sie das ein oder andere mal zum waschen bei uns vorbei gekommen sind. Glücklicherweise ist das bei uns bisher noch nicht aufgetreten. Drückt mir die Daumen, dass das auch so bleibt!
Ungewohnt war für mich anfangs auch, dass vor unserem Haus Security Guards stehen, was hier allerdings völlig normal ist. Einige meiner Kommilitonen haben sogar eigene Hausangestellte, was ebenfalls keineswegs ungewöhnlich ist. Wir haben uns allerdings bewusst dagegen entschieden.
Wohnungssuche
Die Wohnungssuche in Addis Abeba gestaltet sich ehrlich gesagt ziemlich schwierig. Ich hatte das Glück, dass mein Mitbewohner die Wohnung über persönliche Kontakte bekommen hat. Vor genau einem Jahr haben hier nämlich bereits andere Studierende aus meinem Studiengang gewohnt. Es lohnt sich deshalb, schon an der Heimathochschule nach Erfahrungen und möglichen Kontakten zu Vermietern zu fragen. Alternativ bieten auch Airbnb und Facebook gute Möglichkeiten für Kurzzeitvermietungen. Dabei sollte man jedoch unbedingt auf mögliche Scams achten. Außerdem sind die Preise für solche Apartments meist etwas höher als auf dem lokalen Wohnungsmarkt. Als wir noch von zu Hause aus auf Wohnungssuche waren, haben wir immer einen Videoanruf verlangt, um sicherzugehen, dass die Wohnung wirklich existiert. Eine weitere Option ist es, sich für die ersten Tage ein Hostel zu nehmen und sich dann vor Ort nach einer passenden Wohnung umzuhören.
Gerade in Addis Abeba ist es wichtig, auf die Gegend und die Lage der Wohnung zu achten. Unsere Wohnung liegt nur zehn Minuten zu Fuß von der Uni entfernt, was uns tägliche Taxifahrten erspart. Auf der anderen Seite brauche ich etwas länger, um zum Schwimmen oder Tanzen zu fahren, da viele Freizeitaktivitäten am anderen Ende der Stadt stattfinden. Generell würde ich aber empfehlen, nicht zu weit am Stadtrand zu wohnen, da es vor allem nachts schwieriger ist, wieder nach Hause zu kommen.
Fun Fact: Anfangs war es gar nicht so einfach, einen Mietvertrag aufzusetzen, da der äthiopische Kalender ganz anders funktioniert als unserer. In Äthiopien schreibt man aktuell das Jahr 2018, und zusätzlich liegt der Kalender etwa zehn Tage hinter unserem. Weil unsere Vermieter Steuern auf die vermietete Wohnung zahlen müssen, beginnt unser Mietvertrag aus diesem Grund am 10.10., da dies im äthiopischen Kalender dem ersten Tag des neuen Monats entspricht.
Wohnen auf dem Campus
Auf dem Campus gibt es zwar auch Studierendenwohnheime, aber aufgrund unseres kurzen Aufenthalts konnten wir uns dafür gar nicht bewerben. Meine äthiopischen Freundinnen haben mir jedoch erzählt, dass das vermutlich auch besser ist. Die Türen werden zum Beispiel punkt 22 Uhr geschlossen und wer bis dahin nicht zurück ist, muss sich für die Nacht eine andere Unterkunft suchen. Außerdem sind im Wohnheim keine Lebensmittel erlaubt, sodass meine Freundinnen immer außerhalb essen müssen. Ein Zimmer wird dort zu fünft geteilt, und das Wohnheim ist streng in zwei Bereiche zwischen Frauen und Männer getrennt.
Fazit zu meinem neuen Zuhause
Alles in allem kann ich sagen, dass ich mich in der Wohnung wirklich sehr wohl fühle und großes Glück mit meinen Mitbewohnern habe. Nach einem anstrengenden Unitag, freue ich mich meistens schon auf zu Hause. Überraschenderweise habe ich auch auf der Rückfahrt einer unserer Wochenendtrips zu meinem Mitbewohner gesagt, dass ich mich wieder auf unsere Wohnung freue. Dies hat mir gezeigt, dass ich die Wohnung, auch wenn nur für kurze Zeit, eine Art zweites zu Hause für mich geworden ist. An dieser Stelle möchte ich allerdings auch anmerken, dass es für mich ein großes Privileg ist, so wohnen zu dürfen, da nicht viele Menschen in Äthiopien so wohnen. Diese Erfahrung macht mir umso mehr bewusst, wie dankbar ich für diese Unterkunft bin.






